Coburg
Gastbeitrag

Coburger Mitdenker - was bedeutet "Heimat"?

Younes Ergin fühlt sich sowohl in Coburg als auch in der Türkei zu Hause. Seine Gedanken stimmen nachdenklich.
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Younes Ergin mit Familie in der TürkeiFoto: privat
Younes Ergin mit Familie in der TürkeiFoto: privat
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Von Younes Ergin

(Der 19 -Jährige studiert Politikwissenschaften im ersten Semester in Bamberg; in der 11. Klasse war er als Schülersprecher am Casimirianum an dem Projekt "Schule ohne Rassismus" beteiligt.)

Heimat ist eine merkwürdige Sache. Man hat sie, ohne es zu merken. Erst wenn man weit weg ist, merkt man, wie wichtig sie ist. Sobald man wieder da ist. Aber was ist Heimat überhaupt? Gerade jetzt ist die Frage nach der Bedeutung des Begriffs Heimat, nicht zuletzt aufgrund der Politik, so aktuell, wie schon lange nicht mehr in Deutschland.

Das neu geformte Heimatministerium oder die Verwendung des Begriffs durch den rechten Flügel. Das Wort wird instrumentalisiert, ohne ihm eine konkrete Bedeutung zu verleihen. Auf der Internetseite des Bundesinnenministeriums findet man beim Bereich Heimat und Integration, Themen, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt, bürgerschaftliches Engagement, Demografie, Raumordnung und Raumentwicklung oder Staat und Religion. Aber kann man diese Begriffe tatsächlich alle mit Heimat verbinden?

Gewisse Brisanz

Ich bin der Meinung, dass das Wort Heimat im politischen Sinne als Synonym für Deutschland gebraucht wird, um bestimmte Themen bei der breiten Masse der Bevölkerung ein gewisse Brisanz zu verleihen, da Heimat für jeden eine persönliche Angelegenheit ist.

Der Rechtsbegriff der Heimat bezeichnet die örtliche Herkunft eines Menschen, erworben durch die Geburt oder Ansässigkeit oder auch den aktuellen Wohnsitz. Dies ist allerdings eine eher abstrakte Bezeichnung des Begriffs, mit der zwar jeder etwas verbindet, es aber nicht das Gefühl beziehungsweise die subjektive Heimat eines Einzelnen darstellt.

Ist es überhaupt möglich eine, für 80 Millionen Menschen, allgemein gültige Definition des Wortes Heimat zu finden?

"Heimat kann nicht etwas sein, dass von jemandem oder von einer Gruppe definiert wird und alle müssen sich danach richten". So formuliert Bernd Langner vom Schwäbischen Heimatbund sein Verständnis von Heimat. Jeder Mensch verbindet etwas anderes mit dem Begriff.

Grundsätzlich kann man sagen, es ist etwas Friedliches bei dem man geborgen und sicher, frei und glücklich ist, wo man nicht nur toleriert, sondern voll und ganz akzeptiert wird. Die einen verbinden damit einen Ort oder eine bestimmte Stadt, andere Gerüche oder Geräusche und wieder andere bestimmte Personen. Egal, was oder wen wir mit Heimat verbinden es ist vor allem eins: Subjektiv.

Alle Menschen, egal wie ähnlich sie sich sind, ob sie verwandt oder nicht sind, hat ein anderes Empfinden beim Thema Heimat. Klar ist nur, jeder Mensch hat etwas, das er mit dem Begriff Heimat verbindet.

Für mich persönlich ist die Heimat ein Ort, an dem ich mich zu Hause fühle, zusammen mit den Menschen, die mir wichtig sind. Ein Ort, an den man immer zurückkommen kann, egal in welcher Lage man sich befindet, wie ein großer roter Punkt auf der Landkarte. Sozusagen eine Art Zuflucht.

In meinem Fall sind dies sogar zwei Plätze auf der Welt. Denn, obwohl ich hier in Coburg geboren und aufgewachsen bin, fühle ich mich in der Türkei, bei meiner Familie genauso zu Hause, wie hier, auch wenn es manchmal nicht einfach ist die Sprachbarriere zu überwinden.

Aber kann ein Mensch überhaupt mehr als eine Heimat haben? Mich überkommt jedes Mal, wenn ich in der Türkei ankomme, die Gerüche rieche, die Menschen höre und die Landschaft sehe, das gleiche Gefühl, das ich hier in Deutschland bei Freunden, meiner Freundin und meiner Familie habe. Das Gefühl zu Hause zu sein.

Heimat bedeutet für mich Sicherheit und Geborgenheit. Es ist sowohl ein Ort, als auch Personen in meinem Umfeld, als auch ein Gefühl, dass sich schwer beschreiben lässt. Um die Frage, ob ein Mensch zwei Heimaten haben kann, zu beantworten, kann ich persönlich nur sagen: Ja, kann er.

Leider haben wir heute immer mehr den Fall, dass Menschen nichts mehr haben, dass sie Heimat nennen können oder sich eine neue Heimat suchen müssen. Deswegen ist es wichtig, dass wir den Menschen, die bei uns Hilfe suchen die Türen nicht verschließen, sondern sie willkommen heißen und es ihnen ermöglichen, sich bei uns in Ruhe und Frieden eine neue Heimat, ein neues Zuhause und einen neuen Zufluchtsort aufzubauen. Es ist wichtig, denen zu helfen, die keine Heimat mehr haben und sie nicht auszugrenzen, egal, aus welchen Gründen sie in diese Lage geraten sind.

Younes Ergin ist 19 Jahre alt und studiert Politikwissenschaften im ersten Semester in Bamberg. Er war in der 11. Klasse Schülersprecher am Casimirianum und an dem Projekt "Schule ohne Rassismus" beteiligt.

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