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Coburger Ex-OB: Die neue Karriere von Norbert Kastner

Nach einem dreiviertel Jahr als Ruheständler ist Alt-Oberbürgermeister Norbert Kastner in den Anwaltsberuf zurückgekehrt. Der Arbeitsschwerpunkt ist - Handball!
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Seinen ersten Auftritt vor Gericht hätte er beinah schon gehabt: Norbert Kastner sollte als Zeuge in dem Prozess um die Kündigung der ehemaligen Regiomed-Hauptgeschäftsführerin auftreten. Doch er wurde nicht gebraucht - bevor es zur Anhörung der Zeugen kam, einigten sich die Parteien doch noch gütlich. Kastner hatte seinerzeit als Mitglied des Aufsichtsrats gegen die Entlassung gestimmt, weil er der Ansicht war, dass sie vor Gericht scheitern könnte, und aufs GmbH-Gesetz verwiesen.

Damit kennt er sich also aus. Aber eigentlich könnte sich Norbert Kastner bequem zurücklehnen: Ruheständler mit 55 mit Pensionsansprüchen aus 24 Jahren Oberbürgermeistertätigkeit - davon müsste es sich leben lassen. Doch seit 27. November 2014 ist er wieder als Anwalt zugelassen. "Gefragt war ich schon vorher", sagt er. In welchen Angelegenheiten, verrät er natürlich nicht. Anwaltsgeheimnis.

Doch es hat sich in Coburg herumgesprochen, dass Kastner bei der Kanzlei Hörnlein & Feyler eingestiegen ist. "Wolfgang Hörnlein und ich haben zusammen Abitur gemacht, wir haben zusammen studiert. Da war es naheliegend, dort einmal anzufragen", sagt Kastner. Nicht, dass er Vollzeit einsteigen möchte. "Aber dort gibt es Büros und Besprechungsräume, auf die ich zugreifen kann, wenn ich die Infrastruktur brauche."

"Norbert Kastner ist freier Mitarbeiter bei uns", bestätigt Wolfgang Hörnlein. Ja, der Kontakt zum Alt-OB bestehe schon seit Schulzeiten. "Wir waren zusammen bei den Jusos, der Norbert, der Heinrich Strohm und ich." Auch Hörnlein erinnert sich noch an die gemeinsamen Studientage, bei denen Kastner ihm zeitlich immer ein wenig voraus war, weil Hörnlein vorm Studium noch seinen Wehrdienst ableisten musste. Wie Kastner jobbte Hörnlein dann in den Semesterferien als Schadenssachbearbeiter bei der HUK-Coburg.

Nach dem Studium stieg zuerst Kastner in die Anwaltskanzlei von Matthias Loßmann in Coburg ein, dann kam Hörnlein nach. Eigentlich, sagt Hörnlein, gebe es nur einen großen Unterschied: "Norbert war immer Handballer und ich beim Basketball." Hörnlein ist stellvertretender Vorsitzender des BBC.

Kastner wurde 1990 zum Oberbürgermeister gewählt, Hörnlein arbeitete in mehreren Kanzleien, bis er zusammen mit Maren Feyler 1995 seine eigene eröffnete. Die Homepage der Kanzlei weist neun Anwälte aus. Kastners Name ist da noch nicht zu finden, ebensowenig wie auf dem Kanzleischild. Das habe haftungsrechtliche Gründe, sagt Hörnlein: "Wenn wir unkommentiert jemand aufs Firmenschild setzen, haften wir für ihn und er für uns."
Weder Hörnlein noch Kastner gehen davon aus, dass es große Nachfrage nach den Diensten des ehemaligen OB geben wird. "Er muss nicht mehr vor Gericht Kämpfe ausfechten, um sich zu profilieren. Das braucht er nicht und das brauchen wir nicht", betont Hörnlein. Letztlich "ist es eine Geschichte unter alten Schul- und Studienfreunden."

Freilich kann Hörnlein sich auch vorstellen, dass Kastners Expertise in manchen verwaltungsrechtlichen Fällen gefragt sein könnte. Bislang aber ist der Bedarf nach dem Rechtsanwalt Kastner "eher übersichtlich", wie dieser selbst sagt. Technisch zumindest hat sich einiges geändert, seit Kastner zuletzt anwaltlich tätig war. Schriftsatzdiktate werden inzwischen vollautomatisch erfasst - der Computer setzt das Diktierte in Text um, und auf die Akten seiner Vorgänge kann Kastner von zu Hause aus per Internet zugreifen. Zudem kann er in Fachfragen die Kollegen aus der Kanzlei zu Rate ziehen oder Fälle ganz abtreten. "Ich bin von vielem auch weit weg", räumt Norbert Kastner ein.

Betreuung von Handballern

Zurück in die Niederungen von Ladendiebstählen und Verkehrsstrafsachen, in Scheidungskriege und Erbstreitigkeiten? Das hat Kastner offenbar nicht vor, seine Schwerpunkte liegen woanders: "Ich bin Hausanwalt aller Spieler der Sportmanagement-GmbH, bei der ich auf dem Briefkopf stehe." Dass hinter dieser Sportmanagement-GmbH ebenfalls ein alter Freund steckt, nämlich der kurzzeitige HSC-Manager Dirk Wahl , sagt Kastner nicht, wird aber aus seinem Umfeld bestätigt. Wahl betätigt sich als Spielvermittler, vor allem im Handballbereich. "Ich mache da alle juristischen Dinge in Zusammenhang mit Verträgen", erläutert der Alt-OB. Juristisch beraten darf die Spieler nur ein Anwalt. Aber zum Service der Sportmanagement-GmbH für die betreuten Spieler gehört auch die Beratung in Fällen, "wenn Geld nicht gezahlt wird oder einer zu schnell fährt".
War nicht auch mal die Rede davon, dass er sich vorstellen könnte, als Berater für Kommunen tätig zu werden? Da schaut Kastner nur und sagt erst mal nichts. Ja, da habe es durchaus Nachfrage gegeben, räumt er schließlich ein. "Aber das bewegt sich in der Region, deshalb sage ich dazu nichts. Da geht es um kommunales Hintergrundwissen." Konkreter wird er nicht.
Überhaupt, die kommunale Politik. Die verfolge er nach wie vor "mit Interesse", sagt er. "Aber öffentlich oder halböffentlich werde ich sie nicht begleiten."


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