Coburg
Tierschutz

Coburger Tierheim: Ermittlungsarbeit mit Chips

Dank Chip unter der Haut schnell wieder zu Hause: Wie das Tierheim die Eigentümer von Fundtieren sucht.
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Der Chip sitzt unter der Haut. Mit einem speziellen Gerät kann er ausgelesen werden. Foto: Simone Bastian
Der Chip sitzt unter der Haut. Mit einem speziellen Gerät kann er ausgelesen werden. Foto: Simone Bastian
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Freitagnachmittag, in einem Waldgebiet zwischen Eicha und Tambach. Eine Frau führt ihre Hunde aus, als sie einen kleinen freilaufenden Hund bemerkt. Eine junge Beagle-Hündin ist da unterwegs, ohne Halsband und Leine und läufig noch dazu. Die Hündin bleibt bei der Frau, die beginnt, alle Passanten und Radfahrer zu fragen, ob sie wüssten, wem der Hund gehört oder ob jemand in der Nähe einen Hund sucht.

Schließlich ist sie zu Hause angelangt und ruft im Coburger Tierheim an. Dort wurde kein Hund als vermisst gemeldet. Das Angebot der Frau, den Beagle zu verwahren, bis sich ein Besitzer meldet, will das Tierheim nicht annehmen. Der Hund soll ins Heim. Ein Mitarbeiter kommt und verlädt den Hund schließlich ins Auto - "völlig ungesichert", wie die Frau findet.

Derweil findet sich im Wald eine Transportbox, die mit ziemlicher Sicherheit mit dem Hund zu tun hatte - es liegt eine Läufigkeitswindel darin. Wollte jemand den Hund aussetzen?, fragt sich die Frau. Warum lässt jemand eine solche Box mitten im Wald stehen?

Die schlichte Antwort: Damit der Hund wieder etwas findet, was ihn an zu Hause erinnert. Der junge Jagdhund sei während einer Ausbildungseinheit weggelaufen, erzählt Sabine Remter. Der Besitzer habe den Hund lange gesucht und schließlich die Box im Wald zurückgelassen.

Das alles kann die Mitarbeiterin des Tierheims berichten, weil sie noch am Freitag den jungen Beagle seinem Besitzer zurückgab. Den hatte sie über den Chip ausfindig gemacht, den der kleine Hund unter der Haut trägt. Das sei einer der Gründe, warum Fundtiere ins Tierheim gebracht werden sollten, sagt sie: Dort könne man den Chip in Ruhe auslesen. Sabine Remters Border Collie Nandu, der als Fotomodell herhalten muss, bleibt dabei ganz entspannt. Fundtiere, die einen (oder mehrere) langen Tag auf Irrwegen und einen Transport ins Tierheim hinter sich haben, seien da meist aufgeregter, sagt die Tierheim-Mitarbeiterin.

Manchmal findet sich das Fundtier schon in der Datenbank des Tierheims. Ansonsten ist es oft möglich, sein Zuhause über den Chip oder eine Tätowierung ausfindig zu machen. Wer sein Tier beim Tierarzt chippen lässt, muss aber auch daran denken, es registrieren zulassen, erläutert Sabine Remter. Das sei vielen Besitzern nicht bewusst.

Im Fall der kleinen Beagle-Hündin war der Besitzer auf diesem Weg schnell ermittelt. Bei der Suche nach Besitzern nutzt das Tierheim längst Möglichkeiten wie Facebook und stellt die Fotos der Neuankömmlinge so schnell wie möglich online.

Außerdem helfen zentrale Plattformen im Internet wie tasso.net oder findefix.combei der Suche nach den Herrchen. Dort kann man sein Tier registrieren lassen. Landet es im Tierheim, wird es bei diesen Plattformen gemeldet, die dann den Eigentümer verständigen. Der kann sich seinerseits mit dem Tierheim in Verbindung setzen. Schneller geht der Dienstweg nicht, wegen des Datenschutzes, wie Sabine Remter sagt. Auch der sei ein Grund, Fundtiere nicht bei den Findern zu lassen, denn man müsste ja sonst deren Daten an Dritte aushändigen. Hinzu komme, dass das Tierheim das Tier sicher verwahren und es ärztlich untersuchen lassen kann.

