Coburg
Technik

Coburger Hacker erklären, wie leicht ein Lauschangriff ist

Das Handy der Kanzlerin war schlecht gesichert. So was knackt nicht nur der amerikanische Geheimdienst spielend. Der Verein Hackzogtum Coburg erklärt das Problem - und warum in ihrem neuen Hackerspace Bildung eine große Rolle spielt.
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Nur ein Spaß auf der Baustelle des Hackerspace: Gedanken lassen sich auch mit Technik noch nicht lesen - Sarah Wunderlich und Dennis Busch testen, was das Multimeter an Mischa Meyers Kopf zeigt.  Foto: nat
Nur ein Spaß auf der Baustelle des Hackerspace: Gedanken lassen sich auch mit Technik noch nicht lesen - Sarah Wunderlich und Dennis Busch testen, was das Multimeter an Mischa Meyers Kopf zeigt. Foto: nat
Schmerz ist der erste Gedanke beim Eintreten in die Welt der Hacker. "Ja!!! ... es tut weh", schnörkelt sich der Schriftzug über die gelbe Wand. "Das bleibt", erklärt Sarah Wunderlich. Die grün-barocken Tapetenreste müssen aber weg, genau wie die Spiegel und was sonst so daran erinnert, dass die Räume in der Coburger Geleitstraße einmal ein Tattoo-Studio waren. Seit knapp einem Monat baut der noch junge Verein "Hackzogtum Coburg" hier einen Hackerspace: "Es soll ein Anlaufpunkt sein. Für Vereinsmitglieder, für jeden, der sich für Technik interessiert, der basteln und was lernen möchte", sagt Mischa Meyer.

Club Mate auf ausrangierten Sofas

Im Moment sieht's aus wie in einem arg renovierungsbedürftigen Jugendtreff. Sarah Wunderlich, Mischa Meyer und Dennis Busch sitzen auf ausgemusterten Sofas, trinken Club Mate aus Flaschen und erklären, dass Hacker nicht unbedingt diejenigen sind, die in Systeme einbrechen und Daten klauen. Aber genau das ist gerade großes Thema. Schließlich wurde das Handy der Kanzlerin abgehört. "Ach", sagt Dennis Busch mit gespieltem Mitleid. "Frau Merkel ist jetzt empört, weil sie behandelt wird wie eine gewöhnliche Deutsche."
Der 33-Jährige hat eine IT-Sicherheitsfirma und bewegt sich wie die anderen Gründungsmitglieder des Vereins im Umfeld von Hochschule Coburg und Chaos Computer Club. "Uns hat man früher paranoid genannt, wenn wir gesagt haben, was technisch alles möglich ist."
Dass die Möglichkeiten bereits zur Spionage genutzt werden, erstaunt aber sogar die Coburger. Der alte Mobilfunkstandard GSM, den Merkel wohl entgegen der offiziellen Sicherheitsrichtlinie nutzte, ist für Hacker ein Witz. Wenn das Handy sich beim Mobilfunkanbieter anmelden will, wird es zu einer Abhörstation umgeleitet. "Die Hardware dafür kostet", Busch überlegt kurz, Meyer ergänzt: "maximal 50 Euro. Da sind aber die Kabel schon dabei!"

Ein oder zwei Hacksreichen für die öffentlichen Kameras

Handy-Abhören ist noch vergleichsweise harmlos. "Man kann alles zusammenschalten", sagt Busch. "Wer Böses will, braucht nur ein, zwei Hacks, um alle Kameras, die beispielsweise in der Coburger Innenstadt installiert sind, das Bewegungsprofil, die Fotos auf Facebook und so weiter zu verbinden."
Hacker nutzen Dinge nicht für den Zweck, für den sie eigentlich gedacht waren. Sarah Wunderlich findet es heikel, wenn Leute glauben, sie hätten nichts zu verbergen. Die 25-Jährige kam wie Meyer aus dem Raum Bamberg nach Coburg, um Informatik zu studieren und wählt ein "krasses Beispiel", um die Risiken zu veranschaulichen: Daten verraten, wann jemand seine Kinder normalerweise vom Kindergarten abholt. "Was ist, wenn jemand sagen würde: Die Mama hat mich geschickt, sie hat mir auch erzählt, dass ihr am Wochenende Pilze suchen wart, ich weiß, wo ihr wohnt und wann ihr Geburtstag habt." Noch ein Beispiel? Schon mal darüber nachgedacht, was ein Trojaner für die Webcam im Laptop bedeuten kann? "Manchmal lässt man das ja auch im Schlafzimmer stehen", sagt Busch. Oder im Kinderzimmer.

Digitale Selbstverteidigung

Die Hacker haben einen Kurs zur "digitalen Selbstverteidigung" ausgearbeitet, der auch auf ihrer Internetseite steht. Vor allem Sarah Wunderlich ist der Bereich Bildung sehr wichtig. Auch dabei geht es den Hackern nicht nur um IT-Sicherheit. "Manche basteln mit Software", sagt Busch. "Das ist nur ein Teil. Hacken ist die kreative Beschäftigung mit technischen Dingen. Die Hackerszene ist älter als das Internet, los ging's mit Amateurfunkern und so was."
Um eine Bastelstation aufzubauen sucht der Verein Spenden - begehrt sind derzeit besonders Lötkolben, aber auch andere technische Ausrüstung. Und als Mischung aus Basteltechnik und IT ist ein neues Schließsystem in Arbeit: Wer in den Hackerspace will, muss sich dann per Smartphone im WLan anmelden, um die Tür zu öffnen.

Der Hackerspace
Donnerstag, 31. Oktober, 19 Uhr, können alle, die sich für den kreativen Umgang mit Technik interessieren, im Hackerspace vorbeischauen (alternativ auch in 14 Tagen). Kenntnisse werden nicht verlangt, nur Lernwille. Weitere Informationen gibt's auf der Seite http://hackzogtum-coburg.de







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