Coburg

Coburger Schulleiter soll Fehler zugeben

In der Berufungsverhandlung um die geschönten Abiturnoten am Gymnasium Casimirianum redete die Vorsitzende Richterin, Ulrike Barausch, Oberstudiendirektor Burkhard Spachmann ins Gewissen.
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Schulleiter Burkhard Spachmann Foto: Jochen Berger
Schulleiter Burkhard Spachmann Foto: Jochen Berger
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Konzentriert, hartnäckig in ihren Nachfragen und mutig in ihrer Einschätzung führte gestern die Vorsitzende Richterin am Landgericht, Ulrike Barausch, die Berufungsverhandlung im Fall Spachmann.

Die vorformulierte und rasant vorgetragene , durchaus emotionale Stellungnahme von Burkhard Spachmann zum Prozessauftakt (siehe Text rechts unten) ließ sie unbeeindruckt. Sie ging im Anschluss die Fakten noch einmal chronologisch und für die beisitzenden Richter und Zuhörer im Saal verständlich durch.
Am Ende des ersten Verhandlungstages, nachdem erneut alle zehn beteiligten Deutschlehrer gehört worden waren, richtete sie ihr Wort an den Angeklagten: "Gehen Sie in sich, Herr Spachmann.
Besprechen Sie sich noch einmal mit ihren Anwälten!" Die Vorsitzende Richterin sieht keine großen Erfolgsaussichten für die von der Verteidigung favorisierte Argumentation, die Beurkundung der Abiturnoten aus rein verwaltungsrechtlicher Sicht zu beurteilen. Dagegen appelliert sie an den Schulleiter doch auch mal einen Fehler einzugestehen. Schließlich trage er nicht nur Verantwortung für seine Schüler, sondern als Dienstherr auch für seine Lehrer.

Keine einfache Materie

So wollte das Verteidiger Ekkehart Staritz nicht stehenlassen: "Es geht hier um die falsche Beurkundung - also um einen Verwaltungsakt, nicht um das Disziplinarverfahren, das das Kultusministerium mittlerweile eingeleitet hat." Sollte die mündliche Verkündung der Abiturnoten am 14. Juni 2013 bereits rechtsverbindlich sein, wäre die schriftliche Beurkundung eine Woche später keine Falschbeurkundung, da die verkündeten Noten rechtens wären, meinte Staritz. Damit könne Spachmann kein strafbares Verhalten nachgewiesen werden. Die Richterin daraufhin abschließend: "Lassen Sie uns alle darüber nachdenken. Es ist keine einfache rechtliche Materie!"
Wie schwierig dieses Thema ist, machten auch die Zeugenaussagen deutlich. Die Lehrer, die die betreffenden Deutsch-Abiturarbeiten korrigiert und einvernehmlich beurteilt hatten, machten keinen Hehl aus ihrer Unzufriedenheit. Die Art und Weise wie Burkhard Spachmann die Notenanhebung selbstherrlich durchgedrückt habe, hatte sie verletzt und war für sie nicht nachvollziehbar. Teilweise erzählten sie, unter Druck gesetzt worden zu sein.
Ein ehemaliges Mitglied des Personalrates sprach von einem Vermittlungsversuch zwischen der Fachschaft Deutsch und dem Schulleiter. "Doch der ist gescheitert. Die Fronten sind tief und immer noch da."
Fortgesetzt wird der Prozess am morgigen Donnerstag um 9 Uhr. Dann sollen der Ministerialbeauftragte der Regierung von Oberfranken sowie ein Vertreter des Kultusministeriums aussagen. Am Nachmittag wird mit dem Urteil gerechnet.


Stellungnahme
"Vier Sechser, 19 Fünfer: Ein Korrektur-Scherbenhaufen"
Hintergrund
Burkhard Spachmann hatte 2013 in 86 Fällen die Abiturnoten im Fach Deutsch eigenmächtig um jeweils einen Punkt angehoben. Gegen einen Strafbefehl, der 90 Tagessätze als Strafmaß vorsah, hatte er Einspruch eingelegt.
Verurteilt Das Coburger Amtsgericht hatte Spachmann am 23. Juni zu einer Geldstrafe von 5400 Euro verurteilt (60 Tagessätze à 90 Euro). Richter Wolfram Bauer hatte den Direktor des renommierten Gymnasiums der Falschbeurkundung im Amt schuldig gesprochen.
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