Coburg
Auftritt

Coburger GMD-Suche: Daniel Carter als umsichtiger Konzertdirigent

Wie sich der junge Dirigent und GMD-Kandidat Daniel Carter beim Sinfoniekonzert mit Werken von Britten und Beethoven in Coburg vorstellte.
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Umsichtiger Dirigent: Daniel Carter, Kapellmeister an der Deutschen Oper Berlin, leitete das Sinfoniekonzert am Sonntag im Landestheater Coburg. Carter (30) ist einer von drei GMD-Kandidaten für die Nachfolge von Roland Kluttig am Landestheater.Foto: Jochen Berger
Umsichtiger Dirigent: Daniel Carter, Kapellmeister an der Deutschen Oper Berlin, leitete das Sinfoniekonzert am Sonntag im Landestheater Coburg. Carter (30) ist einer von drei GMD-Kandidaten für die Nachfolge von Roland Kluttig am Landestheater.Foto: Jochen Berger
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Spröder Beginn, idyllisches Finale - so erlebte das Coburger Publikum das Programm beim zweiten Sinfoniekonzert der Saison. Der Abend im gut besuchten Haus am Schlossplatz war eine interessante Herausforderung für den Solisten und das Orchester, nicht zuletzt aber auch für den aus Berlin angereisten jungen Dirigenten Daniel Carter.

Schroffe Kontraste

Der in Australien geborene Kapellmeister der Deutschen Oper Berlin, der zum Bewerber-Trio für die Nachfolge von Roland Kluttig als Generalmusikdirektor am Landestheater zählt, hatte ein anspruchsvolles, schroff kontrastierend angelegtes Programm zu bewältigen.

Heikel gleich der Beginn: Benjamin Brittens Symphonie für Cello und Orchester, 1963 für Mstislaw Rostropowitsch entstanden, ist ein sprödes Werk, das Solisten und Orchester ebenso vor schwierige Aufgaben stellt wie den Dirigenten.

Mit seinem oftmals weit aufgefächerten Orchestersatz kann das 1964 in Moskau uraufgeführte viersätzige Werk schnell in die Gefahr geraten, regelrecht zu zerfasern. Mit seinem umsichtigen Dirigat aber gelang es Daniel Carter, diese gut halbstündige Symphonie mit Solo-Cello mit den notwendigen Spannungsbögen zu versehen.

Klippenreiche Partitur

Mit seinen präzisen Einsätzen wurde Carter für das konzentriert agierende Philharmonische Orchester zum zuverlässigen Lotsen durch die klippenreiche Partitur. Woongwhee Moon, seit 2018 Solocellist des Philharmonischen Orchesters, beeindruckte das Publikum mit seiner technisch wie gestalterisch gleichermaßen souveränen Interpretation. Mit kraftvollem und zugleich wandlungsfähigem Ton bewältigte er Brittens Werk nicht nur ohne erkennbare Anstrengung, sondern fügte sich stets reaktionsschnell ein in den Dialog mit dem Orchester und den weiteren solistisch hervortretenden Stimmen des Orchesters. Für den verdientermaßen heftigen Beifall bedankte sich Woongwhee Moon mit einer Bach-Sarabande als Zugabe.

Klares Konzept

Für Beethovens 6. Symphonie mit dem Beinamen "Pastorale", die im zweiten Teil erklang, hatte sich Daniel Carter ein prägnantes Gestaltungskonzept vorgenommen, das vom Philharmonischen Orchester stets konzentriert und engagiert umgesetzt wurde. Carter setzte auf klare Konturen und schlanken Klang, in dem - dank wiederum klarer Zeichengebung - viele Details der Instrumentation schön zur Geltung kamen.

Ausdauernder Beifall

Mit Bedacht waren die formalen Zusammenhänge herausgearbeitet, sorgfältig wurden die Steigerungsböden angelegt, wobei allerdings die innere Spannung nicht immer der äußeren Dynamik entsprach.

Dynamisch weit aufgefächert ließ er klangmalerischen Elemente der fünfsätzigen Partitur gut zur Geltung kommen - in der "Szene am Bach" im zweiten Satz ebenso wie in dem scharf akzentuierten Gewitter des vierten Satzes. Idyllisch dann der Ausklang mit dem "Hirtengesang" des fünften Satzes. Lautstarker und durchaus ausdauernder Beifall.

So geht die Coburger GMD-Suche weiter

Daniel Carter ist seit der Spielzeit 2019/2020 Kapellmeister an der Deutschen Oper Berlin und dirigiert dort zahlreiche Vorstellungen, u.a. "Die Zauberflöte", "Les contes d"Hoffmann" und "Il Barbiere di Siviglia".

Von der Spielzeit 2015/2016 bis 2018/2019 war der australische Dirigent Erster Kapellmeister am Theater Freiburg, wo er ein breites Repertoire von Opern - darunter mehrere Uraufführungen - und Konzerten dirigierte. Er debütierte in den vergangenen Spielzeiten an der Oper Köln, beim Münchener Kammerorchester, am Theater Trier, am Aalto-Musiktheater Essen und dirigierte wieder das Queensland Symphony Orchestra sowie die Akademie des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks.

Von 2013 bis 2015 war Daniel Carter, der Komposition und Klavier an der University of Melbourne studierte und 2012 mit dem "Brian Stacey Award", einem Preis für australische Nachwuchsdirigenten, ausgezeichnet wurde, an der Hamburgischen Staatsoper engagiert, zuerst als Korrepetitor und dann als Dirigent und Musikalischer Assistent der Generalmusikdirektorin Simone Young. GMD-Suche Drei Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge Roland Kluttigs als Generalmusikdirektor am Landestheater Coburg. Harish Shankar leitet "Carmen" am 28. November, Moritz Gnann dirigiert am 14. Dezember das Concertino (11 Uhr) und am 15. Dezember (18 Uhr) und am 16. Dezember (20 Uhr) das Sinfoniekonzert. Vorverkauf Tickets in der Tageblatt-Geschäftsstelle.

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