Coburg

Coburger SPD: Punkten mit Programm und Marmelade

Dominik Sauerteig will Coburger Oberbürgermeister werden. Dafür stellt er sich sogar in die regelmäßig mit seinem Bruder in die Küche.
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Dominik Sauerteig beweist, dass er nicht nur fürs Werbefoto (links) lächeln kann. Foto: Simone Bastian
Dominik Sauerteig beweist, dass er nicht nur fürs Werbefoto (links) lächeln kann. Foto: Simone Bastian

"Es ist eine Persönlichkeitswahl", sagt Petra Schneider, die Vorsitzende der Coburger SPD-Stadtratsfraktion. Aber die Personen müssen auch sagen können, wofür sie stehen. Deshalb hat der SPD-Stadtverband nun sein Wahlprogramm für Coburg vorgestellt. Ganz ohne Seitenhiebe auf die politischem Mitbewerber geht es nicht: "Der politische Mitbewerber nutzt nun auch unseren Slogan ,Stadt der Chancen‘, andere übernehmen die Idee Zusammenhalt und die Verzahnung von Stadt und Land", stellt Oberbürgermeisterkandidat Dominik Sauerteig fest. Kurz: Auch die Konkurrenz sehe, dass die Coburger SPD die richtigen Konzepte habe.

Die sind jetzt auch ausformuliert in einem A5-Prospekt mit acht Seiten und kleiner Schrift: "Wohnen ist Lebensqualität", "Gestalten für Jung und Alt", "Leben und Arbeiten in Coburg 4.0" sind zum Beispiel drei der Abschnitte überschrieben, in denen erläutert wird, wie sich die SPD die künftige Coburger Entwicklung vorstellt. Da gibt es die Forderung nach einer verbindlichen Sozialquote bei größeren Bauprojekten, die in der Bauleitplanung festgeschrieben werden könne, wie Petra Schneider sagt. "Da muss man sich trauen, das zu tun." Denn bezahlbarer Wohnraum werde angesichts sinkender Renten immer wichtiger. Schon jetzt helfe die Stadt dazu, dass Wohnraum geschaffen werden könne: Es gibt ein Förderprogramm für die Sanierung leerstehender Wohnungen in den Sanierungsgebieten der Innenstadt. Das könnte besser angenommen werden, findet Petra Schneider. Aber es sei auch nötig, dieses Förderprogramm über die Sanierungsgebiete hinaus anzuwenden bis in die Stadtteile.

Petra Schneider, Dritter Bürgermeister Thomas Nowak, Stadtverbandsvorsitzender Stefan Sauerteig, Juso-Vorsitzender Can Aydin und SPD-Urgestein Horst Schunk stellen zusammen mit Dominik Sauerteig das Programm vor. Oberbürgermeister Norbert Tessmer fehlt wegen eines anderen Termins an diesem Freitagnachmittag.

Dass Sauerteig das Thema Wirtschaft voranstellt, hat zwei Gründe: Nur mit einer starken Wirtschaft und entsprechenden Steuereinnahmen habe die Stadt auch Gestaltungsmöglichkeiten, betont er. Coburg werde mit ihm wirtschaftsfreundlich bleiben. Und er will "das Erfolgsmodell Coburg stärken", die enge Verzahnung von Stadt, Hochschule und Wirtschaft. Auch mit dem Landkreis und seinen Kommunen müsse die Stadt enger zusammenarbeiten, vor allem, wenn es um Unternehmensansiedlungen geht. "Wir müssen das Kirchturmdenken durchbrechen", sagt der OB-Kandidat. Die Konkurrenz der Regionen ist riesig."

Umwelt und Verkehr

Gleichzeitig soll Klimaschutz vor Ort stattfinden. Der Schutz öffentlicher Grünflächen, eine behutsame Entwicklung der Itz stehen im Programm. "Keine Rodungen der Ufer für einen Stadtstrand", fordert Horst Schunk, früherer Stadtrat und derjenige, der dafür sorgte, dass Coburg seit Jahrzehnten eine Baumschutzverordnung hat.

Unter dem Stichwort Umwelt findet sich auch der Verkehr: Dominik Sauerteig, seit Oktober ohne eigenes Auto, probiert gerade aus, wie er Termine in Coburg nur per Stadtbus wahrnehmen kann. Mit ein bisschen Planung sei das gut machbar, sagt er. Aber für eine Familie mit Kindern sei der Verzicht aufs Auto eher schwierig. Mehr Fahrradfreundlichkeit, eine bessere Vertaktung der öffentlichen Verkehrsmittel, Stärkung des ICE-Halts stehen auf dem Programmpapier der SPD.

Unter "Sport, Kultur und Freizeit" finden sich der Ausbau der Sportförderung und Verhandlungen mit der Staatsregierung darüber, dass das Landes- in ein Staatstheater umgewandelt wird. Dann hätte der Freistaat den größeren Anteil an den laufenden Kosten; derzeit ist es die Stadt. Außerdem ist von einer Mitfinanzierung durch den Landkreis "in einer fairen Partnerschaft" die Rede. Was das Globe angeht, will die SPD sich frühzeitig um eine langfristige Nachnutzung kümmern. Zunächst wird es als Interimsspielstätte während der Sanierung des Landestheaters dienen.

Online-Wahlkampf ist teuer

Nachzulesen ist alles in der Broschüre und im Internet unter www.stadtderchancen.co. Denn natürlich wird die SPD im Wahlkampf auch die neuen Medien nutzen, wenn auch vielleicht nicht so intensiv wie andere, wie Dominik Sauerteig sagt. "Alles, was man online macht, kostet sehr viel Geld." Lieber setze er auf den direkten Kontakt und Hausbesuche. Dabei wird er kleine Töpfchen Erdbeermarmelade überreichen, von ihm selbst eingekocht. Die Marmelade komme super an, sagt sein Bruder Stefan Sauerteig.

Analog neben digital: So will die SPD auch den Zugang der Bürger zur Stadtverwaltung gestalten. Bürgerbeteiligung betreibe die SPD schon lange, zum Beispiel im "Sprechpunkt" der Stadtratsfraktion, sagt Dominik Sauerteig. Als Oberbürgermeister wolle er regelmäßige Stadtteilsprechstunden anbieten. Online erreichbar sei er ohnehin und auf Facebook "nicht erst seit gestern" zu finden.

Bedingungen für Bündnisse

Seit 30 Jahren stellt die SPD in Coburg den Oberbürgermeister. Darauf verweist der Slogan "Sehr viel erreicht. Noch viel mehr vor" auf dem Programm und sogar die Farbgebung ist symbolisch gemeint: Magenta und orange gestreift. Das verweist auf die Himbeerfarbe, die die SPD in Coburg seit 1990 verwendet und auf das Orange, mit dem Willy Brandt 1969 zur Bundestagswahl antrat.

Ziel sei es, auch 2020 den OB und die stärkste Fraktion zu stellen und den Posten des Dritten Bürgermeister zu besetzen, sagt Dominik Sauerteig. Wenn ein Bündnis eingegangen werde, "dann nicht nur, um die Bürgermeister zu wählen, sondern eins, das sich gemeinsame Themen setzt". Das, sagt Sauerteig offen, sei 2014 "nicht optimal" gewesen. Damals hatte sich die SPD mit der CSU geeinigt: Die CSU stellt den Zweiten Bürgermeister (Birgit Weber), die SPD den Dritten (Thomas Nowak). Christian Meyer, OB-Kandidat der CSU, hat angekündigt, dass er den dritten hauptamtlichen Bürgermeisterposten abschaffen will - das Baureferat solle von einem Fachmann geführt werden.

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