"Jedem ist klar, dass man eine gefundene Geldbörse ins Fundamt bringt", sagt Siegrid Ott-Beterke, die Vorsitzende des Tierschutzvereins. "Nur bei uns wird erwartet, dass das Tierheim zum Tier kommt." Das sei für die Mitarbeiter häufig eine zusätzliche Belastung - vor allem, wenn gerade Fütterungszeit sei. Aber das Auto, mit dem die Tiere transportiert werden, sei dafür ausgelegt, versichert Ott-Beterke.

Oft werden die Besitzer schnell ausfindig gemacht, wie im Fall der Beagle-Hündin. Doch manche Tiere müssen länger warten: Ein Hund, nicht gechippt, wartet schon seit drei Wochen, dass jemand nach ihm fragt, erzählen Sabine Remter und Siegrid Ott-Beterke.

Einen anderen Hund hat das Tierheim zur Pflege gegeben. Das sei möglich, bestätigt Sabine Remter. Allerdings müsse jedem, der ein Fundtier in Pflege nimmt, klar sein, dass der Eigentümer sechs Monate lang seinen Anspruch anmelden kann. Wer ein Pflegetier nimmt, muss nicht nur nachweisen, dass er es versorgen kann. Er verpflichtet sich auch, es innerhalb dieser Sechsmonatsfrist wieder herauszugeben, wenn der rechtmäßige Eigentümer sich meldet. "Wir hatten einen Hund schon für vier Monate in Pflege gegeben. Er war gechippt, aber nicht registriert. Aber seine Besitzer haben den Chip nachträglich registrieren lassen. So haben sie ihren Hund dann wiedergefunden", berichtet Sabine Remter.

Rund um Fundtiere Chips und das Tierheim

Weggelaufen Seinen Hund oder die Katze gechippt und registriert zu haben, erhöht die Chancen, das Tier wieder zu bekommen - immer vorausgesetzt, es wird gefunden und dem Tierheim gemeldet.

Gefunden Wer ein Tier findet und den Besitzer nicht unmittelbar ausfindig machen kann, sollte es dem Tierheim melden und es auch dorthin bringen. Im Tierheim kann das Tier nicht nur sicher untergebracht und versorgt werden; dort kann auch der Chip ausgelesen beziehungsweise anhand einer Tätowierung der Tierarzt ausfindig gemacht werden.

Rechtslage Wer etwas findet, was offenbar jemandem gehört, muss es den zuständigen Behörden melden. Die Behörde kann verlangen, dass der Fundgegenstand ausgehändigt wird. Das gilt auch für Tiere - nur, dass die dann ins Tierheim kommen. Stadt Coburg und die Gemeinden im Landkreis haben einen entsprechenden Vertrag mit dem Tierschutzverein geschlossen. Der Tierschutzverein verwahrt und versorgt die Tiere; dafür zahlen die Gemeinden eine Pauschale pro Einwohner.

Chip-Pflicht Wie Tiere gekennzeichnet werden müssen, regeln die Bundesländer. Bayern zum Beispiel verlangt nur eine Tätowierung von Hunden, Thüringen macht den Chip für Hunde zur Pflicht. Bei Katzen gibt es solche Regelungen nicht, allerdings können Landkreise und kreisfreie Städte verordnen, dass Freigängerkatzen gekennzeichnet und kastriert sein müssen, um einer unkontrollierten Vermehrung von Katzen vorzubeugen.

Registrierung Es gibt kein zentrales behördliches Register. Die Chips können bei Tierschutz-Organisationen registriert werden. Das ist online und kostenlos möglich. Anbieter sind zum Beispiel Tasso, ein eingetragener Verein mit Sitz in Hessen (www.tasso.net), und der Deutsche Tierschutzbund (www.findefix.com).
Tierheim Das Tierheim ist tagsüber unter Telefon 0 95 61/30 330 erreichbar. Von 17 bis 22 Uhr besetzen ehrenamtliche Mitarbeiter ein Notfalltelefon, um Auskünfte geben und Fundtiere aufnehmen zu können. Weitere Helfer sind hier stets willkommen; eine Terminvereinbarung ist unter der oben genannten Telefonnummer möglich. Weitere Auskünfte über Öffnungszeiten oder Möglichkeiten, den Tierschutzverein zu unterstützen, finden sich unter www.tierheim-coburg.de


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