Coburg
Interview

Coburger "Verein" lockt mit jungen Künstlern und spannenden Programmen

Was der Coburger "Verein" in der neuen Konzert-Saison 2018/2019 plant.
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Gespür für Talente: Die junge Pianistin Aurelia Shimkus gastiert  in der Saison 2018/2019 beim Coburger "verein".Foto: PR
Gespür für Talente: Die junge Pianistin Aurelia Shimkus gastiert in der Saison 2018/2019 beim Coburger "verein".Foto: PR
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Stilistische Vielfalt zwischen anspruchsvoller Kammermusik und unterhaltsamen Crossover-Angeboten - auf dieses Rezept setzt der Coburger "Verein" in seiner neuen Saison. Wie er die weitere Entwicklung sieht, verrät Uwe Friedrich, Musikvorstand und Vorsitzender des "Verein". Seit der Coburger "Verein" seine Konzerte im HUK-Foyer auf der Bertelsdorfer Höhe veranstaltet, verzeichnet er steigende Besucherzahlen, die sich inzwischen auf hohem Niveau stabilisiert haben. Liegt das am Veranstaltungsort, am Programm oder an der Verbindung von Ort und Programm? Uwe Friedrich: Aus meiner Sicht spielt hier alles zusammen. Das Foyer der HUK-COBURG ist und bleibt in Lage und Ambiente der attraktivste Veranstaltungsort, den Coburg speziell für unsere Konzertreihe bieten kann. Es ist ein großes Geschenk, dass dies die Verantwortlichen im Vorstand der HUK-Coburg genauso sehen und unsere Intentionen mit allen Kräften unterstützen. Die Zusammenarbeit ist seit vielen Jahren vorbildlich. Inhaltlich ist uns im Vorstand des "Verein" etwas gelungen, auf das wir sehr stolz sind: Selbst, wenn unsere Konzertbesucher weder die Akteure noch die Werke teilweise oder gänzlich kennen, planen Sie den Konzertbesuch langfristig fest ein. Sie wissen, dass sie nicht enttäuscht werden und es bereuen würden, beim Event nicht dabei gewesen zu sein. Sie lassen sich dabei auch durchaus auf klangliche Experimente ein. Eine Mitgliedschaft im VEREIN ist nicht nur eine günstige Eintrittskarte für Konzerte, sie ist eine wunderbare Möglichkeit, mit Gleichgesinnten hochkarätige Künstler ebenso wie gesellige Veranstaltungen und Konzertreisen in ganz Europa zu erleben. Damit wird der Konzertbesuch auch zum gesellschaftlichen Ereignis, da man sich trotz der großen Mitgliederzahl "kennt" und sich auch Neuzugänge sofort wohlfühlen. Ich bin mir sicher, dass wir mit unserem Gesamtkonzept auch künftig ein großes Publikum weg von der heimischen Mediathek in den Konzertsaal locken können. Wie spiegelt sich diese Entwicklung bei den Mitgliederzahlen der letzten fünf bis zehn Jahre wider? Erlauben Sie mir, etwas weiter auszuholen. Die im Jahre 1997 belegten Mitgliederzahlen, also vor gut 20 Jahren, lagen bei etwa 150. Heute zählt der "Verein" rund 330 Mitglieder. Die Zahl hat sich also mehr als verdoppelt. Und nun zu Ihrer Frage: Alleine innerhalb der letzten fünf Jahre lag der Mitgliederzuwachs bei über 30 Prozent! Davon können viele alteingesessene Kulturvereine nur träumen.

