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Coburg
Kommunalwahl

Coburgs OB-Kandidaten im Portrait: Martina Benzel-Weyh

Martina Benzel-Weyh (Coburger Liste) steht gerne an ihrem Wahl-Stand, den idealen Platz für eine kleine Auszeit zwischendurch hat sie aber anderswo gefunden.
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Das Coburger Eck liegt unweit der Heilig-Kreuz-Schule und ist für Martina Benzel-Weyh damit ideal für eine Pause. Foto: Ulrike Nauer
Das Coburger Eck liegt unweit der Heilig-Kreuz-Schule und ist für Martina Benzel-Weyh damit ideal für eine Pause. Foto: Ulrike Nauer

So ist das manchmal mit Lieblingsplätzen: Die besonders schönen gehören einem selten allein. Beim Foto-Termin am "Coburger Eck", das sich OB-Kandidatin Martina Benzel-Weyh ausgesucht hat, ist schon eine andere Fotografin fleißig am Knipsen. Am Coburger Eck, hinter der Heilig-Kreuz-Kirche, fließen Itz und Lauter zusammen, quasi das Deutsche Eck in klein. Eine Bank lädt zum Verweilen ein und ein Grüppchen Wildenten hofft auf ein paar Leckerlis.

Martina Benzel-Weyhs Lieblingsort liegt in der Nähe der Heilig-Kreuz-Schule, wo sie seit 15 Jahren beruflich tätig ist. "Mein Ruhepunkt, wenn man mal einen längeren Schultag hat und eine Auszeit braucht", sagt die gebürtige Bayreutherin. Dann setze sie sich gerne dorthin und sei auch schnell wieder in der Schule.

Ihr einziger Lieblingsort ist das aber bei Weitem nicht, es gibt noch einige mehr, die alle mit dem Kennenlernen ihres heutigen Ehemannes, Wolf-Rüdiger Benzel, verknüpft sind. "Kennengelernt haben wir uns im Kindergarten Marienschule - wohlgemerkt als Single-Eltern", verrät sie lachend. Aber auch das Café M. oder der "Highlander" seien mit Erinnerungen an die frische Liebe verbunden. "Wenn jemand zu Besuch kommen würde, der Coburg noch nicht kennt, dann wären das die Orte für den zweiten Tag", sagt die 48-Jährige. "Am ersten macht man natürlich Bratwurst und Veste."

Der Heilig-Kreuz-Kiez, wie Martina Benzel-Weyh die Ecke nennt, ist ihr ans Herz gewachsen. Zum Beispiel merke man dort, dass Coburg auch eine Stadt am Wasser sei. "Es heißt ja immer, wir müssen Itz-Zugänge schaffen, aber dort kommt man relativ nah ans Wasser, ohne dass man erst buddeln muss." Einfach auf das Bänkchen setzen und den Blick genießen. Auch wenn der Charme des Viertels noch zu wenig erkannt sei, dort könne sich noch viel entwickeln, ist sich Benzel-Weyh sicher. Dass das ehemalige Wohnbau-Verwaltungsgebäude nun für junges Wohnen umgebaut werden soll, findet sie toll. "Wir haben dort nicht nur studentisches Wohnen, sondern es wird allen jungen Menschen offenstehen."

Die Entscheidung, zum zweiten Mal als OB-Kandidatin anzutreten, hat sich die 48-Jährige nicht leicht gemacht. Vor genau einem Jahr hatte das Ehepaar Benzel die Coburger Grünen verlassen, in einer Zeit, in der Martina Benzel-Weyh auch noch ernsthaft erkrankte. "Wir haben überlegt, sollen wir es auslaufen lassen oder packen wir es nochmal richtig an", berichtet die 48-Jährige. Der Rückenwind aus der Bevölkerung, von Freunden und Unterstützern überzeugte das Ehepaar am Ende, mit ihrer "Coburger Liste" neu durchzustarten. "Sie haben gesagt, ,Ihr seid doch das gute Gewissen von Coburg, Ihr stürt auch mal rein, macht bitte weiter!‘", erzählt Benzel-Weyh.

Die Grünen-Partei habe ihnen letztlich zu wenig am Herzen gelegen, Coburg dagegen umso mehr. "Wir sind politische Menschen, und ich wollte mich einfach weiter für Coburg engagieren", sagt Benzel-Weyh. Schon bevor sie die Grünen verlassen hatten, machte sich das Paar auf die Suche nach Mitstreitern. 29 Coburgerinnen und Coburger haben sich für die Coburger Liste anwerben lassen. "Jetzt sind wir stolz, dass wir das geschafft haben und antreten dürfen."

Entspannter Wahlkampf

Den Wahlkampf habe sie bisher als entspannt und fair erlebt, betont Martina Benzel-Weyh. Geärgert habe sie sich nur darüber, dass sie beim Regionen-Talk von Tageblatt, ITV und Sparkasse in der vergangenen Woche als Kandidatin nicht auf dem Podium sitzen durfte. "Diese Selektion, dass nur die fünf ,Besten‘ aufs Podium durften, fand ich undemokratisch", sagt sie klipp und klar.

Am liebsten ist der 48-Jährigen aber ohnehin der persönliche Kontakt zu den potenziellen Wählern. "Wahlstände waren schon immer meines", erzählt sie lachend. Das sei ihr auch viel wichtiger als die sogenannten "sozialen Medien". Weder auf Facebook noch auf Instagram sei sie zu finden. "Wir haben eine Homepage, dort ist unsere private Telefonnummer angegeben, unsere E-Mail-Adresse und wir stehen an unseren Wahlständen. Wer mit uns in Kontakt treten will, kann das jederzeit tun."

Die persönlichen Einschränkungen durch den Wahlkampf hielten sich in Grenzen. Ihr Sohn sei mit seinen 16 Jahren ganz froh, wenn die Mama nicht immer um ihn herum sei, sagt sie schmunzelnd. Natürlich habe sie gerade etwas weniger Zeit und Ruhe, aber da der Wahlkampf voraussichtlich am 15. März ende, sei das kein Problem.

Was sie vom Oberbürgermeister-Dasein erwartet? "Freude an der Arbeit natürlich - auch wenn's mal stressig ist. Man muss stolz und freudestrahlend durch seine Stadt laufen!"

In zehn Jahren wieder hier: Martina Benzel-Weyhs Vision von "Coburg 2030"

In zehn Jahren... ...ist Coburg vielleicht näher am Wasser gebaut.

...hat Coburg den sozialen Frieden erhalten können, denn wenn das nicht läuft, können wir einpacken.

...wachsen mehr Bäume in der Stadt, der Klimaschutz ist umgesetzt oder weitergeführt. ...haben wir ein saniertes Landestheater und die Heilig-Kreuz-Schule ist auch fertig. ...haben wir vielleicht 1000 Wohnungen mehr.

...ist unsere Innenstadt annähernd autofrei und jeder ist daran gewöhnt.

... ist unsere Gesundheitsversorgung einigermaßen gesichert und die Zukunft des Klinikums so klar, dass entweder ein Neubau oder die Sanierung des Altbaus begonnen hat. Die Entscheidung dazu muss in Kürze fallen.

Zur Person

Martina Benzel-Weyh, geboren in Bayreuth, aufgewachsen in Eckersdorf; 45 Jahre alt, verheiratet, Patchworkfamilie - ein Sohn und "zwei Bonustöchter". Von 1993 bis 1999 Studium Lehramt an Hauptschulen. Seit 2004 an der Heilig-Kreuz-Schule in Coburg beschäftigt, seit einigen Jahren Konrektorin. Politisch aktiv seit 2007.