Cortendorf
Unglück

Coburg steht nach dem Flugzeugabsturz unter Schock

Das zweite Flugzeugunglück binnen 15 Monaten sorgt nicht nur in Coburg für Erschütterung. Wer sich am Sonntag in der Vestestadt auf Spurensuche begibt, findet aber nichts: kein Wrack und keine Antworten.
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Es ist Sonntagmorgen im Bausenberg. Aus der Ferne ist Glockenläuten zu hören. Ansonsten ist es still im Wald. Unheimlich still. Nur das rot-weiße Flatter-Absperrband erinnert daran, dass hier vor nicht einmal 20 Stunden etwas Schreckliches geschehen ist.

"Ich hab' das Flugzeug am Samstag noch gesehen", erzählt ein Spaziergänger, "und ich hab' mich schon gefragt, ob der wohl Kunststücke macht..." Ja, die kleine Maschine habe irgendwie seltsam gewackelt, berichtet der Mann und macht eine Handbewegung, die das verdeutlichen soll. Doch schon im nächsten Moment sei die Maschine nicht mehr zu sehen gewesen. "Und später dann hab' ich auf einmal die ganzen Sirenen und Martinshörner gehört." Ungläubig schaut der Mann jetzt am Absperrband vorbei. Eine Person in orangefarbenem Overall räumt letzte Kleinteile weg. "Schämt Ihr Euch nicht?", ruft er den vermeintlich Schaulustigen zu. Aber zu dieser frühen Stunde handelt es sich nicht um Schaulustige, sondern um Menschen, die nach Antworten suchen.

Lauten Knall gehört

"Ich habe am Samstag plötzlich einen ganz lauten Knall gehört", sagt eine Frau mit Hund an der Leine. "Ich gehe hier regelmäßig Gassi mit Hunden aus dem Tierheim." Seit Samstag quält sie vor allem eine Frage: "Ob die drei Menschen vielleicht noch leben könnten, wenn ich schneller gewusst hätte, woher dieser Knall kam?" Die klare Antwort lautet Nein, treibt der Frau aber trotzdem die Tränen in die Augen: "Das ist so furchtbar!"

Bergungsarbeiten bis in die Nacht

Der Mann in Orange hat derweil einen Sack voller Kleinteile beisammen. Die großen Wrackteile waren noch am Samstagabend aus dem Wald geschafft worden; THW und Feuerwehr hatten dazu das Waldstück hell ausgeleuchtet. So hell, wie es an diesem ganzen tristen Sonntag nicht mehr werden sollte.

Makaber: Wenn das Absperrband nicht wäre, würde man den Unglücksort kaum noch als solchen erkennen. Nur zwei Bäume sind abgeknickt. Sonst sieht hier alles aus wie immer. Aber es ist nichts mehr wie immer. "Wer sind denn die Toten?", fragt plötzlich ein weiterer Mann, der in den Wald gekommen ist und der sehr wohl in die Kategorie "Schaulustiger" passt. "Der eine soll Versicherungsunternehmer sein, stimmt's?" Die Frau mit Hund läuft wortlos weiter.

Vorerst wortlos beziehungsweise ohne neue Erkenntnisse bleibt am Sonntag auch die Polizei. Die Ermittlungen dauern an, der Sachstand ist somit der gleiche wie am Samstag - sprich: Unfallursache noch ungeklärt.
Inzwischen ist es dunkel geworden. Jetzt muss hier auch nichts mehr ausgeleuchtet werden. Es ist Sonntagabend im Bausenberg.


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