Coburg
Interview

Coburger "Salome" lockt mit renommierten Gästen

Nach rund einem Vierteljahrhundert kehrt "Salome" zurück ans Landestheater. Erstmals seit September 1989 steht das Musikdrama von Richard Strauss in Coburg wieder auf dem Spielplan.
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"Salome" feiert am 7. Februar Premiere in Coburg: Probenszene mit Ute Döring als Salome und Christian Franz als Herodes. Foto: Andrea Kremper
"Salome" feiert am 7. Februar Premiere in Coburg: Probenszene mit Ute Döring als Salome und Christian Franz als Herodes. Foto: Andrea Kremper
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Gastregisseur Tobias Theorell bringt "Salome" von Richard Strauss auf die Bühne des Landestheaters. In den Hauptrollen: zwei international tätige Gäste - Ute Döring in der Titelpartie und der Bayreuth-erfahrene Tenor Christian Franz als Herodes. Was sie an diesem Werk und ihren Partien besonders reizt, verraten beide Künstler im Gespräch.

Die Premiere von "Salome" am 7. Februar am Landestheater ist Ihr Rollen-Debüt als Salome. Wie schwierig ist diese Partie?
Ute Döring: Das ist die schwierigste Rolle, die ich bislang gesungen habe. Das meint nicht nur den stimmlichen Aspekt. Es geht darum, diesen Charakter zu füllen, diese Figur wirklich zu werden. Man muss seine eigenen Grenzen überschreiten, sonst bleibt es lau.

War Ihnen vorher klar, wie schwierig diese Partie tatsächlich ist?
Ute Döring: Ich habe es geahnt, aber ich habe nicht gedacht, dass sich das so stark auswirken würde. Vieles stellt man in diesem Stück selber her. Man muss sehr verführerisch sein, man muss unerbittlich sein, man muss raffiniert sein, man muss sehr düster sein, sehr mädchenhaft, und am Ende auch noch ganz philosophisch. Und das alles in einer fortschreitenden Ekstase Man fühlt sich an wie in einem Flugzeug, das kurz vor dem Durchbrechen der Schallmauer ist.

Sie haben den Herodes bereits in den 90er Jahren erstmals gesungen. Wie erleben Sie die Figur in dieser Neuinszenierung?
Christian Franz: Es ist für mich wie eine neue Partie - ich habe wirklich fast alles vergessen. Der Herodes ist musikalisch sehr vertrackt. Auch wenn man Kollegen fragt, die die Partie tagaus, tagein singen: Es ist schwer zu merken, es ist schwer vom Blatt zu singen, die Partie ist rhythmisch sehr, sehr schwierig.

Was ist gestalterisch die besonderes Herausforderung bei dieser Rolle?
Christian Franz: Die Gefahr ist, dass es schnell klischeehaft wird, dass der Herodes vom Schrei gar nicht mehr herunter kommt. Er ist immer aufgeregt, aufgeputscht. Dafür wirklich unterschiedliche Nuancen zu finden, ist eine ganz wichtige Aufgabe - damit Herodes nicht nur ein geiler Onkel und Stief-Papa ist. Was wäre, wenn er die Salome wirklich lieben würde? Diese Farben möchte ich auch herausbringen.

Wie charakterisieren Sie diese Partie vom Stimmfach her?
Christian Franz: Es heißt ja immer, Herodes sei ein Charaktertenor. Das ist völliger Unsinn. Denn wenn die Stimme von der Grundfarbe her schon grell ist, wie will ich dann noch grelle Farben reinbringen? Man muss wirklich versuchen, dass es einen lyrischen Aspekt hat, dass es auch mal schön klingt.

Herodes ist auf den ersten Blick keine besonders sympathische Figur. Macht Ihnen das als Darsteller etwas aus?
Christian Franz: Das ist doch herrlich.
Ute Döring: Ich finde Herodes ja eher sympathisch in diesem Stück. Man könnte auch sagen: Er hat Angst, Jochanaan umbringen und einfach aus dem Weg räumen zu lassen.
Christian Franz: Herodes ist sehr viel hellsichtiger, als man das auf den ersten Blick meinen könnte. Er ist extrem abergläubisch, andererseits nimmt er sehr genau irgendwelche Schwingungen wahr, die die anderen nicht wahrnehmen.

Wie sehen Sie Salome als Figur?
Ute Döring: Das ist wirklich ein junges Mädchen, das immer bekommen hat, was es sich gewünscht hat. Auf diese Art und Weise hat Salome nie Grenzen kennen gelernt. Sie hat in wuchernder Freiheit gelebt. Das einzige Problem ist, dass das eine vorgespiegelte Freiheit ist, denn sie hat nie wirklich leben oder die Tiefe eines Gefühls empfinden dürfen. Jetzt ist sie in einem Alter, in dem sie merkt, dass die Männer alle hinter ihr her sind, was sie ziemlich nervt, wo sie aber auch selber Gefühle entwickelt - und dann tritt dieser Prophet in ihre Welt.

