Coburg
Coburger Narrhalla

Coburger Prunksitzung: Große Show mit Seitenhieben

Mit 200 Protagonisten und 31 Programmpunkten bot die Narrhalla einen tollen Bühnenabend im Kongresshaus. Anschließend hieß es "Let's Party"
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Alle Register ihres Könnens haben rund 200 Protagonisten der Prunksitzung der Coburger Narrhalla am Samstagabend gezogen. Dabei sangen sie Loblieder auf die Franken als die Krone der Schöpfung, beleuchteten aber auch das politische, kulturelle und gesellschaftliche Leben in der Vestestadt sowie landauf und landab im galoppierenden Zeitalter des digitalen Wahnsinns schonungslos.

Klasse wie immer brachten die tänzerischen Darbietungen und musikalische Fetzer mit dem Fanfarenzug der Narrhalla als Topact den Saal zum Brodeln. Ein Highlight jagte das andere im Reigen der 31 Programmpunkte.

Fest im Griff hatten Präsident Thomas Eck und seine Führungsriege sowie die Band "Deschawü" aus Bamberg das närrische Geschehen. Brisant gestaltete sich die Mixtur des Prinzenpaares Jenny I. aus Mitwitz und Marc II. aus Neustadt bei Coburg, einer Region, in der das Liebeswerben der Frau mitunter mit dem Slogan "Entwedo heiratsta mich oder du gehst rundo von mein Körbo" unverblümt ausgedrückt wird. Bei ihrer Inthronisation mussten sich die Residenzler im Saal so manchen Seitenhieb gefallen lassen.

Dreamteam Busch und Mittag

In sich hatte es die Taxi-Bütt von Pitt Kammerscheid und Thomas Eck, der Narrhalla-Klassiker schlechthin. Mit gewohnt spitzer Zunge beleuchteten sie den Werdegang unserer neuen Landtagsabgeordneten Michael Busch und Martin Mittag. "Die beiden haben das Potential für ein echtes Dream-Team", meinte Thomas Eck, Seitenhiebe zur Landratswahl am 27. Januar gab es natürlich auch: Es fehlen einfach die Charakterköpfe, die Unbeugsamen wie Frank Rebhan und Norbert Kastner", lautete eine Breitseite von Pitt Kammerscheid in Richtung der Kandidaten.

Einen Volltreffer hatte man diesmal mit der Verpflichtung von Gastrednern gelandet. Mit Sitzungspräsident Bernd Händel aus "Fastnacht in Franken", Wortakrobat Oliver Tissot und Kabarettist Klaus Karl-Kraus sorgten drei Lichtgestalten der Szene für besonderen Glanz. Tissot hatte akribisch in Coburger Internas gekramt. "Wenn Rotkäppchen vom Wolf gefressen wird, interessiert das keinen. Wenn sich Rotkäppchen aber im Landestheater am Kopf stößt und die Veranstaltung abgebrochen werden muss, geht das durch alle Medien", meinte er.

Persönlichkeiten fehlen

Als Stimmenimitator par excellence entpuppte sich Bernd Händel: "Früher gab es auf der großen politischen Bühne noch Persönlichkeiten wie Franz-Josef Strauß oder Mister Tausendmillimeter Norbert Blüm. Das ist leider vorbei." Brüssel bezeichnete Händel als Endlager für schwarze Nullen wie "Edmund der Zerstäuber".

Derb, derber, am derbesten lautete die Devise von Klaus Karl-Kraus: "Wenn du ein Abenteuer erleben willst, brauchst du dich nicht zum Amazonas zu begeben, sondern musst dich einer Darmspiegelung beim Auspuffdoktor unterziehen." Bei seinen Angriffen auf die Gesellschaft und den Sport suchte er den Kontakt mit dem Publikum. In die Frankenseele schaute der Kulmbacher Stefan Eichner, bekannt als "Das Eich". "Mein Gott sind die Leut empfindlich geworden. Immer mehr Themen müssen für Komiker heute tabu sein", bemängelte der Spaßmacher.

Tänze vom Feinsten zauberten das Move and Dance Center Coburg mit der Interpretation des Musicals "La la Land", die Effect`s mit Kinder-Prinzenpaar Lucy I bei ihrem Showtanz "Schraube locker oder was", die Königsgarde Coburger Mohr in bewährter Manier, die Röttenbacher Besenbinder mit ihrem Beitrag "Top secret" und das Narrhalla Männerballett mit einer Kreuzfahrt auf dem Traumschiff auf die Bühne.

Die bauchigen Seebären Horst Benthien und OB Norbert Tessmer hatten alles im Griff. Die Tanzmariechen Änne Rebhan vom Coburger Mohr und die amtierende deutsche Meisterin Liana Wolf von den Besenbindern versprühten Eleganz und Akrobatik auf höchstem Niveau.

Als die Musikshow "Everybody" des Narrhalla-Fanfarenzugs nach Mitternacht Fahrt aufnahm, hielt es niemandem mehr auf den Sitzen. "Rockin` all over the World" war angesagt. Nach dem Finale war Partytime mit "Deschawü" bis zum Abwinken angesagt.

Gernot Schöpf vom Fastnachtsverband Franken überreichte Thomas Eck den "Till von Franken", die höchste Auszeichnung seiner Organisation. Den Verdienstorden erhielt Max-Peter Carl.

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