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Coburg
Kommunalwahl

Coburgs OB-Kandidaten im Portrait: Christian Meyer

Was Christian Meyer (CSU) beim Staffellauf fürs Leben gelernt hat und welchen Ex-Bürgermeister der 51-Jährige als sein Vorbild nennt.
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Christian Meyer auf der Benno-Benz-Sportanlage  Foto: Simone Bastian
Christian Meyer auf der Benno-Benz-Sportanlage Foto: Simone Bastian

Er hat für das Treffen sogar seine alten Spikes und das Staffelholz herausgesucht: Die Benno-Benz-Sportanlage gehört für Christian Meyer zu den Coburger Orten, die er einem guten Freund von außerhalb zeigen würde. Hier hat er seine ersten Wettkämpfe bestritten, bevor er als Sprinter zum Sportverein Quelle Fürth wechselte. Zeitweise schienen für Meyer sogar die Europameisterschaft und die Olympischen Spiele in Reichweite. Aber ersteres vereitelte eine Verletzung, zweiteres am Ende die Lebensplanung: Meyer absolvierte nach der Ausbildung zum Bankkaufmann ein Trainee-Programm, und da reichte die Zeit fürs tägliche Training nicht mehr. Disziplin und Teamgeist habe er durch den Sport gelernt, sagt er. "Man bringt das Staffelholz nur dann ins Ziel, wenn man in der Mannschaft läuft."

In der Mannschaft laufen will er auch als Oberbürgermeister, so, wie er es jetzt als Geschäftsführer der Wohnbau Stadt Coburg (WSCO) tut, sagt er. Ruhen lassen könne er den Posten während des Wahlkampfs nicht: Zu viel stehe an, unter anderem will die WSCO heuer Jubiläum feiern. Da bedeute der Wahlkampf durchaus eine zusätzliche Belastung. Sie koste vor allem Familienzeit. "Das tut mir am meisten weh: Unser Kleiner ist ein Papa-Kind, und ich habe kaum Zeit für ihn."

Vor eineinhalb Jahren sind Meyer und seine Frau Heike noch einmal Eltern geworden. Es sei eine bewusste Entscheidung gewesen, sagt er. "Er sollte eigentlich vor meinem 50. Geburtstag kommen, aber es war zehn Tage danach." Die beiden Töchter sind 17 und 13 Jahre alt.

An und von ihnen erfährt Meyer, wie junge Leute Coburg sehen. Dass sie mal raus wollen aus dem Städtchen, kann er verstehen. "Aber sie sollen nicht sagen, hier sei es langweilig." Dem will Meyer entgegenwirken - als WSCO-Geschäftsführer, wo das Konzept der "Schwarmstadt" entwickelt wurde, aber auch als Oberbürgermeister. Er kandidiere "aus Liebe zur Stadt", sagt er. "Ich will diese Stadt zukunftsfähig gestalten." Coburg solle ein Ort sein, "über den junge Leute sagen: Hier will ich bleiben." Denn Coburg stehe im Wettbewerb der Städte, und allein schon, um einen Bevölkerungsrückgang zu vermeiden, brauche es Zuzügler. Deshalb müsse die Steinweg-Vorstadt und das Güterbahnhofsgelände entwickelt werden.

Da habe er als Geschäftsführer der WSCO und - damit verbunden - der Stadtentwicklungsgesellschaft natürlich viele Möglichkeiten, räumt er ein. Dass ein Oberbürgermeister da nicht mehr so viel direkten Einfluss nehmen könnte, glaubt er nicht: Der Oberbürgermeister sei kraft Amtes Vorsitzender der Aufsichtsräte der stadteigenen Unternehmen und könne da durchaus strategische Vorgaben machen. An diesen Vorgaben müssten nicht nur die städtischen Tochterunternehmen ihr Handeln ausrichten, sondern auch die Stadtverwaltung. Dort sieht Meyer Bedarf für strukturelle Änderungen: Es müsse ein Beteiligungsmanager her und ein Klimaschutzbeauftragter, beide angesiedelt direkt beim Oberbürgermeister als Stabsstellen. "Ohne die Tochterunternehmen werden wir die Klimaneutralität nicht schaffen", sagt Meyer, um im nächsten Satz zu erläutern, was die WSCO in diesem Bereich plant. Als WSCO-Geschäftsführer arbeitet Meyer eng mit dem jeweiligen OB zusammen. "Wenn Norbert Tessmer noch einmal angetreten wäre, hätte ich es nicht getan", sagt Meyer. Das sei sein Verständnis von Loyalität: OB Tessmer von der SPD habe ihn, Meyer, "protegiert und unterstützt", und er würde nicht gegen jemanden kandidieren, mit dem er gut zusammenarbeite. "Dazu stehe ich."

