Coburg

Coburgs Kinder träumen: Wenn sie König von Coburg wären...

Coburgs Kinder formulierten ihre Wünsche an den Oberbürgermeister: Polizisten auf jeden Spielplatz, kostenlos Bus fahren, weniger Verkehr ...
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Oberbürgermeister Norbert Tessmer nahm die gemalten und formulierten Kinderwünsche im Rathaussaal entgegen. Vorher hatten ihn die Kinder noch gekrönt.
Oberbürgermeister Norbert Tessmer nahm die gemalten und formulierten Kinderwünsche im Rathaussaal entgegen. Vorher hatten ihn die Kinder noch gekrönt.
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Einen Spielplatz, auf dem man mal so richtig seine Wut rauslassen kann, mit Boxsack und Gewichten, wünschen sich die Jungs vom Jugendzentrum. Die Mädchen hätten im Gegenzug gern einen eigenen Fußballplatz im Hofgarten. Einen Polizisten auf jeden Spielplatz würden die Kinder vom Kindergarten Tausenfüßler anordnen, wenn sie König oder Königin von Coburg wären.

Eigentlich lautete das Motto "Wenn ich Bürgermeister von Coburg wäre..." - doch für die Kleinsten im Kindergarten wurde es spontan freier formuliert. Das Domino, der Kinderschutzbund und das Netzwerk der evangelischen Kitas hatte sich die Aktion zum Weltkindertag ausgedacht. Am Donnerstag durften die Kinder ihre Vorstellungen von einer besseren Stadt im Rathaussaal vorstellen. Fast 100 Kinder tummelten sich zur besten Stadtratszeit in dem ehrwürdigen Saal. Nahmen ungeniert Platz auf den Stühlen, die sonst nur dem Stadtrat vorbehalten sind.

Ponyhof für alle

Im Gepäck hatten sie jede Menge Wünsche, die sie gern umgesetzt hätten. Doch Oberbürgermeister Norbert Tessmer, mit Pappkrone und Bonbonkette gekrönt, holte die Kinder und Jugendlichen aus ihren Traumwelten auf den Boden der Realität zurück: "Ich bin schließlich kein König, der machen kann, was er will. Ich habe 40 Stadträte bei mir, die wollen manchmal ganz anders als ich."

Dennoch blieben die Jungen und Mädchen beharrlich. Die kleinen Könige und Königinnen aus dem KIZ und den Kindergärten Ketschendorf, Cortendorf, Beiersdorf, Falkenegg, Augustenstift und Tausendfüßler präsentierten ihre Konzepte.

Von utopischen, ja sogar ein bisschen befremdlichen Wünschen, wie mehr Schmuckläden in der Stadt oder ein Meer, setzten sich die Kinder doch größtenteils mit lebensnahen Themen auseinander. Ging es den einen ganz konkret um Wünsche, wie einen Ponyhof, auf dem alle kostenlos reiten dürfen oder einen Indoorspielplatz, waren für viele das kostenlose Busfahren, freier Eintritt ins Schwimmbad, weniger Verkehr und ausgebaute Fahrradwege wichtige Punkte.

Wenn sie König von Coburg wären, würden sie dafür sorgen, dass alle Kinder ein Bett zum Schlafen hätten, alle genug zu Essen und genug Geld für Kleidung. Stellt sich die Frage, ob Kinder in Coburg tatsächlich kein Bett, nicht genug zu Essen und kein Geld für Kleidung haben.

Eine Ausstellung vom Kinderschutzbund im Ämtergebäude zeigt, dass die Not größer ist, als es sich manch einer vorstellen kann. Kinder und Jugendliche werden dort auf Stellwänden mit ihren Wünschen zitiert.

Hanna, 14 aus Coburg schreibt: "Sie möchte auch mal coole Sachen haben". Und der neunjährige Ben würde gern mal in den Urlaub fahren. Die 14-jährige Laura wünscht sich ein eigenes Zimmer. Justin, 8, würde gern mal Freunde einladen und die 13-jährige Lisa gern mal eine Geburtstagseinladung annehmen können. Doch ihr fehlt das Geld für ein Geburtstagsgeschenk.

Norbert Tessmer ging schwer bepackt mit all den gemalten und formulierten Wünschen aus dem Rathaussaal. Wenn er König von Coburg wäre, würde er in der Spitalgasse einen Bach bauen, in dem Milch und Honig fließt, antwortete er spitzbübisch lächelnd.

Kommentar

Kluge Kinder

Wenn einer sagt: "Ich brauch dich du, ich schaff es nicht allein". Dann kribbelt es in meinem Bauch , ich fühl' mich nicht mehr klein. - Die Strophe aus dem Kindermutmachlied wurde gestern nicht nur lauthals im Rathaussaal von fast 100 Königskindern dem Oberbürgermeister vorgesungen, es trifft auch genau den Kern des heutigen Weltkindertages. Aufmerksam machen auf die Kinderrechte. Das will die Stadt Coburg. Das Recht, seine Meinung zu sagen, Wünsche zu äußern und Gehör zu finden, ist ein guter Anfang. Immerhin will Coburg eine Stadt der Kinderrechte werden. Mit ihren Forderungen nach Spielplätzen, indoor und outdoor, mehr Fahrradwege und der Abschaffung von Drogen sind die jungen Coburger ziemlich konkret geworden. Genau hingeschaut haben sie aber auch, wenn es um Ungleichheit und Missstände geht. Sie haben erkannt, dass Geld wichtig ist: um genug zum Essen zu haben, coole Kleidung zu besitzen, mit Freunden Unternehmungen zu machen. Sie fordern kostenlose Eintritte und freie Busfahrten. Dank ihrer kindlichen Fantasie können sie das alles auch bezahlen: Denn im Schloss gibt es einen Schatz voller Goldmünzen. Oder haben sie etwa vorher mit der Kämmerin gesprochen?

Warum sind Kinderrechte wichtig? - Eine Umfrage des Kinderschutz-Kreisverbandes Coburg:

Landrat Sebastian Straubel: "Sie garantieren die Möglichkeit der Mitsprache und Beteiligung und nehmen Kinder als aktive Mitglieder unserer Gesellschaft ernst."

Familientherapeutin Nora Treiber-Dengler: "Das ist ihr Recht und unsere Verantwortung."

Jugendamtsleiter Reinhold Ehl: "Der familiäre wie gesellschaftliche Rahmen muss für die individuelle kindliche Entwicklung förderlich sein. Darauf haben Kinder einen Anspruch!"

Hubertus Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha: "Kinder benötigen besondere Fürsorge durch den Gesetzgeber, um sie vor Gefahren, derer Kinder sich nicht selbst erwehren können, zu schützen."

Bettina Dörfling, Vorsitzende des Kinderschutzbundes: "Es gibt noch viel zu tun, damit jedes Kind die gleichen Chancen bekommt, seine und ihre Fähigkeiten und Begabungen zu entfalten. Das, was wir bislang erreicht haben, ist bei Weitem nicht genug."

Irmgard Clausen, Buchhändlerin: "Kinder brauchen Erwachsene, auf die sie sich verlassen können. Deshalb sollte jedes Kind das Recht haben auf Unterstützung, Initiative, Wissen und Können von Mitmenschen, denen sie vertrauen und die sich zum Anwalt des Kindes machen."

Pfarrer Rolf Roßteuscher: "Die Rechte von Kindern aber besonders zu achten, das habe ich von Jesus gelernt. Weil ich Jesus ernst nehme, darum sind mir die Rechte von Kindern besonders wichtig."

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