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Verkehr

Coburgs (zu) langer Weg zur Fahrradfreundlichkeit

Bis 2020 muss sich in Stadt und Landkreis Coburg jede Menge tun, um als "fahrradfreundliche Kommune" ausgezeichnet zu werden.
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Und jetzt? Wenn Radfahrern - wie hier in der Coburger Mohrenstraße - bei  Baustellen keine Umleitungsstrecken empfohlen werden, dann kommt das bei den Zertifizierern der "Arbeitsgemeinschaft  fahrradfreundlicher Kommunen" gar nicht gut an.Foto: Berthold Köhler
Und jetzt? Wenn Radfahrern - wie hier in der Coburger Mohrenstraße - bei Baustellen keine Umleitungsstrecken empfohlen werden, dann kommt das bei den Zertifizierern der "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen" gar nicht gut an.Foto: Berthold Köhler
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Jetzt aber hurtig. Wenn die Stadt und der Landkreis als Gründungsmitglieder der "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen" (AGFK) auch tatsächlich das Zertifikat der Fahrradfreundlichkeiten bekommen wollen, muss sich schnell was und viel tun. Das ist bei einer Sitzung des gemeinsamen ÖPNV-Beirates von Stadt und Landkreis Coburg deutlich geworden.

Landrat Michael Busch (SPD) - seines Zeichens auch stellvertretender Vorsitzender der bayerischen AGFK - drückte aufs Tempo: "Bei uns hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, aber das reicht für eine Zertifizierung nicht aus." Was noch getan werden muss, verdeutlichte Marita Nehring (ÖPNV-Beauftragte) den Beiratsmitgliedern in einer nicht kurzen Präsentation. Neben allerhand Vorschlägen für einen fahrradfreundlichen Alltagsverkehr drängte die Nehring insbesondere auf "konkrete Beschlüsse" in den politischen Gremien wie Stadtrat und Kreistag. Und Michael Busch ergänzte: "Wir müssen finanzielle Mittel für den Radverkehr zur Verfügung stellen." Denn bislang sei bei der Arbeit dafür nur "Stückwerk" möglich gewesen.

Lesen Sie hier, was sich im Coburger Land schon getan hat

Bessere Beschilderung, mehr Platz für Radwege, klare Vorgaben für die Autofahrer - all das werden Punkte sein, die die AGFK bei ihrer "Hauptbereisung" vor einer Zertifizierung in Augenschein nehmen wird. Probleme, so vermutete zumindest Marita Nehring, könnte es damit geben, dass es in der Stadt und im Landkreis noch zahlreiche Kreuzungen gibt, auf denen der Verkehr aus Sicht der Radfahrer gefährlich abgewickelt wird. Als Beispiel nannte Nehring die Kreuzung am Anger in Coburg.

So ganz sicher, ob die Stadt und der Landkreis wie angestrebt das Zertifikat "fahrradfreundliche Kommune" bekommen werden, war sich Marita Nehring angesichts der langen Aufgabenliste nicht mehr. "Klare Aufgabenzuweisung, Klärung von Verantwortlichkeiten und Mittelbereitstellung" braucht es nach Ansicht der ÖPNV-Beauftragten, um in zwei Jahren überhaupt eine Chance auf das Gütesiegel zu haben.

Jetzt aber mal langsam

Manch Wunsch der AGFK stieß bei den Vertretern von Stadt und Landkreis aber auch auf Verwunderung. Dem Winterdienst auf Radwegen Priorität einzuräumen, war für Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) dann doch ein bisschen zu viel. So was könne man weder bezahlen noch der nicht radelnden Bevölkerung schlüssig erklären. Auch die ständigen Vergleiche mit Radverkehrs-Vorzeigestädten wie Garching, Erlangen und Münster nervten Tessmer sichtlich - dort gebe es Ausgangsbedingungen, die mit denen in Coburg überhaupt nicht zu vergleichen seien.

Dennoch: Michael Busch drängte darauf, eine Zertifizierung 2020 (da ist die letzte Chance dafür) anzustreben. "Wir haben als Gründungsmitglied der AGFK bekundet, dass wir das machen wollen", sagte der Landrat. Aber dass das Coburger Land die Latte zur zertifizierten Fahrradfreundlichkeit überspringen könne, sei möglich, versicherte der Landrat. Als Stadt und Landkreis müsse man erst einmal dafür sorgen, dass die Menschen im Alltag überhaupt erst einmal aufs Rad steigen. Dann sei schon viel gewonnen - und die verbriefte Fahrradfreundlichkeit geschafft. Die Brocken hinzuschmeißen und vielleicht aus der AGFK auszutreten, war für Busch auf jeden Fall keine Alternative: "In Bezug auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit wäre das ein fatales Zeichen."

Um die kommunalen Entscheidungsträger auf die Ziele einzuschwören, soll nun eine kleine Informationsoffensive starten. Das war Peter Kammerscheid (Wählergemeinschaft Pro Coburg) nur recht: "Die Notwendigkeit für Maßnahmen ist vermutlich nicht überall so angekommen." Deshalb schlug Coburgs Stadtratsmitglied vor, möglichst schnell in den zuständigen politischen Gremien übers Thema Radverkehr zu reden.



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