Vorbild: Gerhard Preß

Aber Tessmer hat im August 2019 erklärt, dass er nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung stehen würde. Bis Meyer dann seine Kandidatur bestätigte, wurde es November. Er habe lange überlegt, sagt er. Er traue sich das Amt zu, er kenne die Aufgaben des OB und die Verwaltung. Die Familie habe seine Kandidatur akzeptiert, betont er. "Meine Frau und ich sind ein Team. Sie unterstützt es, weil sie weiß, dass ich gestalten möchte." Gleichwohl werde er sich als OB "die Freiräume für die Familie nicht nehmen lassen".

Mit "Fleiß und Kontakten" wolle er für Coburg auch in München mehr herausholen, sagt Meyer. "Für einen CSUler ist das Parteibuch da hin und wieder hilfreich." Gerhard Preß, den früheren Bürgermeister von Rödental, nennt er da als Vorbild. Von Preß ging die Mär, dass er die Vorzimmerdamen in den Ministerien mit Puppen oder Porzellanfiguren aus Rödentaler Produktion beglückt habe. Damit könne Coburg nicht aufwarten, räumt Meyer schmunzelnd ein. "Dann komme ich halt mit Coburger Schmätzchen!"

Politisch unerfahren ist Meyer ja nicht: Er war von von 2008 bis 2010 Kreisvorsitzender der CSU Coburg Stadt, gehörte von 2002 bis zu seiner Berufung als WSCO-Geschäftsführer 2013 dem Stadtrat an. Seither habe er sich von den inneren Parteizirkeln ferngehalten, sagt Meyer. Es sei ihm als WSCO-Geschäftsführer um die überparteiliche Zusammenarbeit gegangen. "Das ist mir, glaube ich, auch gelungen." Und es sei eine Anforderung an den nächsten Oberbürgermeister. Auch innerhalb der Wohnbau habe er den Teamgedanken gelebt, sagt Meyer. "Ich kann nicht immer alles wissen. Aber es ist wichtig, allen Mitarbeitern auf allen Ebenen zu zeigen, dass ihr Job wichtig ist."

In zehn Jahren wieder hier: Christian Meyers Vision von "Coburg 2030"

"2030 haben wir unsere schöne Stadt noch liebens- und lebenswerter gemacht. Die aktuellen Herausforderungen wurden gelöst und zukunftsweisende Entwicklungen angestoßen. Wir haben eine sichere Gesundheitsversorgung mit einem Klinikneubau auf dem BGS-Gelände, der Güterbahnhof ist zum kreativen Zentrum und einer Brücke zwischen Hochschule und Stadt geworden. Im sanierten Landestheater können wir das Ensemble wieder bejubeln. Außerdem hat Coburg entscheidende Schritte gemacht, um smart und klimaneutral zu werden. Die Maßnahmen im Rahmen der Sozialen Stadt in Wüstenahorn sind abgeschlossen, der Stadtteil ist begehrt bei jungen Familien und dient als Vorbild für weitere Stadtteile. Die nördliche Innenstadt / Steinwegvorstadt ist wie heute die Ketschenvorstadt saniert, voller Leben und ein weiter Baustein für eine lebendige, begrünte Innenstadt. Eine Stadt, in der wir alle gerne leben!"

Zur Person

Christian Meyer, Betriebswirt und Bankkaufmann, 51 Jahre, verheiratet, drei Kinder, tätig als Geschäftsführer der Wohnbau Stadt Coburg, kandidiert für die CSU.