Coburg
Grenzwerte

Coburger Bratwurst: Suche nach schadstoffarmer Bratmethode

Die Staatsanwaltschaft hat alle Ermittlungsverfahren gegen Bratwurstbrater vorläufig eingestellt. Die tüfteln weiter an einer schadstoffarmen Bratmethode - eine amtliche Empfehlung dafür gibt es noch nicht.
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Die Flacheisen des Grillrosts sidn etwas breiter als früher, die Abstände enger.
Die Flacheisen des Grillrosts sidn etwas breiter als früher, die Abstände enger.
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Die Staatsanwaltschaft lässt die Bratwurstbrater vorläufig in Ruhe: In über 20 Fällen wurde ermittelt, weil Grenzwerte für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) überschritten worden sein sollen. In einigen Fällen war das nicht nachweisbar, in anderen Fällen lag eine Grenzwertüberschreitung vor - aber die war so gering, dass die Staatsanwaltschaft von einer Weiterverfolgung absah, wie Leitender Oberstaatsanwalt Anton Lohneis am Donnerstag mitteilen ließ. In einigen Fällen wurden die Ermittlungen vorläufig eingestellt mit der Auflage, dass die betroffenen Brater nachweisen, dass sie mit ihren Würsten die Grenzwerte einhalten.

Davon betroffen sind auch drei der Brater, die im Verband der Coburger Marktkaufleute organisiert sind, berichtet deren Sprecher Joachim Grosch. "Wir werden alles dran setzen, dass das hinhaut." Mit Proben kennen sich die Brater inzwischen aus. Sie haben etliche eingeschickt, seitdem im Mai bekannt wurde, dass bei drei Proben die Grenzwerte weit überschritten wurden. Als mögliche Ursache wurde das Braten auf Kiefernzapfen, den Kühle, genannt: Die rauchen beim Brennen eher als Holzkohle, und wenn Fett aus den Würsten in die Flammen tropft, dann können diese PAK entstehen, die Krebs auslösen können.

Kühle unter Verdacht

Damals herrschte fast so etwas wie Krisenstimmung. Politiker aller Couleur bissen demonstrativ in die Coburger Bratwurst, und in Facebook wurde gar eine Gemeinschaft "Coburger Bratwurst geht nur mit Kühle" gegründet, die es auf immerhin 2954 "Gefällt-mir"-Angaben brachte.

Die Coburger Marktkaufleute kämpften ebenfalls für die traditionelle Zubereitungsmethode: Am verkaufsoffenen Sonntag am 5. Oktober brieten sie "historisch", in der offenen Holzbude und auf Kiefernzapfen. Eine Probe der dort gegrillten Würste wurde umgehend nach Kulmbach zu einem Labor geschickt. "Das Ergebnis ist hervorragend", sagt Grosch.

Roste hängen höher

Allerdings haben die Brater einige Details geändert. Horst Döhler, der sich am Donnerstag auf dem Coburger Marktplatz mit Renate Wolf eine Bude teilte ("wir helfen uns gegenseitig aus, aber oft stehen wir auch nebeneinander") erläutert die Neuerungen: Die Flacheisen im Rost sind etwas breiter, die Abstände dazwischen geringer, damit zwar das Fett noch abtropfen kann, aber die Flammen kaum mehr direkt die Würste erreichen.

Außerdem liegt der Rost höher als vorher - "drei Zentimeter", so lautet die Empfehlung der Marktkaufleute, sagt Joachim Grosch. Angebraten wird auf Kiefernzapfen, fertiggegrillt auf Buchenholzkohle, und die Brater sollen weder auf Vorrat braten noch zu schnell. "Acht bis zehn Minuten", sagt Joachim Grosch.

Aber diese Empfehlungen sind keine amtlichen. Da warten Kai Holland, Leiter des Ordnungsamts der Stadt Coburg, und Joachim Grosch noch auf Aussagen des Landesamts für Lebensmittelsicherheit. "Wir haben keine genauen Anweisungen, die wir nun amtlich weitergeben können", sagt Holland. Die werden wohl auch so bald nicht kommen, wie Grosch erfahren haben will. Ihm ist wichtig, dass die Kühle nicht verboten werden. Darauf, sagt Grosch, legen auch die Coburger Wert: "Da gibt es viele, die gehen von hinten an die Bude, schauen untern Rost, und wenn keine Kühle drin liegen, kaufen sie auch keine Bratwurst."


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