Zum Saisonauftakt am 1. Oktober gastiert das Arcis-Saxophonquartett gemeinsam mit dem Geiger Florian Schötz. Was reizt Sie an dieser Instrumentenkombination, die auf den ersten Blick gar nicht so richtig zusammen passen will? Erst vor wenigen Tagen erhielt ich die Nachricht, dass sich ein Mitglied des Quartetts den kleinen Finger gebrochen hat und somit für längere Zeit ausfällt. Leider bedeutet das für uns, dass das Programm leicht abgeändert wird und Florian Schötz nicht mit nach Coburg kommt. Das ist sehr schade. Ich habe Herrn Schötz allerdings zugesagt, dass wir ihn mit einem anderen Ensemble gerne für die nächste Saison verpflichten. Dennoch werden wir am 1. Oktober mit "American Dreams" ein außergewöhnliches Programm mit vielen musikalischen Highlights erleben.

Seit einigen Jahren bietet der "Verein" immer wieder mal Konzerte mit weihnachtlich gefärbten Programm-Akzenten an. Was hat den Ausschlag gegeben für Klazz Brothers & Cuba Percussion? Sie haben recht, weihnachtlich angehauchte Programme, die nicht das gängige Repertoire bedienen, haben beim "Verein" mittlerweile Tradition und werden von den Mitgliedern sogar eingefordert. Die besondere Herausforderung bei der Planung von Weihnachtskonzerten besteht für den Veranstalter darin, Duplizitäten mit anderen Konzertveranstaltern der Region zu vermeiden und Neugierde zu wecken. Das international renommierte, mehrfach preisgekrönte Ensemble Klazz Brothers & Cuba Percussion ist jetzt in Coburg erstmals mit einem neuen abendfüllenden Weihnachtsprogramm zu Gast. Der Reiz ihrer Interpretationen sind aus meiner Sicht die musikalischen Synergien, die sich aus dem Spannungsfeld von traditionellen Weihnachtsliedern und lateinamerikanischen Rhythmen ergeben. In diesem Genre sind die Musiker sicherlich einzigartig. Ich bin mir jetzt schon sicher, dass die zur Verfügung stehende Platzkapazität im Foyer der HUK-Coburg kaum ausreichen wird.

Mit Aurelia Shimkus gastiert im Februar eine aufstrebende junge Pianistin in Coburg. Wie sind Sie auf diese Künstlerin aufmerksam geworden. Wir Konzertveranstalter werden von jungen aufstrebenden Pianisten geradezu bombardiert. Hier eine vernünftige Auswahl zu treffen, ist schier unmöglich. Sie erinnern sich sicher noch an die damals noch relativ unbekannte Nachwuchspianistin Sophie Pacini, die im Oktober 2012 die Saison beim "Verein" eröffnete und mittlerweile international Karriere macht. Ich bin in jeder Saison auf der Suche nach jungen Künstlern mit einer einzigartigen außergewöhnlichen Begabung. Die Interpretationen von Aurelia Shimkus heben sich aus der breiten Masse durch technische Perfektion gepaart mit subtiler Empfindsamkeit hervor. Als Veranstalter kann man sich ja heute sehr leicht ein Bild von den Künstlern machen. Da ist das Internet eine wahre Fundgrube.

A-cappella-Formationen boomen seit einigen Jahren regelrecht. Was zeichnet die Singphoniker aus, die im April in Coburg gastieren und fast schon zu den Veteranen der Szene zählen? Im Dezember 2012 begeisterten die Singphoniker die Konzertbesucher bereits mit einem ansprechenden Weihnachtsprogramm. Diesmal gestalten sie gemeinsam mit ihrem Pianisten eine Serenade, die einen großen Bogen schlägt über unterschiedlichste Epochen und Stilrichtungen, von der anspruchsvollen Vokalmusik der Renaissance bis zu Jazz und Pop-Standards. Ich kenne kein anderes A-cappella-Ensemble, das über einen Zeitraum von 35 Jahren auf gleichbleibend hohem Niveau stets innovative Programmkonzepte umsetzt.