Was bringt das Drama in Gang?
Ute Döring: Jochanaan besitzt so eine schöne Stimme. Salome möchte gerne diesen Menschen rumkriegen, normalerweise war alles ganz einfach für sie, sie bekommt, was sie will. Diesmal aber funktioniert das nicht. Deswegen gibt es einen Bruch in ihrem Leben, der sie völlig verändert, sie erlebt die tiefste Demütigung, die ihr widerfahren kann. Das ist ein Absturz.

Wie nahe ist uns heute diese Geschichte aus biblischer Zeit?
Christian Franz: Das ist, glaube ich, gar nicht so weit weg.
Ute Döring: Dass man sich rächt, wenn man zurückgewiesen wird, kommt immer wieder vor. Der psychologische Hintergrund des Stücks ist viel wichtiger als das äußere Drumherum.

Das Stück führt die Darsteller in sehr extreme Situationen. Nimmt Sie das bei den Proben sehr mit?
Christian Franz: Sicher. Auch wenn ich das von anderen Partien schon kenne - zum Beispiel Tristan. Es macht einen psychisch müde. Das führt bei mir auch dazu, dass ich selten singe, weil ich einfach Zwischenräume brauche zwischen den Produktionen.

Was machen Sie, wenn Sie in der Probenphase Freizeit haben?
Ute Döring: Schlafen. Im Bett liegen bleiben, spazieren gehen.
Christian Franz: Viel rausgehen oder vor das Schachbrett setzen. Mich interessieren Schachprobleme - das sind regelrechte Kompositionen, das ist ganz faszinierend. Man muss einfach auf andere Gedanken kommen. Das ist furchtbar wichtig.

Sie haben Ihre Karriere als Mezzosopran begonnen, singen aber auch ausgesuchte Sopran-Partien. Wie hat sich das ergeben?
Ute Döring: Bei mir konnte eigentlich niemand sagen, ob ich ein Sopran oder ein Mezzosopran bin. Irgendwann habe ich dann mein erstes Mezzosopran-Engagement bekommen und dann war ich plötzlich Mezzo. Also Salome ist möglich, aber ich würde natürlich nicht eine Traviata singen oder eine Madame Butterfly. Ich weiß ziemlich genau, was ich meine Stimme zumuten kann und wo die Grenzen sind. Und Salome ist die Grenze. Ich würde so gerne Isolde auf der Bühne singen - nicht nur in einer gekürzten Fassung im Konzert wie vor knapp zwei Jahren hier in Coburg. Ich glaube sogar, dass Isolde leichter ist als Salome.

Pflegen Sie Premierenrituale? Und wie sehen diese aus?
Ute Döring: Mindestens zwei Stunden vor dem Maskentermin ins Theater kommen.
Christian Franz: Was machst Du die ganze Zeit?
Ute Döring: Die Premierengeschenke verteilen, auf die Tische legen, an jeden einzelnen denken und ihm wünschen, dass er gut ist an dem Abend.
Christian Franz: Ritual würde ich das bei mir nicht nennen. Ich versuche, möglichst mit leerem Kopf ins Theater zu kommen. Ich versuche, möglichst nicht an die Rolle zu denken, versuche, überhaupt nicht an Singen zu denken. Ich versuche, abzuschalten, dann komme ich möglichst kurz vor Maskentermin ins Theater. Dann macht es klick, klick, klick - und ich versuche, die Rolle zu sein. Wenn ich das zu früh anfange, bin ich ein nervliches Wrack, bevor die Vorstellung losgeht.



International erfolgreich Gäste bei der Neuinszenierung von "Salome"



Premieren-Tipp
Richard Strauss "Salome" - Samstag, 7. Februar, 19.30 Uhr, Landestheater Coburg

Produktions-Team Musikalische Leitung Roland Kluttig
Inszenierung Tobias Theorell
Bühnenbild und Kostüme Alejandro Tarragüel de Rubio
Dramaturgie Renate Liedtke

Ute Döring Ute Döring studierte Gesang an der Universität der Künste Berlin und Liedinterpretation bei Dietrich Fischer-Dieskau. Sie war Ensemblemitglied an den Bühnen von Ulm, Köln, Dortmund und Wiesbaden, wo sie als Mezzosopranistin engagiert war. Seit mehreren Jahren interpretiert sie auch ausgesuchte Partien des dramatischen Sopranfachs. So sang sie in fünf verschiedenen Inszenierungen Marie in Bergs Wozzeck, Fidelio, Sieglinde, Gutrune, Giulietta und konzertant die Isolde.

Christian Franz Als Ensemblemitglied in Regensburg, Wuppertal und Kassel erarbeitete sich Christian Franz ein breit gefächertes Repertoire in Opern von Schubert, Mozart, Beethoven, Wagner, Strauss, Donizetti, Verdi, Janácek und Henze. Seither führen ihn Gastspiele als Siegfried, Siegmund, Tristan, Parsifal, Loge, Bacchus, Otello an die Staatsopern in Hamburg, München und Wien, die Metropolitan Opera, Bayreuther Festspiele, New National Theatre Tokyo, Toronto. Seit 2006 tritt er bei den Wagnertagen Budapest (Leitung Adam Fischer) auf, wo er 2015 wieder als Loge und Siegfried zu sehen sein wird. Weitere Stationen sind Leipzig (Neuproduktion Siegfried), Tokio (Herodes), Wien (Laca in "Jenufa").

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