Laden...
LKR Coburg
Gesundheit

Coronavirus: Mildert das Gurgeln mit Mundspülungen den Krankheitsverlauf?

Kleiner Aufwand, große Wirkung: Die Spezialisten des Regiomed-Klinikverbundes raten zum Tragen von Schutzmasken - und Infizierten zum regelmäßigen Gurgeln.
Artikel drucken Artikel einbetten
Regiomed-Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke hat den Mund-Nase-Schutz schon längst zu seinem Alltagsbegleiter gemacht - und gurgeln tut er auch.  - Foto: Regiomed
Regiomed-Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke hat den Mund-Nase-Schutz schon längst zu seinem Alltagsbegleiter gemacht - und gurgeln tut er auch. - Foto: Regiomed
+1 Bild

Gurgeln - dieser einfache Rat geht von den Medizinern aus dem Regiomed-Klinikverbund an Patienten, die sich mit dem Covid-19-Virus angesteckt, aber noch keine schweren Symptomen haben. Das hat Professor Klaus-Dieter Zastrow, Leiter des zu Regiomed gehörenden Hygiene-Instituts für Mitteldeutschland, bei der wöchentlichen Telefonrunde zum aktuellen Stand der Corona-Erkrankungen im Coburger Land berichtet.

Natürlich rät Zastrow nicht, einfach nur irgendwas zu gurgeln. Polyvidon-Jod oder Octenidin sollten es schon sein, wenn man den Erregern zu Leibe rücken möchte. Diese Erfahrung haben sie nach Worten von Klaus-Dieter Zastrow bei Regiomed gemacht, seit sie Ende Februar zum ersten Mal die Empfehlung regelmäßiger Mundspülungen herausgegeben haben. "50 bis 60 Personen, die mit Erkrankungen aus Skireisen nach Italien heimgekommen sind", schätzte Zastrow, seien dem Vorschlag gefolgt. Dabei habe es sich herausgestellt, dass es in der Folge bei diesem Personenkreis kaum schwere Krankheitsverläufe gegeben habe.

Mundspüllösungen: Diese Mittel sind in der Apotheke erhältlich

Aus medizinischer Sicht überrascht Klaus-Dieter Zastrow - den Regiomed-Chef Alexander Schmidtke als einen "Pionier in Fragen der Hygiene" bezeichnet - der Erfolg der auch im normalen Apothekenhandel erhältlichen Mundspüllösungen (Beispiele: Betaisodona, Octenident) nicht.

Aktueller Stand zum Coronavirus - Jetzt für Newsletter anmelden

Denn: Im Gegensatz zu den meisten Lungenerkrankungen findet beim Coronavirus die Vermehrung der Erreger erst einmal längere Zeit im Mund- und Rachenraum statt. Wenn es gelinge, schon dort die Zahl der Viren klein zu halten, könne man "die Schwere der Erkrankung massiv reduzieren", berichtete der Hygienefachmann.

"Regiomed gurgelt" hat deshalb auch der Regiomed-Hauptgeschäftsführer als Motto ausgegeben. Alexander Schmidkte setzt dabei, ausdrücklich nicht auf Empfehlung seines Hygiene-Papstes Zastrow, zwar "nur" auf "Klosterfrau Melissengeist" - das aber als Überzeugungstäter, wie er berichtete: "Danach ist im Mund zwar alles taub, aber vermutlich auch alles tot."

Gurgeln mit Mundspülung: Nur bei Symptomen oder konkretem Verdacht

Wer jedoch auf Nummer sicher gehen möchte, sollte wohl eher Zastrows Empfehlung folgen und in der Apotheke einkaufen. Ohne Krankheitssymptome oder einen konkreten Ansteckungsverdacht brauche man die professionellen Mundspüllösungen aber nicht verwenden, bremste der Chefhygieniker schon sicherheitshalber mal vor einem möglichen Kaufrausch in der Region. Da sprach sich der Mediziner dann eher für das Tragen von einfachen "OP-Masken", also einem Nase-Mund-Schutz, aus.

Sollte sich die Regierung dazu entschließen, dem österreichischen Weg zu folgen und die Verwendung einfacher Masken zur Vorgabe im öffentlichen Raum zu machen, sehen die Spezialisten des Regiomed-Verbundes das Land Deutschland gut gerüstet. "Wir sind dazu in der Lage, ohne weiteres diesen Weg zu gehen", versicherte Zastrow. Es gehe schließlich "nur" um die klassischen OP-Masken, die - wenn nicht schon jetzt zur Genüge vorhanden - relativ schnell auf dem Weltmarkt zu beschaffen sein dürften.

Wohlgemerkt: einfache Masken. Bei Masken höherer Schutzklassen wie FFP2 oder FFP3 schaut es nach Einschätzung des in Sonneberg ansässigen Institutsleiters schon anders aus: "Da hecheln derzeit alle hinterher." Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass die FFP-Masken bis zu zehn Mal teurer sind als einfache Masken.

Mundschutz: Experte hält auch einfache Masken für "total wirkungsvoll"

Bei den Regiomed-Einrichtungen gehört ein Mundschutz inzwischen zum Alltag - "auch in der Verwaltung", sagte Schmidtke und verwies auf sein schickes persönliches Exemplar, das er von der Nähwerkstatt des Coburger Landestheaters bekommen hat.

Wie Sie sich einen Mundschutz selbst nähen können, erklären wir Ihnen in unserem inFranken.de-Ratgeber-Artikel.

Klaus-Dieter Zastrow zeigte sich erfreut darüber, dass sich inzwischen auch bei anfangs skeptischen Medizinerkollegen und in der Politik die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass auch einfache Schutzmasken "total wirkungsvoll" im Kampf gegen die Corona-Tröpfcheninfektion sind. Wichtig sei es, die großen Tropfen aus dem persönlichen Umgang im täglichen Leben aufzuhalten - immer mit dem Wissen: "Die wirklich Erkrankten laufen ja nicht auf der Straße herum."

Zur Person: Klaus-Dieter Zastrow: Der Professor leitet seit April 2016 das Regiomed-Hygiene-Institut. Zuvor war Zastrow 20 Jahre Bereichsleiter Hygiene beim Vivantis-Klinikkonzern sowie anschließend zehn Jahre beim Bundesgesundheitsamt und dem daraus entstandenen Robert-Koch-Institut.

Viren abtöten: Wie man seinen Mundschutz reinigt

70 Grad Temperatur und ein Backofen genügen, um einen leichten OP-Mundschutz wieder für den Gebrauch im Alltag tauglich zu machen. Nach etwa einer halben Stunde bei dieser Temperatur sind alle Covid-19-Erreger auf jeden Fall abgetötet. 10 Minuten im brodelnden Wasser - "dann ist alles erledigt", erklärte Klaus-Dieter Zastrow. So lange brauchen die handgenähten Schutzmasken, um wieder erregerfrei zu sein. Weitere Empfehlung Zastrows: Nur eine Lage Stoff reicht nicht aus!

Über die Lage in Franken, Deutschland und der Welt halten wir Sie in unserem Coronavirus-Ticker auf dem Laufenden.

Verwandte Artikel