Coburg
Gericht

Coburger Drogendealer vor Gericht

Einfuhr und Handel von Drogen: Welche Rolle spielte der Coburger Angeklagte bei dem Drogenkauf und dem Drogenhandel?
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Justiz-Symbolfoto: Christopher Schulz
Justiz-Symbolfoto: Christopher Schulz
"Ich hab die Schnauze voll von dem Scheiß", sagte der Angeklagte über seinen Drogenkonsum. Dieser war Thema vor dem Landgericht Coburg am Freitag. Wegen Beihilfe von Einfuhr und Handel von Drogen wurde der Mann zu vier Jahren Haft verurteilt.

Dem angeklagten Coburger wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, am 24. September 2017 rund 1200 Gramm Crystal Speed von Tschechien nach Deutschland geschmuggelt zu haben. Das Rauschgift soll für den Verkauf gewesen sein.

Was war geschehen? Zwei Frauen und zwei Männer fuhren in getrennten Autos nach Tschechien. Dort gingen die beiden Frauen in ein Nagelstudio. Die beiden Männer gingen auf einen "Fidschimarkt". Ein Beschuldigter kaufte dort Drogen. Das Crystal wurde anschließend in dem Wagen versteckt, mit dem die beiden Frauen unterwegs waren.

Die Polizei hatte den Drogenschmuggel von Beginn an verfolgt und die Autos an einer Raststätte angehalten sowie die vier Verdächtigen festgenommen.

Die Beweisaufnahme und Zeugenbefragung fanden bereits an einem Verhandlungstag Anfang Mai statt. Zwei Frauen, in deren Auto das Crystal Speed geschmuggelt wurde, wurden bereits verurteilt. Weil der Angeklagte regelmäßig zwischen 0,2 und 0,3 Gramm Crystal - oder ersatzweise Kokain - konsumierte, verlangte der Verteidiger, Joachim Voigt, ein psychiatrisches Gutachten.

Das stellte Doktor Christoph Mattern in der gestrigen Verhandlung vor. "Der Angeklagte leidet unter einer psychischen Abhängigkeit", erläutert Mattern. Dabei sei nicht die Menge des Drogenkonsums, sondern dessen Art entscheidend. "Wenn man den Konsum nicht lassen kann, ist man abhängig", sagt Mattern.

Die Drogensucht beschrieb der Beschuldigte in den Gesprächen mit dem Gutachter. Ihm sei schon am Morgen übel gewesen. Er spürte ein Verlangen nach den Drogen und konnte nur an diese denken. Er habe auch weniger Appetit gehabt. Mattern sagte, dass der Angeklagte selbst das Gefühl habe, "etwas ändern zu müssen."


Bereits drei Entzugsversuche

Der Coburger hatte bisher drei Entzugsversuche, von denen einer lediglich einen Tag dauerte. Die letzte Entgiftung dauerte insgesamt viereinhalb Monate. Kurzzeitig sei der Entzug geglückt. Er habe ein Praktikum und eine Ausbildung begonnen. Bei einer Prüfung habe es Probleme mit der IHK gegeben, weswegen der Angeklagte diese Ausbildung nicht beenden konnte.

Er wurde nach allen Entzugsversuchen rückfällig und dem Drogenkonsum geschuldet auch strafffällig. Deshalb vermutet Gutachter Mattern, dass "mit weiteren Verstößen gerechnet werden muss, wenn keine Therapie erfolgt."

Die Aussichten für eine erfolgreiche Entzugstherapie sieht Mattern positiv. "Er ist therapiefähig und -willig." Außerdem sei der Angeklagte "nicht mehr der Jüngste. Er hat eine gewisse Reife entwickelt", erläuterte Mattern. Der Beschuldigte habe wegen der Drogen schon viel Schlimmes durchgemacht. "Er hat die Schnauze voll vom Konsum", zitierte der Gutachter.

Nach diesem Gutachten begann die Staatsanwältin, Viktoria Blockfeld, mit ihrem Plädoyer. Sie stellte ihren Begründungen voran, dass der Angeklagte für den größten Drogenfund in Oberfranken gesorgt habe.


119-fache Menge

Sie geht davon aus, dass der Angeklagte Täter - und kein Beihelfer - war. Er handelte aus eignem Interesse, war umfangreich an der Planung beteiligt und hatte den Willen zu dieser Tat. Außerdem könne man hier nicht von einem minderschwerem Fall ausgehen. "Der Angeklagte hat kein Geständnis geliefert", sagte die Staatsanwältin. Er habe bereits Vorstrafen und sei während der Tat im letzten Jahr auf Bewährung gewesen. Außerdem habe er das 119-fache einer nichtgeringen Menge nach Deutschland geschmuggelt. Deshalb forderte sie eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und neun Monaten.

Der Anwalt des Beklagten sieht seinen Mandanten als Beihelfer. "Es war klar, dass was gekauft wird, aber nicht wie viel", sagte Anwalt Joachim Voigt. Aber er habe nicht gewusst, welche Menge gekauft wurde. Er war weder beim Kauf noch beim Verstecken der Drogen im Auto anwesend. "Außerdem war sein Bruder die Triebfeder", erläuterte Voigt.

Der Angeklagte selbst schweigt zu der Tat. Er betonte: "Ich will was ändern."

Richter Klaus Halves verurteilte den Angeklagten wegen Beihilfe zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren. Denn es steht fest, dass der Angeklagte von dem Drogenkauf wusste. Er war am Handel beteiligt und habe die Tat maßgeblich unterstützt. Da nicht geklärt werden konnte, ob er von der Menge der Drogen wusste, legte der Richter dieses Strafmaß fest. Außerdem soll der Angeklagte für 18 Monate in eine Entziehungsanstalt untergebracht werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
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