Coburg
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Ruxandra aus Rumänien lebt, weil Coburger Ärztin nicht locker ließ

Das kleine rumänische Mädchen mit Leukämie konnte in Italien erfolgreich behandelt werden - auch, weil eine Coburger Ärztin Spenden gesammelt hat.
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Ruxandra hat eine Chemotherapie in Italien erfolgreich abgeschlossen. Jetzt heißt es abwarten. Fotos: privat
Ruxandra hat eine Chemotherapie in Italien erfolgreich abgeschlossen. Jetzt heißt es abwarten. Fotos: privat
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Es war der Blick in die Augen von Ruxandra Maria Bogdan, der Adina Iercescu nicht mehr losließ. Die Coburger Ärztin hatte am Handy gescrollt und war an dem Bild von dem einjährigen Mädchen mit dem aufgequollenen Gesicht und der Glatze hängen geblieben. Doch seine Augen strahlten. Das war vor knapp zwei Jahren.

Adina Iercescu ließ die Geschichte des kleinen Mädchens aus Rumänien nicht mehr los. Als Oberärztin am Klinikum hatte sie sehr schnell erkannt, dass es sich bei der Diagnose "akute lymphoblastische Leukämie" um einen Notfall handelt. Die Medizinerin, selbst Mutter einer kleinen Tochter, wollte unbedingt helfen - zumal sie als Rumänin die Zustände und Umstände in den dortigen Krankenhäusern kennt.

Kaum Chancen in Rumänien

Sie nahm Kontakt zur Familie auf und ließ sich die Situation erklären: Am 15. Dezember 2016 wurde bei Ruxandra Leukämie diagnostiziert. Seitdem lag sie im Temeswarer Kinder-Krankenhaus "Louis Turcanu" - immer begleitet von ihrer Mutter, die Tag und Nacht an ihrem Bettchen wachte. Zwei Chemozyklen hatte sie bereits hinter sich. Doch die durchaus positiven Ergebnisse der Knochenmarkbiopsie hatten sich immer wieder verschlechtert.

"Die Überlebensrate liegt bei diesem Krankheitsbild in Deutschland bei 90 Prozent", weiß die Ärztin. In Rumänien allerdings seien die Chancen sehr schlecht, da weder Ausstattung noch Hygienestandards ausreichen.

"Eine Stammzellentransplantation schien ihre einzige Chance zu sein", sagt Adina Iercescu heute. Doch es kam alles ganz anders - und vor allem, viel besser als gedacht.

Der Reihe nach

Die Coburger Ärztin hatte sich mit den Spezialkliniken in Jena, Wien und Istanbul in Verbindung gesetzt. Für eine Behandlung in einer dieser Kliniken und die lebensnotwendige Knochenmarktransplantation wären 350.000 Euro notwendig gewesen. Adina Iercescu: "Erst, wenn die auf dem Tisch liegen, wird mit der Behandlung begonnen, wurde mir mitgeteilt. Die Summe war bei allen Kliniken nahezu die gleiche." Damit hatte die Medizinerin nicht gerechnet.

Mittlerweile hatte die Tante der kleinen Ruxandra, die dem Verein "Cetatea Voluntarilor" zur Unterstützung armer und kranker Kinder in Rumänien angehört, 70000 Euro an Spendengeldern speziell für Ruxandra gesammelt. Unterstützung hatte sie dabei vom Jugendamt der Stadt Arad. "Doch die 350.000 Euro waren nicht zu schaffen," gab sich die Coburger Ärztin realistisch. Ein Spendenaufruf im Klinikum Coburg brachte nur wenig Erfolg.

Spendenaktion in Coburg

Deshalb wandte sich die junge Frau ans Coburger Tageblatt und erzählte die Geschichte. Verbunden mit einem Spendenaufruf kamen 500 Euro für Ruxandra zusammen.

Doch Adina Iercescu ging es nicht allein um die finanzielle Unterstützung. Sie recherchierte für die Familie im Internet und suchte nach Lösungen. Viele Kinder aus Rumänien, die von einem solchen Schicksal betroffen sind, fahren nach Italien. Die Klinik San Matteo in Pavia ist ein Referenzzentrum auf internationaler Ebene für die Transplantation von Stammzellen. "Die Kosten belaufen sich dort auf 150.000 Euro und es reicht eine Anzahlung," wusste die Oberärztin.

Der Weg nach Italien

Die Weichen waren gestellt. Jetzt musste sich die Familie durchringen, den Weg nach Italien einzuschlagen. Im Juni 2017 war es soweit. Ruxandra konnte verlegt werden und das Krankenhaus Bambino Gesu in Rom nahm die Eineinhalbjährige auf.

Nach eingehenden Untersuchungen stand fest: Ruxandra braucht keine Stammzellentransplantation, es reichte eine erneute Chemotherapie. Die Kosten von 80.000 Euro konnten dank der Spenden getragen werden.

Nach Frankreich ausgewandert

Bis Januar 2018 musste Ruxandra in der Klinik bleiben. Nach einem kurzen Aufenthalt daheim in Rumänien entschied sich die Familie schließlich im Sommer vergangenen Jahres nach Frankreich auszuwandern, wo der Vater als Zahnarzt arbeitet. "Dort ist die medizinische Versorgung und Weiterbehandlung gesichert", weiß Adina Iercescu.

Erst nach fünf Jahren könne man sicher sagen, dass Ruxandra geheilt sei. "Im Moment geht es ihr soweit gut", schreibt uns die Coburger Ärztin in ihrem Neujahrsgruß. Ruxandra habe eine komplette Remision bis jetzt, also keine Krebszellen mehr. Sie bekomme ambulant noch sechs Monate lang Chemotherapie und gehe regelmäßig zu Kontrollen.

Traurige Realität

Die Geschichte der kleinen Ruxandra darf also auf ein Happy End hoffen. "Doch für viele Kinder mit diesem Krankheitsbild stehen die Chancen auf Heilung in Rumänien sehr schlecht", sagt die Coburger Ärztin traurig.

Seit zwei Jahren begleitet sie nicht nur die Familie Bogdan, sondern hat auch Kontakt zu anderen betroffenen Eltern. "Es ist dramatisch. So krass hätte ich mir die Situation nicht vorgestellt", bilanziert Adina Iercescu. Die Überlebenschacnen in Rumänien gingen gegen Null, meint sie.

Doch es sei nicht allein das Geld, das für eine Behandlung im Ausland oft fehlt. "Der Wille und die Überzeugung zählt", ist die Ärztin überzeugt. Deshalb versucht sie auch durch den persönlichen Kontakt zu den Eltern Ängste und Hürden abzubauen. "Ich möchte aufklären und helfen.

Denn manchmal genügt auch schon eine Anzahlung, um behandelt zu werden." Die Klinik in Italien, die zum Vatikan gehöre, sei eine der besten auf dem Gebiet der Behandlung von Kindern mit Leukämie. Und mit Adina Iercescu hat sie eine große Fürsprecherin gefunden.



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