Coburg
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Coburg sendet ein lautes "Nein!" nach Berlin

Die Städte und Gemeinden der Region lehnen weitere Stromtrassen durchs Coburger Land ab: "Wir sind schon überbündelt!"
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Rund 2000 Menschen waren zu der Demonstration an der HUK-Coburg-Arena gekommen, schätzten die Veranstalter.
Rund 2000 Menschen waren zu der Demonstration an der HUK-Coburg-Arena gekommen, schätzten die Veranstalter.
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Immer wieder tönt es "Nein!" aus rund 2000 Mündern, es richtet sich ans Bundeswirtschaftsministerium und den Bundestag, sagt Landrat Michael Busch (SPD). Die Bürger wollen keine weitere Stromtrasse in der Region, sie haben schlicht genug.

"Dass wir die Thüringer Strombrücke bekommen haben, kann doch nicht bedeuten, dass wir bei der nächsten Planung wieder mit dabei sind!", rief der Landrat in die Menge, die sich am frühen Sonntagabend an der HUK-Coburg-Arena versammelt hatte. In drei Demonstrationszügen waren sie von Coburg, Dörfles-Esbach und Lautertal zu der Halle marschiert. Daneben waren zahlreiche Demonstranten direkt zur Arena gekommen, vermutlich, weil sie sich den Rückweg zu den Ausgangspunkten sparen wollten.

Aufgerufen zu der Demo hatte eine ganz große Koalition aus sämtlichen Landkreis-Bürgermeistern, zusammen mit Landrat und Stadt Coburg. Parteifahnen sollten eigentlich wegbleiben, trotzdem waren die Embleme zumindest der großen Parteien zu sehen. Vereint im Widerstand, der sich in Buschs Fall gegen eine Parteigenossin richtet, Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries. "Ich habe sie und auch schon ihren Vorgänger zu uns eingeladen", sagte Busch: "Frau Zypries, sagen Sie es uns ins Gesicht, dass diese Bündelung noch erträglich ist." Denn das ist das Argument, warum auch die Trasse P44 durchs Coburger Land führen soll: Es wird ja schon von ICE, Autobahn und der Thüringer Stromtrasse durchschnitten.

Busch rief, wie Coburgs Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD), die Bürger auf, das anstehende Konsultationsverfahren zu nutzen, um Einwendungen zu machen. Außerdem warb er für die Postkartenaktion, die alle Kommunen und der Landkreis gestartet haben. "5000 sollten es schon werden!"

Thomas Nowak versicherte, dass die Stadt vereint mit dem Landkreis gegen jedwede Trassenführung sei - "egal, ob es sich um die Westvariante handelt, von der auch das Stadtgebiet betroffen wäre, oder die Ostvariante." Denn, darauf wies Landrat Busch hin: Es gibt nur einige Gemeinden im Itzgrund, die von gar keiner Variante der Stromtrassen betroffen sind.Deren Bürgermeister demonstrierten trotzdem mit.

Bezirksheimatpfleger Günter Dippold geißelte die Planungen mit fast alttestamentarischer Sprachwucht. Die Masten seien "seelenlose Konstruktionen, die das Land verunstalten". Das Nein zur Trasse gehe einher mit der Forderung nach besseren Methoden, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sagte Dippold. "Es gibt immer Alternativen, wenn man sie nur sucht." Dass Erdverkabelung keine Alternative wäre, machte Martin Florschütz vom Bayerischen Bauernverband deutlich: Der Landverbrauch wäre noch größer, die Schneisen im Wald genauso sichtbar, und das Bodenklima würde verändert.
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