Coburg
Natur

Gewitter entwurzelt zwei 200 Jahre alte Bäume in Franken

Jahrhundertelang prägten sie den Hofgarten, nun liegen sie zerhäckselt auf dem Rasen: Zwei stattliche Bäume des Parks stürzten am Montagabend während des schweren Gewitters um. Dem Grünflächenamt bleibt nur der Griff zur Säge.
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Die Arbeiter des Grünflächenamtes zersägen den umgestürzten Eschenstamm, um ihn später leichter aus dem Hofgarten abtransportieren zu könne. Fotos: Teresa Hirschberg
Die Arbeiter des Grünflächenamtes zersägen den umgestürzten Eschenstamm, um ihn später leichter aus dem Hofgarten abtransportieren zu könne. Fotos: Teresa Hirschberg
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Der "Champion" ist gefallen. Wie ein Elefantenfuß ragt seine dicke Wurzel in die Luft. Betrübt klopft Bernhard Ledermann ein Stück Erde vom Holz ab, während sich zwei Mädchen zum Andenken vorsichtig einen Ast aus der Baumkrone zupfen. Nur zehn Minuten Gewitter reichten am Montagabend aus, um im Hofgarten Chaos anzurichten. Starke Windböen brachen den Stamm einer rund 200 Jahre alten Esche ab, eine gleichaltrige Blutbuche wurde wenige Meter entfernt komplett entwurzelt. Ein Verlust, den das Grünflächenamt erst einmal verarbeiten muss.

"Es war nicht mal ein richtiger Sturm, sondern ein Gewitter, das sich sehr konzentriert abgespielt hat", sagt Ledermann am Tag danach. "Sonst hat es nichts erwischt, nur die beiden Bäume haben was abbekommen." Rechts hinter dem Reiterdenkmal, oberhalb des Spielplatzes, sind Ledermanns Kollegen vom Grünflächenamt seit den Morgenstunden mit den Aufräumarbeiten beschäftigt.

Ein Stamm der Esche knickte schon am Montagabend gegen 18 Uhr um. Den zweiten Stamm des gabelförmig gewachsenen Baumes musste das Grünflächenamt am Dienstagvormittag vorsorglich fällen, weil er alleine nicht mehr standsicher war. Mit ordentlicher Wucht sei das Gewitter durch den Hofgarten gefegt, sagt Ledermann. Verletzt wurde durch die umstürzenden Bäume niemand.

Coburger Bäume und ihre Wehwehchen

Beide Bäume seien gesundheitlich angeschlagen gewesen, erzählt Ledermann. Der Stamm der Esche war teilweise ausgehöhlt, die Blutbuche von einem Brandkrustenpilz befallen, der langsam die Wurzeln des Baumes zerfraß. "Um sie ist es noch mehr schade, weil es nur noch eine begrenzte Anzahl solcher Exemplare im Hofgarten gibt und sie eine wunderschöne Statur hatte", bedauert der Leiter des Coburger Grünflächenamtes. Die Bäume standen wohl bereits auf dem Gelände, bevor der Hofgarten überhaupt erst in einen Landschaftspark umgewandelt wurde.

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Der Baumbestand wird jährlich kontrolliert, bei sichtbaren und bereits bekannten Schäden sogar öfter. Im oberen Bereich des Parks musste vor einiger Zeit eine weitere Blutbuche abgesperrt werden, die ebenfalls unter Pilzbefall leidet. Die umgestürzten Bäume werden nun gehäckselt oder zu Brennholz verarbeitet. "Aber die Verwertung als gutes Holz wird kaum möglich sein", schränkt Ledermann ein. Was an den nun kahlen Rasenstellen neu angepflanzt werden soll, stehe noch nicht fest und müsse mit dem Parkflächenamt besprochen werden.

Hagel, literweise Regen und ein Dorf weiter schon wieder strahlender Sonnenschein: Das Gewitter setzte nicht nur dem Hofgarten stark zu, verschonte andere Gebiete aber komplett. Von umgestürzten Bäumen auf privaten Grundstücken sei dem Grünflächenamt bisher aber nichts bekannt. Während die Arbeiter den Stamm der Esche durchsägen, brennt die Sonne auf ihre orangen Helme herab. Mitarbeiter Stefan Freitag deutet zur Blutbuche hinüber. "Wir fangen noch mit dem Zersägen an, aber fertig werden wir heute sicherlich nicht mehr."

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