Coburg
Volksschule

Coburger Schulsenat widersetzt sich Regierung

Wenn die Regierung die Volksschulen umbenennen will, dann soll sie das anordnen. Die Coburger Senatsmitglieder weigern sich weiter.
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Hauptschule oder Volksschule? Nein, Mittelschule. Eine Umbenennung wird auch hier erforderlich sein. Foto: Helke Renner
Hauptschule oder Volksschule? Nein, Mittelschule. Eine Umbenennung wird auch hier erforderlich sein. Foto: Helke Renner
Sie haben es wieder getan. Wie schon im November 2012 lehnten auch gestern die Mitglieder des Kultur- und Schulsenats mehrheitlich eine von der Regierung von Oberfranken initiierte Umbenennung der Coburger Volksschulen ab. Denn der Kostenaufwand, den eine neue Bezeichnung nach sich zieht, ist nicht unerheblich. Und bestreiten muss ihn der Schulaufwandsträger, also die Stadt. Wenn Siegel, Stempel, Briefpapier und Tafeln an den Haupteingängen geändert werden müssen, dann wird das teuer.

Aber die Regierung von Oberfranken will die klare Trennung von Grund- und Mittelschulen auch in der Bezeichnung deutlich machen. Der Begriff Volksschule tut das nicht, denn so heißen auch heutige Mittelschulen, wie zum Beispiel die Rückertschule.

Stadtrat Gerhard Amend (CSB) sprach sich als Erster in der Sitzung gegen die Umbenennung aus. "Hier werden Traditionen weggewischt.
Und durch die Umwandlung von Hauptschulen in Mittelschulen hat sich nichts verändert", schimpfte er. Für den Fall, dass es kein Einvernehmen mit den Schulaufwandsträgern gibt, hat die Regierung von Oberfranken angekündigt, die Umbenennung in einer der nächsten Rechtsverordnungen anzuordnen.


BIJ ist dringend nötig

Einig waren sich die Mitglieder des Senats, dass es an der staatlichen Berufsschule I auch weiterhin das Berufsintegrationsjahr (BIJ) geben soll. Wie dringend notwendig es ist, erläuterte der stellvertretende Schulleiter Rolf Sander. Das BIJ gibt es seit 2008/2009. Es wurde für Jugendliche eingerichtet, die den Übergang von der Schule zur Berufsausbildung nicht geschafft haben. Sie sollen die Chance bekommen, durch gezielte Berufsvorbereitung, durch verstärkte Sprachförderung und sozialpädagogische Betreuung die Ausbildungsreife zu bekommen und eventuell auch nachträglich einen Hauptschulabschluss zu erwerben. Kein leichtes Unterfangen, wie Rolf Sander weiß. Die Schülerzahlen in den sogenannten JoA-Klassen (Jugendliche ohne Ausbildungsplatz) steigen - im vergangenen Schuljahr von 129 auf 174. "In diesem Jahr sind es 112, aber es ist noch nicht klar, wie es ausgeht." Und nicht alle Jugendlichen seien motiviert, das BIJ zu Ende zu bringen. Meinungen wie "Da muss ich ja früh aufstehen, darauf habe ich keinen Bock" seien nicht selten.

Dennoch gebe es auch immer wieder Schüler, die es schaffen und einen Ausbildungsplatz finden, manchmal sogar während des Berufsintegrationsjahres. "Dann können sie das BIJ sofort abbrechen", erläuterte Rolf Sander. Für all diejenigen, denen es schwerfalle, sich an einen strukturierten Tagesablauf zu gewöhnen, hält er Sozialarbeiter auch an Berufsschulen für dringend erforderlich. "Die Kosten, die hier eingespart werden, fallen uns später wieder auf die Füße, wenn sich Jobcenter und Jugendamt um diese Jugendlichen kümmern müssen", stellte Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer (SPD) fest. Immerhin werde es ab September einen Schulpsychologen für Berufsschulen geben, ergänzte Schulleiter Anton Staudigl.

Positives hatte Nicole Röthig über die Mittagsbetreuung und die Entwicklung bei den Ganztagsschulen in der Stadt zu berichten.

Die Zahl der Gruppen, die an den Grundschulen eine Mittagsbetreuung nutzen können, sei leicht angestiegen. 27 sind es insgesamt. Für sie zahlt die Stadt einen Zuschuss von 75 .924 Euro im Jahr.


Ganztagsschule am Gymnasium

Die offene Ganztagsschule, also das freiwillige Angebot der ganztägigen Förderung und Betreuung der Jahrgangsstufen 5 bis 10, gibt es an der Heiligkreuzschule, der Realschule CO I sowie an den Gymnasien Albertinum, Alexandrinum, Casimirianum und Ernestinum - 18 Gruppen insgesamt. Dafür gibt die Stadt einen Zuschuss von 85 .000 Euro.

Die gebundene Ganztagsschule, die im festen Klassenverband organisiert ist, bieten die Melchior-Franck-Schule (vier Klassen), die Heimatringschule (vier Klassen), die Rückert-Mittelschule (fünf Klassen) und das Gymnasium Ernestinum (eine Klasse) an. Der städtische Zuschuss beträgt hier 70.000 Euro.

Dazu kommt sowohl bei der gebundenen als auch bei der offenen Ganztagsschule eine staatliche Unterstützung.

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