Coburg
Streit

Coburger CSU bläst zum Gegenangriff: Amend soll Ehrenring zurückgeben

Beim Neujahrsempfang wurden die "Verbalentgleisungen" der CSB scharf kritisiert.
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Führungsanspruch für sich und ihre Positionen reklamierten die Coburger CSU  bei ihrem Neujahrsempfang. Von links: Thomas Bittorf, Bezirkstagskandidat Sebastian Straubel, MdB Hans Michelbach, Birgit Weber, Staatssekretär Bernd Sibler, Kreisvorsitzender René Boldt Michael Schulz und Martin Mittag.Christoph Winter
Führungsanspruch für sich und ihre Positionen reklamierten die Coburger CSU bei ihrem Neujahrsempfang. Von links: Thomas Bittorf, Bezirkstagskandidat Sebastian Straubel, MdB Hans Michelbach, Birgit Weber, Staatssekretär Bernd Sibler, Kreisvorsitzender René Boldt Michael Schulz und Martin Mittag.Christoph Winter
Die Coburger CSU hat bei ihrem Neujahrsempfang Bürgermeisterin Birgit Weber gegen Angriffe aus der Stadtratsfraktion der Christlich Sozialen Bürger (CSB) in Schutz genommen und der Baureferentin den Rücken gestärkt. Weber erhielt für ihre kurze und nicht vorgesehene Rede am Ende des offiziellen Teiles langanhaltenden Applaus. Vergangene Woche waren Weber und das von ihr geleitete Baureferat als "verlottert" und sie als "zu gut bezahltes Model" von Mitgliedern der CSB bezeichnet worden. Weber erklärte, sie habe viel Zuspruch erfahren, die von ihr geführte Bauverwaltung arbeite mit Hochdruck "und bringt die Sachen voran".

Hauptredner Bernd Sibler, Staatssekretär aus dem Wissenschafts- und Kunstministerium, bezeichnete diese Debatte in Coburg als "unappetitlich". Deutlicher wurde Kreisvorsitzender René Boldt im Haus "Leise am Markt": "Die Verbalentgleisungen", die die "liebe Birgit und die Mitarbeiter deiner Verwaltung erfahren mussten, machen betroffen. So kann Kommunalpolitik nicht funktionieren." Boldt nannte es sexistisch, "eine Bürgermeisterin als zu gut bezahltes Model abzuqualifizieren", dieser Politikstil schade dem Klima und dem Ansehen der Stadt. "Wer so über seine Stadt und deren Vertreter redet und gleichzeitig den Ehrenring der Stadt trägt, besudelt das Ansehen, welches mit solchen Auszeichnungen verbunden ist. Er sollte diesen Ring, den er sich sicherlich einst verdient hatte, zurückgeben", forderte Boldt und meinte damit Gerhard Amend, der 2010 mit dem Ehrenring der Stadt Coburg ausgezeichnet worden ist .

Ansonsten waren der Neujahrsempfang der Coburger CSU von den Verhandlungen zur Regierungsbildung und den Sondierungsgesprächen für eine neue Große Koalition und der anstehenden Landtagswahl im Herbst geprägt. Mit bekannt ausgeprägtem Selbstbewusstsein freute sich Kreisvorsitzender René Boldt, dass die Gäste "sich Zeit für die derzeit wohl einzig regierungswillige Partei Deutschlands genommen" hätten. Wegen der aktuellen Verhandlungen in Berlin war statt des ursprünglich vorgesehenen bayerischen Bildungsministers Ludwig Spaenle dessen Staatssekretär Bernd Sibler nach Coburg gekommen.

Boldt und Sibler zeigte sich überzeugt, dass die CSU in Bayern mit dem Markus Söder als künftigen Ministerpräsidenten wieder zu alter Stärke zurückfinden werde. Ohnehin sei die Christsoziale Union der Garant für Fortschritt, Wohlstand und nehme die Sorgen der Menschen erst. Das werde nach den Worten des CSU-Kreisvorsitzenden auch mit den Kandidaten für die Landtags- und Bezirkstagswahl - der Seßlacher Bürgermeister Martin Mittag und dessen Lautertaler Amtskollege Sebastian Straubel - deutlich.

Staatssekretär Bernd Sibler warb für die CSU-Positionen in der Bundes- und Landespolitik. Seine Partei trete bei Wahlen an, um danach zu regieren. "Wer bei Wahlen antritt, darf sich vor der Verantwortung nicht wegducken", sagte er in Richtung SPD und besonders FDP. Die freien Demokraten hätten sich bei den Jamaika-Verhandlungen "billig vom Acker gemacht". Kategorisch lehnte Sibler Nachverhandlungen beim Familiennachzug von Flüchtlingen ab und forderte zugleich, konsequent abgelehnte Asylbewerber abzuschieben.

2015 habe mit der Versorgung der vielen tausend täglich ankommenden Flüchtlingen "Menschlichkeit ein Gesicht bekommen", jedoch dürften die Sorgen und Nöte eigenen Menschen nicht vergessen werden. Lob für die Stadtentwicklung in Coburg, die bayerische Landesausstellung und die "Universität Coburg", so versprach Sibler sich zweimal zum vorhersehbaren allgemeinen Amüsement, gab es auch.

Für eine dauerhaft genutzte Ausweichspielstätte während der Sanierung des Landestheaters sprach sich MdB Hans Michelbach aus. Er vermittelte Zuversicht, dass die schon terminierten Gespräche mit der Staatsregierung eine "schnelle und vernünftige Entscheidung" herbeiführten. Weiter sprach er den geplanten Gesundheitscampus auf dem Gelände der ehemaligen BGS-Kaserne an und den ICE-Halt in Coburg seit vergangenem Dezember. Die Zahl der ICE-Halte gelte es zu erhöhen.

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