Welche Pläne haben Sie in den nächsten Jahren mit dem "Verein"? Das erreichte Niveau stabilisieren oder neue Akzente setzen? Wir wollen natürlich beides und dies gerade auch in Vorausschau auf unser 150-jähriges Jubiläum in fünf Jahren. Neben den bewährten fünf Konzerten pro Saison im Foyer der HUK-Coburg setzen wir (nach einer kleinen Pause) die Reihe musicVision ab November 2018 fort. Veranstaltungsort hierfür ist das neugestaltete Foyer im Verwaltungsgebäude der Wohnbau Stadt Coburg in Coburg, Mauer 12. Hier planen wir unter dem Motto "Dinner & Music" eine Veranstaltungsreihe, bei der in einem modernen und zeitgemäßen Ambiente kulinarische mit musikalischen Köstlichkeiten kombiniert werden. Jedem Abend liegt ein Motto zugrunde, das landestypische Spezialitäten mit ansprechender Live-Musik kombiniert. In der neuen Saison wird es unter anderem einen Jazz-Abend mit Songs von Ella Fitzgerald geben (kulinarisch korrespondierend mit Leckerbissen aus den USA) sowie einen venezianischen Abend und einen Abend mit Flamenco und spanischer Küche. Voraussichtlich finden diese Termine künftig immer donnerstags statt. Die Fragen stellte Jochen Berger.

Konzert-Kalender "Verein" 2018/2019

1. Oktober Arcis Saxofon Quartett. - Ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen, darunter auch mit dem Bayerischen Kunstförderpreis 2016, präsentiert das Quartett in "American Dreams" die ganze musikalische Bandbreite des American Way of Life. (www.arcissaxophonquartett.de).

3. Dezember Klazz Brothers "Christmans meets Cuba Vol. 2" - Latin Grooves in der Weihnachtsstube und Weihnachtsstimmung auf der Zuckerinsel - die Klazz Brothers & Cuba Percussion gastieren mit ihrem neuen Programm wieder einmal in Coburg. 11. Februar Aurelia Shimkus (Klavier) - "Piano Impressions" - 1997 in Riga geboren, begann Aurelia Shimkus mit vier Jahren das Klavierspiel. Bereits mit 9 Jahren gewann sie den 1. Preis beim lettischen Wettbewerb für junge Pianisten.

Mit 11 Jahren gab sie ihr erstes Solokonzert, debütierte schließlich im April 2013 in Deutschland und wurde im selben Jahr Preisträgerin beim Wettbewerb "Kissinger Klavierolymp". Im Jahr darauf wurde sie als Stipendiatin der Mozart Gesellschaft Dortmund ausgewählt. Als Solistin tritt sie mit Orchestern wie dem English Chamber Orchestra, der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, den Dortmunder Philharmonikern, dem Georgischen Kammerorchester Ingolstadt und dem Nationalen Symphonieorchester von Lettland auf. In Coburg präsentiert sich die Künstlerin mit Werken von Frédéric Chopin, Maurice Ravel, Claude Debussy und Alexander Skrjabin (www.aureliashimkus.com) 1. April Singphoniker "Singphonic Serenade" - Die Singphoniker: eine 34-jährige Erfolgsgeschichte mit weltweit über 1300 Konzerten in insgesamt 29 Ländern. Damit gehören die Singphoniker zum etablierten Kreis der am längsten bestehenden Vokalensembles. Auf dem Programm: Werke ganz unterschiedlicher Epochen und Stilrichtungen von di Lasso bis Brahms, von Rautavaara bis Billy Joel (www.singphoniker.de)

20. Mai Rastrelli Cello Quartett "From Russia with Love". - Kein einziges Stück in dem umfangreichen Repertoire der "Rastrelli"s" wurde original für vier Celli geschrieben. All diese Arrangements stammen von dem Quartett-Mitglied Sergio Drabkin.

Geleitet wird das "Rastrelli Quartett" von Kira Kraftzoff. Komplettiert wird es durch seine ehemaligen Schüler Mischa Degtjareff und Kirill Timofeev (www.rastrelli .de). Ort Die Konzerte finden jeweils am Montag im HUK-Foyer auf der Bertelsdorfer Höhe statt. Beginn: 20 Uhr (www.verein-coburg.de)



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