LKR Coburg
Humanität

Coburger Sanitäter empfingen junge Patienten aus Angola

Das BRK Coburg beteiligte sich an der Aktion "Friedensdorf" und fuhr kranke Kinder aus Angola in deutsche Kliniken.
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Die Kinder wurden, in Decken eingehüllt, die Gangway hinuntergetragen und an die wartenden Fahrzeugbesatzungen übergeben.  Foto: Michael Stelzner
Die Kinder wurden, in Decken eingehüllt, die Gangway hinuntergetragen und an die wartenden Fahrzeugbesatzungen übergeben. Foto: Michael Stelzner
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Erschöpft, aber mit dem guten Gefühl, geholfen zu haben, kehrten vor kurzem nach einem langen Einsatz und 1300 Kilometern Fahrt zwei Rettungssanitäter aus dem Coburger Land in den Landkreis zurück. Die vielen Eindrücke von dieser Hilfsaktion werden Maximilian Scholz aus Rödental von der BRK-Wasserwacht und Sanitäter Michael Stelzner aus Untersiemau von der BRK-Bereitschaft Itzgrund noch lange in Erinnerung bleiben.

"Die Blicke der Kinder, die ohne ihre Eltern nach Deutschland kamen, werde ich so schnell nicht vergessen", sagt Maximilian Scholz, der selbst Vater ist. Die beiden aktiven Rotkreuzler haben sich an einem überörtlichen Einsatz der Hilfsorganisation "Friedensdorf international" beteiligt. Diese Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, kranke und verletzte Kinder aus dem Ausland nach Deutschland zu holen, damit sie hier behandelt werden können.

Lebensbedrohliche Knochenentzündungen

Deutsches und Bayerisches Rotes Kreuz unterstützen diese Aktion mit ehrenamtlichem Personal und mit Fahrzeugen. Dieses Mal wurden 57 Kinder im Alter von einem bis 13 Jahren mit unterschiedlichen Krankheiten von "Friedensdorf" mit Unterstützung der "Sternstunden" des Bayerischen Rundfunks und des Düsseldorfer Flughafens aus dem afrikanischen Land nach Deutschland geholt. Ein großer Teil der Kinder leidet an lebensbedrohlichen Knochenentzündungen, die in ihrem Heimatland nicht ausreichend behandelt werden können. Außerdem fehlen den Familien dort die finanziellen Mittel für eine Behandlung.

Nach dem Flug nach Deutschland und der Ankunft wurde ein Teil der Kinder auf verschiedene Kliniken verteilt, ein weiterer Teil der jungen Patienten wurde direkt mit einem Bus in das Friedensdorf nach Oberhausen gefahren, um dort behandelt zu werden. Für die Hilfsorganisation "Friedensdorf international" war es bereits der 65. derartige Einsatz. Bereits am Vorabend begann der Hilfseinsatz für die Coburger Helfer. Denn sie wurden von Bereitschaftsleiter Philip Köster in den Rettungswagen eingewiesen, den die BRK-Bereitschaft Coburg kostenfrei zur Verfügung stellte. Sie kam auch für die Treibstoffkosten auf. Nachdem das Fahrzeug gecheckt war, wünschte Kreisbereitschaftsleiter Claus Weigand dem Team eine gute Fahrt. Die Helfer fuhren in Richtung Düsseldorf, wo sie sich am frühen Morgen an einer Raststätte mit den anderen Einheiten aus Bayern und mit dem Bezirksverband trafen. Danach ging es zum Flughafen, wo es mehrere Besprechungen und

Sicherheitsunterweisungen gab. Einsatzleiter Johannes Stegmann informierte die Besatzungen über die Krankheiten der Kinder.

Am Morgen landete die Maschine aus Angola

Kurz nach 7 Uhr war es dann so weit. Rund 20 Fahrzeuge vom Deutschen und Bayerischen Roten Kreuz fuhren, begleitet von Sicherheitspersonal, auf das Rollfeld und warteten auf das Flugzeug mit den jungen Patienten, die nach rund neun Stunden aus dem fast 7000 Kilometer entfernten Angola in Düsseldorf landeten. Nachdem die Gangways an die Maschine herangefahren waren, trugen die Rotkreuzhelfer die Kinder, die in Decken eingehüllt waren, die Treppe hinunter und übergaben sie den Besatzungen der einzelnen Fahrzeuge. Die Decken mussten sein, denn neben der psychischen Belastung mussten die Kinder auch einen großen Temperatursturz verkraften. In ihrem Heimatland Angola herrschen zurzeit über 30 Grad Celsius. Einige Kinder konnten aufgrund ihrer Erkrankungen nicht laufen und mussten liegend transportiert werden.

Freude beim Wiedersehen

Die beiden Coburger Sanitäter bekamen ein sechs Jahre altes Mädchen mit einer Knochenentzündung in ihre Obhut. Das Kind wurde in eine Klinik in der Nähe von Leipzig gefahren. Weiterhin wurde den beiden Sanitätern ein 13-jähriger Junge übergeben, der schon einmal in Deutschland war. Ihn brachten sie in eine Klinik im nördlichen Thüringen, wo er weiter behandelt wird.

Besonders beeindruckend für die Helfer war, dass die Kinder mit relativ wenigen Dingen zufrieden sind. Michael Stelzner schenkte der Sechsjährigen einen Tröster-Teddy, der sich dank Spenden auf jedem Coburger Rettungswagen befindet. Die kleine Angolanerin ließ den Teddy während der ganzen Fahrt nicht los und hatte ein leichtes Lächeln auf dem Gesicht. Im Ziel-Krankenhaus wurde die kleine Dame schon erwartet. Das Pflegepersonal freute sich sichtlich auf die kleine Patientin. Der 13-Jährige, den Maximilian Scholz mit Süßigkeiten und Schokolade beschenkt hatte, wurde nach einer weiteren guten Stunde Fahrt in der thüringischen Klinik abgeliefert. Er erhielt einen tollen Empfang vom Pflegepersonal, das sich sichtlich über das Wiedersehen mit dem jungen Patienten freute.

Michael Stelzner und Maximilian Scholz machten sich, nachdem sie das Fahrzeug gereinigt und abgestellt hatten, nach fast 24 Stunden Dienst wieder auf den Weg nach Hause, froh, in einem sicheren Land mit einem guten Gesundheitssystem zu leben.

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