Coburg
Podiumsdiskussion

Coburger Sichtweisen: Was Theater und Heimat miteinander verbindet

Wie das Landestheater Coburg und die Hans Seidel-Stiftung in ihrer Reihe "Sichtweisen" einem missverständlich verwendbaren Begriff näher kommen.
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Coburger Sichtweisen (von links): In der Reithalle diskutierten Matthias Straub, Christian Limpert (Moderation), Stefan Pellmaier und Gerhard Amend über das Thema Heimat.Foto: Jochen Berger
Coburger Sichtweisen (von links): In der Reithalle diskutierten Matthias Straub, Christian Limpert (Moderation), Stefan Pellmaier und Gerhard Amend über das Thema Heimat.Foto: Jochen Berger
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Heimat. Was verbinden Menschen heute mit diesem Begriff? Was lässt sich tun in Zeiten, in denen dieser Begriff zunehmend von rechtsextremen Kräften missbraucht wird? Und welchen Beitrag kann die Kunst, kann das Theater leisten, damit Menschen aus anderen Kulturkreisen in der Fremde eine neue Heimat entdecken können?

Heimat-Bilder standen im Mittelpunkt eines Diskussionsabends in der Coburger Reithalle, mit dem das Landestheater und die Hanns-Seidel-Stiftung ihre in der vergangenen Saison gestartete Reihe "Sichtweisen" fortsetzten.

Suche nach Heimat - sie beginnt schon mit der Suche nach einer möglichst umfassenden und trotzdem nicht zu allgemein bleibenden Definition. Moderator Christian Limpert wurde für diesen Diskussionsabend bei dem Philosophen und Theologen Johann Gottfried von Herder fündig: "Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss."

Zum Thema hat Coburgs Schauspieldirektor Matthias Straub in dieser Spielzeit gleich mehrere Produktionen auf das Programm gesetzt. Nach der fränkischen Kult-Komödie "Schweig, Bub!" von Fitzgerald Kusz folgt in wenigen Tagen die Premiere der Komödie "Extrawurst" von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob. "Das Identitätsstiftende gehört zu unserem Auftrag", bekannte sich Straub ganz unmissverständlich zur Aufgabe des Theaters, sich mit dem Thema Heimat zu befassen.

Wie aber kann das Theater auch in Zukunft in kultureller Hinsicht eine Heimat für seine Besucher sein? Da sieht sich Straub vor einer spannenden Herausforderung: "Ich glaube ja, ich kenne die Coburger inzwischen ganz gut - und bin manchmal doch überrascht, wenn ein Stück nicht so ankommt, wie ich das erhofft habe."

Suche nach Authentizität

Für den Musiker Stefan Pellmaier, der mit seiner Band Luz Amoi überlieferte Volksmusik auf neue Weise interpretiert, steht Authentizität im Vordergrund: "Mir geht's als Musiker nicht um Heimat, sondern um Authentizität." Dass die Beschäftigung mit der Tradition und mit Volksmusik bei der jüngeren Generation derzeit wieder Interesse findet, erklärt sich Pellmaier mit der Suche nach Identität. Energisch grenzte sich Pellmaier aber vom Volkstümelnden ab: "Oktoberfest? Das ist nicht Oberbayern."

Landestheater wichtig für die Identität Coburgs

Gerhard Amend, Vorsitzender des Theaterkreises und als CSB-Stadtrat Mitglied des Landestheater-Verwaltungsausschusses, bekannte sich mit Nachdruck zur Bedeutung des Landestheaters auch im Hinblick auf das Thema Heimat: "Das Landestheater ist wichtig für die Identität Coburgs."

Auch Amend sieht das Landestheater in der Zukunft vor einem schwierigen Spagat. Es müsse darum gehen, neue Lesarten von Stücken zu entwickeln, aber auch die Vergangenheit nicht zu vergessen. Schließlich müsse am Ende auch "die Kasse stimmen". Spannende Aspekte zur Diskussion lieferten auch die Zuhörer in der Reithalle. Fritz Frömming, Kaufmännischer Direktor des Landestheaters, rief auch dazu auf, den Begriff Heimat kritisch zu hinterfragen: "Heimat darf kein Mühlstein sein."

Frömmings nachdenklich stimmende Frage: "Wann wird aus Heimat Provinz?" Dass das Theater mit Blick auf die Besucherzahlen vor großen Herausforderungen steht, räumte Schauspieldirektor Matthias Straub unumwunden ein: "Wir müssen in den Dialog treten, müssen den Spielplan aufbrechen und die Menschen abholen."

So geht es weiter mit den "Sichtweisen"

Ausblick Der nächste Diskussionsabend der Reihe "Sichtweisen" wird am 5. März in Coburg stattfinden. Auf dem Podium wird dabei Günther Beckstein erwartet, ehemaliger langjähriger Innenminister und kurzzeitiger Ministerpräsident Bayerns.

Sichtweisen Die Diskussionsreihe Sichtweisen wird gemeinsam vom Landestheater Coburg und der Hanns Seidel-Stiftung veranstaltet.

Auf dem Podium Matthias Straub, Schauspieldirektor Landestheater Coburg; Stefan Pellmaier, künstlerischer Kopf der Volksmusikband "Luz Amoi"; Gerhard Amend, Vorsitzender des Theaterkreises, Stadtrat (CSB) und Mitglied im Verwaltungsausschuss des Landestheaters: Moderation: Christian Limpert, ARD-Auslandskorrespondent in Wien.

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