Coburg
Kaufinteresse

Coburger Firma will Schloss kaufen

Seminarräume und Unterkünfte für Auszubildende und Studierende - all das könnte in Ketschendorf entstehen, geht es nach dem Willen von Thomas Kaeser.
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Zu schön, um ungenutzt zu bleiben und zu verfallen. Das Ketschendorfer Schloss hat nach drei Jahren Wartezeit jetzt einen Retter gefunden.  Fotos: Oliver Schmidt
Zu schön, um ungenutzt zu bleiben und zu verfallen. Das Ketschendorfer Schloss hat nach drei Jahren Wartezeit jetzt einen Retter gefunden. Fotos: Oliver Schmidt
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Was hat es nicht alles für Ideen gegeben! Seit 2010 war das Ketschendorfer Schloss verwaist und dümpelte vor sich hin. Hochschulpräsident Michael Pötzl schlug 2012 vor, aus der vormaligen Jugendherberge vorübergehend ein Studentenwohnheim zu machen. Die Freien Wähler (heute: Pro Coburg) regten an, das Gebäude durch Hauswächter nach der sogenannten Camelot-Methode hüten zu lassen. Die Stadt hatte das Projekt in ihren mittelfristigen Investitionsplan aufgenommen und wollte über sieben Millionen Euro locker machen, um das Schloss zu sanieren.
Und weil das bayerische Jugendherbergswerk Interesse daran hatte, in dem neugotischen Bau auch weiterhin eine Jugendherberge zu betreiben, wollte es sich auch mit drei Millionen Euro beteiligen. Sogar die Oberfrankenstiftung hatte angekündigt, 80 0000 Euro beizusteuern. Der Baubeginn war für 2014 vorgesehen. 2013 sollten die Ausschreibungen beginnen. Doch das Schloss lag weiter wie im Dornröschenschlaf.
Zwischendurch diente es auch mal als Filmkulisse. Aber es war immer wieder Ziel von Vandalismus. Alle machten sie sich Sorgen: die Stadträte, der Bürgerverein Ketschendorf, die Anwohner und diejenigen, denen der Erhalt dieses architektonischen Kleinods am Herzen liegt.

Und jetzt kommt die Firma Kaeser Kompressoren ins Gespräch. Vorstandsvorsitzender Thomas Kaeser bestätigte gestern dem Tageblatt das Interesse des Unternehmens am Kauf des Gebäude-Komplexes. "Im Schloss möchten wir Seminarräume einrichten, die nicht nur für unsere eigenen Zwecke genutzt werden sollen, sondern auch von der Öffentlichkeit oder anderen Unternehmen, die Bedarf an solch einer Einrichtung haben." Im Nachbargebäude, dem neueren Anbau, kann sich Thomas Kaeser vorstellen, zusätzliche Wohnmöglichkeiten für Auszubildende und Studierende zu schaffen. Detaillierte Pläne gebe es aber noch nicht. Er warte noch auf eine Entscheidung der Stadt zu diesem Vorhaben, schloss Thomas Kaeser.

Jugendherbergswerk will bleiben

Trotz allem hat der Vorstand des Jugendherbergswerks Bayern auch weiterhin Interesse an Coburg. "Ich hatte kürzlich ein Treffen mit dem Oberbürgermeister, bei dem wir über einen anderen Standort gesprochen haben", sagt Vorstandsmitglied Michael Gößl. OB Norbert Kastner (SPD) habe ihm schon verschiedene Möglichkeiten aufzeigen können. "Die haben zwar nicht die totale Innenstadtlage, aber sie sind alle gut erreichbar. Und Sportstätten gibt es auch in der Nähe", erläutert Michael Gößl. Derzeit werde geprüft, wo in der Stadt sich eine neue Jugendherberge einrichten ließe. Die für die Sanierung des Ketschendorfer Schlosses vorgesehenen drei Millionen Euro würde das Jugendherbergswerk auch weiterhin investieren wollen. "Mehr geht aber nicht." Das heißt, sollte Coburg auch in Zukunft an einer Jugendherberge interessiert sein, dann wäre eine finanzielle Unterstützung notwendig. Auch der Präsident des Landesverbandes Bayern im Deutschen Jugendherbergswerkes äußert sich eindeutig: "Coburg ist für uns ein interessanter Standort, den wir neu beleben wollen, auch um Familien und jungen Leuten die Stadt und ihre Kulturschätze näherzubringen."

Stadtrat stimmt zu

Der Stadtrat stimmte am Donnerstag in nichtöffentlicher Sitzung dem Verkauf des Ketschendorfer Schlosses an Kaeser zu.


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