Coburg
Probenbesuch

Coburger Bachchor probt für den Auftritt in St. Moriz

So bereitet sich der Coburger Bachchor unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein auf die Aufführung der h-Moll-Messe in St. Moriz vor. Das Werk erklingt am Sonntag, 25. November, 16 Uhr.
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Konzentration und Enthusiasmus: Männerstimmen des Coburger Bachchores bei der Probenarbeit zur h-Moll-Messe. Foto: Jochen Berger
Konzentration und Enthusiasmus: Männerstimmen des Coburger Bachchores bei der Probenarbeit zur h-Moll-Messe. Foto: Jochen Berger
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An diesem Probenabend darf der Coburger Bachchor ein wenig Anlauf nehmen. Bevor er das heikle Kyrie singt, mit dem Bach seine h-Moll-Messe eröffnet steht ein ruhig fließender Dankgesang auf dem Plan: "Gratias agimus tibi" (Wir sagen dir Dank um deiner großen Ehre willen). "Der Alt muss präsenter sein", wünscht sich Chorleiter Peter Stenglein und liefert auch gleich noch die Begründung nach: "Dann fängt das Stück zu strahlen an."

Meisterwerk

Das Stück - Bachs h-Moll-Messe - ist ein Meisterwerk der Sakralmusik, das die Geschichte des Coburger Bachchores seit vielen Jahren begleitet. In längeren oder kürzen Abständen stand und steht das Werk auf dem Programm des Chores.
Das zeigt auch ein Blick in die Klavierauszüge langjähriger Chormitglieder, die oftmals mit Anmerkungen geradezu übersät sind - Frucht immer neuer interpretatorischer Auseinandersetzungen mit einem Werk, das die Geschichte der Gattung Messe entscheidend geprägt hat.
Nach dem "Gratius agimus tibi" aus dem "Gloria" der h-Moll-Messe folgt der eigentliche Beginn des Werkes - das Kyrie. "Der Vorhang geht auf mit diesen vier Takten", sagt Stenglein und feilt mit seinem Chor an den entscheidenden Details der Intonation.

Anspruchsvoller Beginn

"Das ist wirklich ein schwieriger Anfang, die Harmonien sind schwierig, alles liegt offen", sagt Stenglein und lässt die einleitenden Takte gleich noch einmal wiederholen.
Die h-Moll-Messe ist eines jener Werke, das immer wieder neu zu entdecken, immer wieder neu zu interpretieren ist. Und immer wieder neu stellen sich auch die Herausforderungen dieser Musik, in der Bachs vielschichtige kompositorische Sprache auf faszinierende Weise gebündelt erscheint.
Alte vokale Formen wie der gregorianisch tönende Credo-Beginn mischen sich auf wunderbar selbstverständliche Weise mit der konzertierenden musikalischen Sprache des Spätbarock. Darin liegt der besondere Reiz dieser Musik.

Ein kleines Metronom im Ohr

Genau das aber lässt die Probenarbeit zur spannenden Herausforderung für Dirigent wie Chor werden. "Dieses gregorianische Credo ist wirklich so dicht verwoben - da braucht man ein kleines Metronom im Ohr", sagt Stenglein.
Immer wieder kommt es in Bachs h-Moll-Messe aber auch auf die Übergänge an wie im Gloria vom strahlenden "Gloria in excelsis Deo" (Ehre sei Gott in der Höhe) zum ruhigen, fast beschwörenden "et in terra pax" (und Friede auf Erden). Diese Übergänge können natürlich nur gelingen, wenn die Choristen sich nicht hinter dem Notentext verstecken, sondern Blickkontakt mit dem Chorleiter suchen.

Damit die Musik atmen kann

"Wissen Sie, warum das stehen geblieben ist? Weil nicht alle her gesehen haben", sagt Stenglein und lässt genau diesen Übergang wiederholen - mit Erfolg. Die Musik beginnt zu atmen, ihre nicht zuletzt in der vielschichtigen Harmonik begründete Ausdrucksmacht zu entfalten.



Das Werk und seine Interpreten


Konzert-Tipp Johann Sebastian Bach: h-Moll-Messe, Sonntag, 25. November, 16. Uhr, St. Moriz Coburg

Mitwirkende Coburger Bachchor; Main-Barockorchester Frankfurt; Marie Smolka (Sopran 1), Nele Gramß (Sopran 2), Désirée Suzanne Arnet (Alt), Roman Payer (Tenor), Felix Rathgeber (Bass)
Gesamtleitung: Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein
Vorverkauf Eintrittskarten gibt es bei der Tourist-Information Coburg, Herrngasse 4, 96450 Coburg, Tel.: 09561-898044, info@tourismus-coburg.de.

h-Moll-Messe Die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach wird gerne als "Hohe Messe in h-Moll" tituliert. Dieses Etikett wurde dem Werk freilich erst in der Romantik angeheftet nach der Wiederentdeckung Bachs. Formal handelt es sich um eine Missa solemnis. Den Kern bildet eine Missa aus Kyrie und Gloria, die Bach im Jahr 1733 komponierte. Erst gegen Ende seines Lebens komplettierte er das Werk durch Credo, Sanctus (mit Osanna und Benedictus) und Agnus Dei.
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