Coburg
Ehrung

Coburgs Sozialhauptkommissar

Beim BGS begann Norbert Tessmer seine Laufbahn im öffentlichen Dienst. Inzwischen arbeitet der SPD-Politiker als städtischer Beamter auf dem zweithöchsten Posten, den die Stadt zu vergeben hat.
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Norbert Tessmer
Norbert Tessmer
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Es gibt wenige Politiker, denen ihre Befindlichkeit so sehr im Gesicht abzulesen ist wie Norbert Tessmer. Als Norbert Kastner, sein Parteikollege und Oberbürgermeister, anhebt mit "lieber Jubilar", ziehen sich sämtliche Gesichtsmuskeln bei Tessmer in Richtung Nasenspitze. Denn Ehrungen mag er gar nicht. Aber seit 2. Januar ist der gelernte Gärtner 40 Jahre im öffentlichen Dienst, und dafür gibt's eine amtliche Urkunde.

Angefangen hat Norbert Tessmer seinen Dienst beim BGS. "Es ging für Dich immer nur vorwärts und nach oben", sagte Oberbürgermeister Norbert Kastner, als er Tessmers Laufbahnen aufzählte (siehe Infokasten unten). Sowohl im Dienst wie in der Politik stieg Tessmer immer weiter auf, bis der 1. Polizeihauptkommissar den Dienst quittierte, um hauptberuflich als kommunaler Wahlbeamter bei der Stadt Coburg zu arbeiten.
"Ich habe meinen höchsten Dienstgrad erreicht", sagt der Zweite Bürgermeister, wohl wissend, dass viele in ihm den nächsten Oberbürgermeisterkandidaten der Coburger SPD sehen, sollte Kastner nicht mehr antreten. Aber Tessmer will Kastners Job gar nicht, wie er betont. "Ich habe meinen Traumberuf gefunden."

Der heißt "Kultur- und Sozialreferent". Als Kulturreferent für ganzheitliche und allen Altersstufen gerechte Bildungsangebote sorgen, die dem Sozialreferenten spätere Sozialfälle ersparen, ist eins seiner Leitziele. Dass er dabei "bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit" geht, lässt auch seinen Quasi-Vorgesetzten Norbert Kastner mahnen: "Mach mal nen Tick langsamer."

"Ruhe bewahren, Überblick verschaffen, Maßnahmen ergreifen", diese Maxime habe er beim BGS gelernt, sagt Tessmer. Dort war er als Polizeiführer im Einsatz beim Baader-Meinhof-Prozess, in Gorleben und Wackersdorf, bei Fußballspielen, Castortransporten und beim Weltwirtschaftsgipfel. In der Politik nutzt er diese Maxime auch und bringt damit gelegentlich auch Stadträte und Parteifreunde zum Stöhnen. Denn Tessmer sprach schon vom bevorstehenden demografischen Wandel, als andere noch im Lexikon nachschlagen mussten, was das Wort bedeutet. Inzwischen liegt Coburg bei Familien- und Generationen freundlichkeit weit vorne, und Tessmer wird für seinen Weitblick gerühmt. "Du bist inzwischen anerkannter Experte für alle Fragen, die im Zuständigkeitsbereich Deines Referats liegen", sagte Kastner am Freitag. "Du hast Dir einen exzellenten Ruf erarbeitet. Dein Wort zählt."

Hauptamtsleiter Siegfried Leistner und Personalrat Peter Korn lobten Tessmers Umgang mit seinen Mitarbeitern. Der Sozialreferent habe unter anderem die Schließung des städtischen Altenheims und den Aufbau des Jobcenters mittragen müssen, sagte Leistner. Doch Tessmer lege Wert darauf, die Mitarbeiter "mitzunehmen" bei Veränderungen, und das gelinge ihm auch.

Atempausen indes sind bei Tessmer nicht vorgesehen. Die regionale Bildungslandschaft wolle er nun vorantreiben, sagt er. Eine weitere Idee, abgeschaut aus dem Main-Kinzig-Kreis: familiäre Tagespflege für Demenzkranke. "Das funktioniert auch bei uns!"

Dass es mit der Bundestagskandidatur nichts wurde, ist längst abgehakt, "gottseidank", entfährt es ihm. "Das wäre kein Aufstieg gewesen. Nur eine andere Aufgabe." Seinem Traumjob aus Kinderzeiten kam er ohnehin nie nah: "Ich wollte Zirkusdirektor werden."
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