Laden...
Coburg
Kommunalwahl

Coburgs OB-Kandidaten im Portrait: René Hähnlein

René Hähnlein (Die Linke) hält sich gern im Bürgerbüro seiner Partei auf. Doch die Linken müssen sich bald auf die Suche nach neuen Räumen machen.
Artikel drucken Artikel einbetten
OB-Kandidat René Hähnlein an seinem Lieblingsort: das Bürgerbüro in der Heiligkreuzstraße. Foto: Ulrike Nauer
OB-Kandidat René Hähnlein an seinem Lieblingsort: das Bürgerbüro in der Heiligkreuzstraße. Foto: Ulrike Nauer

Lieblingsplätze gibt es massenweise in Coburg. Das kann ein Ort aus der Kindheit sein, die idyllisch gelegene Bank am Wasser oder - darauf kommt man vielleicht nicht so leicht - das Bürgerbüro der Linken in der Heiligkreuzstraße. Oberbürgermeister-Kandidat René Hähnlein hat sich, gefragt nach seinem Lieblingsplatz, genau dafür entschieden. Der Haken an der Sache: Lange wird es diesen Ort nicht mehr geben. Der Mietvertrag endet demnächst, die Linken müssen sich ein neues Büro suchen.

Für ein Portrait haben wir die Coburger OB-Kandidaten gebeten, uns an ihrem Lieblingsplatz zu treffen. René Hähnleins Wahl, das Bürgerbüro, mag auf den ersten Blick überraschen, aber für den 48-Jährigen sind die Räume so etwas wie "der Kristallisationspunkt" der Linken in Coburg. Nach dem Motto "Die Linke hilft" wird das Bürgerbüro nicht nur von Parteimitgliedern genutzt, sondern steht auch Bürgern komplett unabhängig von der Partei offen.

Ansprechpartner für Bürger

Es sei auch ein Anlaufpunkt für Bürger, die Hilfe und Beratung zu Erwerbslosigkeit, Mieten oder Renten brauchen. "Wir haben wenig Geld, aber gemeinsam bieten wir diese ehrenamtliche Tätigkeit an", sagt Hähnlein. Eine Rechtsberatung sei das natürlich nicht. "Wir sind ja keine Anwälte." Aber das Angebot laufe schon über zehn Jahre - aktuell immer Dienstag und Donnerstag - und werde gut angenommen, besonders die Erwerbslosenberatung.

Seit der letzten Kommunalwahl 2014 ist das Bürgerbüro das Domizil der Linken. Dass das Haus nun verkauft ist und allen Mietern gekündigt wurde, auch der Linken, stimmt Hähnlein wehmütig, aber auch ein bisschen ärgerlich. Schließlich hatten er und seine Mitstreiter vor sechs Jahren erst einmal ordentlich Arbeit und mehrere Tausend Euro in die vorher leerstehenden Räume investiert. Doch nun heißt es, etwas Neues suchen. "Es gibt schon Gespräche", verrät Hähnlein. Bei den derzeitigen Leerständen in Coburg sei er zuversichtlich, dass ein neues Büro gefunden wird.

Kandidatur im Vordergrund

Zunächst steht aber die Wahl im Fokus. Den Grund, warum er kandidiert, erläutert Hähnlein ganz offen: "Weil ich den Eindruck gewonnen habe, dass unser aktueller OB nicht wusste, wie sich Coburg in den nächsten zehn bis 15 Jahren entwickeln sollte." Das sei aber auch seine einzige Kritik an Norbert Tessmer (SPD). "Aber ich habe klare Ansagen vermisst und einen Zeithorizont, wie Coburg 2030 bis 2040 aussehen soll."

Die Führungsarbeit traut sich Hähnlein ohne weiteres zu, der gelernte Industriekaufmann hat die Ausbildereignungsprüfung und war schon als Filialleiter tätig. Es brauche im Stadtrat eine "einigende Hand", betont Hähnlein. "Das kann natürlich am besten der OB und ich traue mir das zu. Ich habe mittlerweile die Fähigkeit, meine Vorschläge, meine Visionen auch mit einer Stadtratsmehrheit umzusetzen", sagt er selbstsicher.

Bestes Beispiel sei der Globe-Antrag 2018 gewesen. Damals hatte René Hähnlein den Vorschlag des Coburger Designforums Oberfranken aufgegriffen, ein Globe am Güterbahnhof zur dauerhaften Nutzung zu bauen. "Ich habe damals gesagt, wir können das nur schaffen, wenn es uns gelingt, die regionale Wirtschaft mit ins Boot zu holen", erinnert sich der 48-Jährige. Dass es tatsächlich gelang, die drei größten Wirtschaftsunternehmen Coburgs als Unterstützer zu bekommen, zeige, dass es möglich sei, auch überparteilich etwas auf die Beine zu stellen. Natürlich sei Brose-Gesellschafter Michael Stoschek "der Schlüssel" gewesen, das will Hähnlein gar nicht verschweigen. "Er hat gesehen, hier gibt's einen Bedarf für die Stadt und da interessiert es nicht, dass der Antrag von mir kommt."

Wahlkampf an der Haustür

Wie sich die Arbeit im neuen Stadtrat gestalten wird, bleibt abzuwarten. "Der Stadtrat wird massiv zersplittert sein", prognostiziert Hähnlein. Er werde mit allen demokratischen Parteien zusammenarbeiten - "ausgenommen mit der AfD. Ich denke, da können wir uns alle darauf verständigen."

Was den eigenen Wahlkampf angeht, haben sich die Linken diesmal für einen etwas anderen Weg entschieden. An den diversen Podiumsdiskussionen nimmt Hähnlein gar nicht teil - nicht zuletzt, weil er zu Hause den zweijährigen Sohn mangels Kita-Platz betreuen muss. "Wir wollen uns mehr auf den Haustürwahlkampf und Infostände konzentrieren." Das bringe auch mehr als überdimensionale Wahlplakate, findet Hähnlein.

Ab September wird sein Terminkalender wieder etwas entspannter aussehen, "dann haben wir einen Kita-Platz", freut sich der 48-Jährige. Sollte er es am 15. März ins Rathaus schaffen, will er die erste Zeit nutzen, um jeden einzelnen Mitarbeiter der Verwaltung kennenzulernen. Und vielleicht findet Hähnlein dann einen ganz neuen Lieblingsplatz: das OB-Büro, wo er übrigens noch nie gewesen ist.

In zehn Jahren wieder hier: René Hähnleins Vision von "Coburg 2030"

"Coburg mit mir als Oberbürgermeister sehe ich in zehn Jahren als eine Stadt, in der man gut und gerne leben möchte, mit bezahlbaren Mieten, guter Nahversorgung, einer prosperierenden Wirtschaft und einer attraktiven Innenstadt.

Eine Familienstadt mit flächendeckenden Kita- und Ganztagsangeboten, einem kostenfreien Öffentlichen Personennahverkehr, einem kommunalen Krankenhausneubau und einem sozial gestalteten Klimaschutz."

Zur Person

René Hähnlein, geboren am 2. Dezember 1971 in Sonneberg/Thüringen. Er lebt mit seiner Lebensgefährtin in Coburg, hat ein eigenes und ein Stiefkind. Hähnlein ist gelernter Industriekaufmann und seit 2009 als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Linken im Bundestag tätig. Er kandidiert für Die Linke.