Coburg

Coburger gedenken Suizid-Opfer

Ein bewegender Gottesdienst in der Morizkirche erinnert an Suizid-Opfer und will Hoffnung schenken.
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Mario Dieringer ist 46 Jahre alt und steht mitten im Leben. Freunde bezeichnen ihn als lebensfrohen und optimistischen Menschen, mit dem man gut feiern kann. Aber der Schein trügt: Er leidet an Depressionen und versucht, sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben zu nehmen. In letzter Minute kann Mario Dieringer gerettet werden.
In dieser Zeit ist die Liebe seines Lebens immer an seiner Seite und schafft es, mit einer Umarmung die Welt für ihn ein kleines Stückchen besser zu machen. Während Mario Dieringer gegen den "Krebs der Seele" kämpft, erkrankt auch seine große Liebe an Depressionen. Nach einem Streit passiert schließlich das, was Mario Dieringers Leben für immer prägen sollte: Sein Lebenspartner begeht Selbstmord, und diesmal gibt es niemanden, der helfend einschreiten kann.


Mehr über Depression reden

Ehe er es sich versieht, wird Mario Dieringers Leben von erneuten Depressionen, Schuldgefühlen und ungeheurer Wut bestimmt. Bis er damit beginnt, im Internet über seine Gedanken und Gefühle zu bloggen. Er bekommt Zuspruch aus aller Welt und merkt, dass es noch mehr Menschen gibt, die einen geliebten Menschen durch Suizid verloren haben. Mario Dieringer fasst einen Entschluss: Er will, dass mehr über Depression und Suizid geredet wird. Er will Hinterbliebenen Unterstützung in dieser schweren Zeit geben. Und er will, dass Menschen mit suizidalen Gedanken gerettet werden können.
Beim Projekt "Trees of Memory" wird er sich am zweiten Todestag seines Lebenspartners auf den Weg um die Welt machen und Bäume der Erinnerung in den durchkreuzten Ländern pflanzen. Dabei sollen diese Bäume nicht nur an die Verstorbenen erinnern, sondern für die Hinterbliebenen ein Ort der Hoffnung werden.


Trost und Vergebung

Aber bei den Bäumen allein soll es nicht bleiben: In Coburg organisierte der Verein "Trees of Memory" nun eine Andacht in Gedenken an Suizid-Opfer, zu der Hinterbliebene aller Konfessionen eingeladen waren.
Trost und Vergebung waren dabei die zentralen Themen der von Dekan Roland Huth und Pfarrer Michael Dietrich abgehaltenen Andacht. Die zentrale Botschaft ihrer Predigt ist, dass zwar nicht immer sofort alles wieder gut wird, aber das Heil-Werden nur mit einer Auseinandersetzung mit dem Tatsächlichen geschehen kann. Die Hinterbliebenen können Trost bei Jesus Christus finden, denn er nimmt ihnen die schwere Last der Schuld und Selbstvorwürfe von den Schultern und verspreche, dass die Trennung durch den Tod nicht das letzte Wort sei.
Neben dem hochemotionalen Erlebnisbericht von Mario Dieringer gibt es in der Andacht viele ruhige, aber dennoch ergreifende Momente. Mit viel Gefühl bietet Alina Probst "Tears in Heaven" von Eric Clapton dar. In den Fürbitten beten die Vereinsmitglieder dafür, dass die Hinterbliebenen mit Schuldgefühlen die Lücken, die der Suizid des geliebten Menschen hinterlassen hat, mit liebevoller Erinnerung füllen können, dafür, dass Rettungskräfte in ihrer Arbeit gestärkt werden und dafür, dass alle, die mit dem Leben hadern, von Gott neue Hoffnung geschenkt bekommen. Besonders berührend war die Kerzenzeremonie, bei der die Vereinsmitglieder für Opfer und Hinterbliebene an der Osterkerze Kerzen anzündeten.
Schließlich waren auch die Besucher der Andacht dazu eingeladen, es ihnen gleich zu tun. Zuerst etwas zaghaft, gaben sie sich schließlich einen Ruck.
Schlussendlich erstrahlten die Treppenstufen vor dem Altar der Moritzkirche in Kerzenschein, was auch ein Symbol der Hoffnung für all diejenigen sein soll, die in ihrem Leben kein Licht mehr sehen.

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