Coburg
Diskussion

Coburger SPD lästert: "Michelbach ist Ankündigungsweltmeister"

Die SPD hält die Art und Weise, wie der CSU-Bundestagsabgeordnete die Deutsche Bahn kritisiert, für "wenig zielführend".
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Coburger BahnhofFoto: Oliver Schmidt
Coburger BahnhofFoto: Oliver Schmidt
Wann wird der Coburger Bahnhof endlich auf Vordermann gebracht? Im Zusammenhang mit dieser Frage hatte der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU) die Deutsche Bahn scharf kritisiert und die Verantwortlichen unter anderem als "Frühstücksdirektoren" bezeichnet. KDas ruft nun wiederum die Coburger SPD auf den Plan: Sie ist der Meinung, dass Kritik an der Bahn zwar berechtigt sei, doch dass diese bitte Niveau haben müsse.

"Die Deutsche Bahn muss sich aufgrund der nicht ansatzweise nachvollziehbaren Verhaltensweisen berechtigter Kritik stellen", schreibt der SPD-Pressebeauftragte Dominik Sauerteig in einer Erklärung und listet auf: "Verzögerung bei der Errichtung der notwendigen Parkinfrastruktur mit immer wieder neuen, vorgeschobenen Gründen, Barrierefreiheit und Nichtinbetriebnahme des installierten Aufzuges, fehlende Toiletten und die Nichtanerkennung der hohen Zustieg- und Ausstiegszahlen". Die Bahn, so Sauerteig, müsse diese Probleme "dringend im Sinne der Bürger" lösen.

Für "wenig zielführend" halte man aber das "Gebaren" von Hans Michelbach, der in "beleidigender Weise" über die Mitarbeiter der Bahn öffentlich herziehe, wenn er sie als "Frühstücksdirektoren" abkanzele und ihnen indirekt "mit den vielen Freunden, die ihn unterstützen" drohe.

Sauerteig schreibt wörtlich: "Wenn Herr Michelbach die Bahnmanager als Frühstücksdirektoren bezeichnet, dann müsste man ihn selbst wohl als Ankündigungsweltmeister bezeichnen, denn wie viele Bahn-Gipfel etc. wurden von ihm schon angekündigt? Und mit welchem Ergebnis realisiert? Beantworten muss Herr Michelbach deshalb insoweit auch die Frage, weshalb er erst jetzt seine
vermeintlich einflussreichen Freunde einschalten will, wo das Kind schon weitestgehend in den Brunnen gefallen ist? Macht vielleicht doch eher der Ton die Musik?"

Und Sauerteig weiter: "Liegt das Problem mit der Bahn nicht vielleicht daran, dass die Bahnreform des
neoliberalen Zeitgeists, dem auch in den 90er und 2000er Jahren, zugegebenermaßen Teile der Sozialdemokratie verfallen waren, Wurzel allen Übels ist? Eine Deutsche Bahn, die sich zwar zu 100 Prozent in Staatshand befindet, aber in viele Teilgesellschaften mit eigenen Entscheidungsträgern in einem für die Öffentlichkeit und damit dem Bürger als Anteilseigner kaum durschaubaren Firmenkonstrukt zergliedert ist? Kann Staat vielleicht manchmal doch mehr als Privat?"

Sauerteig stellt sogar die Frage, ob es vielleicht nicht hilfreich wäre, eine Rückabwicklung der Bahnreform anzustreben und die Bahn als Träger eines auch für die Mobilitätswende wichtigen Verkehrsmittels damit wieder in den direkten Einflussbereich der Staatsgewalt einzugliedern. Doch er schreibt auch: "Aber vielleicht könnte man den eben nicht altgediente Freunde auf mit Millionen vergoldeten Vorstandsposten unterbringen? Das wäre dann ja nicht hilfreich für das Lobbyistennetzwerk, in dem eine Hand die andere wäscht, oder Herr Michelbach?"
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