Coburg
Bratwurstbuden

Coburger Verwaltungssenat kippt Traditionen

Bislang galt: Die Bratwurstbuden müssen ab 7 Uhr am Marktplatz stehen. Doch darauf können sich die Coburger nun nicht mehr verlassen.
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Für Coburger Bratwurstbrater gibt es ein ganzes Bündel Vorschriften.  Einige hat der Verwaltungssenat nun gelockert. Foto: CT-Archiv
Für Coburger Bratwurstbrater gibt es ein ganzes Bündel Vorschriften. Einige hat der Verwaltungssenat nun gelockert. Foto: CT-Archiv

Wenn es um die Bratwurst auf dem Marktplatz geht, sind die Dinge streng geregelt. Das beginnt beim Rezept (mindestens 15 Prozent Rindfleisch, drei Prozent Vollei), geht über die Zulassung der Bratwurstbrater bis hin zu der Frage, was die Bratwurst kosten darf. Grundlage dieses Regelwerks war ein ganzes Bündel von Einzelentscheidungen, erlassen von verschiedenen Oberbürgermeistern, dem Verwaltungssenat und dem Stadtrat. Die Bratwurstbrater wollten aber nun Änderungen bei den Bratzeiten und der Anzahl der zugelassenen Brater. "Aus Gründen der Rechtssicherheit" schlug das Ordnungsamt vor, alle Regelungen in einer eigenen Richtlinie zusammenzufassen.

Am Montag sollte der Verwaltungssenat diese Richtlinie verabschieden. Kai Holland, Leiter des Ordnungsamts, machte deutlich, dass vieles bleibt wie es war: Am Rezept ändert sich nichts, die Anforderungen an die Bratwurststände bleiben die gleichen, und die Bratwurstbrater werden weiterhin selbst einteilen, wer an welchem Tag mit seiner Bude auf dem Marktplatz stehen darf.

Daran hatte der Verwaltungssenat auch nichts auszusetzen, wohl aber daran, dass weiterhin Muss-Zeiten für die Bratwurstbuden festgesetzt werden sollten. Werktags von 8 bis 18 Uhr sollten die Buden geöffnet haben, bei Bedarf darf bis 20 Uhr gebraten werden - so sah es der Entwurf der Richtlinie vor. An Sonn- und Feiertagen sollen die Bratwurstbuden von 10.30 bis 18 Uhr auf dem Marktplatz stehen. "Was macht denn der Bratwurstbrater, wenn seine Würste um 17.30 Uhr weg sind?", fragte Frank Völker (CSU). Für die meisten Budenbetreiber ist das kein Problem, weil sie ihre Würste von Metzgern aus Coburg oder dem Landkreis beziehen (auch eine Muss-Vorschrift). Bernd Meinhardt, der als Zuhörer in der Senatssitzung war, macht seine Bratwurst jedoch selbst und müsste sich in einem solchen Fall von den Mitbewerbern aushelfen lassen, wie er sagte.

"Ohne Mindestverkaufszeiten riskiert man Zeiten ohne Bratwurstbude", gab Kai Holland zu bedenken. Monika Ufken (SPD) fand die Mindestverkaufszeiten "typisch deutsch" und schlug Kernverkaufszeiten vor: Werktags von 9.30 bis 17.30 Uhr, mit der Möglichkeit für die Brater, dass sie um 8 Uhr schon anfangen und bis 20 Uhr weiterbraten können. Meinhardt bezeichnete diese Zeiten als "perfekt", Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) gab sich skeptisch: "Wenn es dann Gemecker gibt, weil keine Bude auf dem Marktplatz steht, verweise sich alle, die sich beschweren, an Frau Hartan." Claudia Hartan ist die Obfrau der derzeit neun Bratwurstverkäufer. Am Ende stimmten aber nur Tessmer und Hans Weberpals (CSB) gegen die Kernzeiten.

Die Bratwurstverkäufer waren bislang verpflichtet, sich auf einen einheitlichen Wurstpreis zu einigen. Auch das hat der Verwaltungssenat nun gekippt - gegen die Stimmen von Tessmer, Weberpals und Andreas Gehring (SPD).

Keine Einwände gab es gegen den Vorschlag, dass die Zahl der Bratwurstbrater auf acht festgelegt wurde. Derzeit sind es neun. Scheidet einer aus, wird er nicht ersetzt, erläuterte Holland. Lediglich, wenn es weniger als acht werden sollen, kann das Ordnungsamt auf Basis der Richtlinie einen neuen Bratwurstbrater auswählen. Die Richtlinie sieht vor, dass jeder der neun Bratwurstbrater in der Regel an sechs Tagen im Monat auf dem Marktplatz seine Würste verkaufen darf.

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