Coburg
Erlebnis

Coburg: Schnell mal ein Orchester bilden

Auch der zweite Symphonic Mob des Landestheaters mündete in ein berührendes und klanglich beeindruckendes Konzert mit über 200 Laien- und Profimusikern.
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Über 200 Mitwirkende und viele Zuhörer: Der zweite Symphonic Mob des Landestheaters unter  Leitung von Roland Kluttig. Carolin Herrmann
Über 200 Mitwirkende und viele Zuhörer: Der zweite Symphonic Mob des Landestheaters unter Leitung von Roland Kluttig. Carolin Herrmann
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Warum laufen einem da Schauer über den Rücken? Am schönsten Nachmittag mitten auf dem Coburger Schlossplatz. Schon bei der Probe. Die ist vielversprechend für das bevorstehende Platzkonzert mit Profi- und Laienmusikern, doch wir sind doch rundum mit klanglicher Perfektion verwöhnt. - Ergriffenheit packt die Hunderte von Zuhörern auf den komplett besetzten Arkaden und auf dem Schlossplatz selbst, weil hier Grenzen überschritten werden ins gewagte, freie Miteinander. Weil Musik Machen und Hören eine besondere Form von Leben ist, besonders intensiv und eigen im Moment des Entstehens und Geschehens.

Dieses beeindruckende Erlebnis für alle Beteiligten bescherte das Landestheater Coburg am Samstagnachmittag ein zweites Mal, nach dem gelungenen Auftakt im letzten Jahr. Über 200 Musikerinnen und Musiker waren dem Aufruf von Generalmusikdirektor Roland Kluttig gefolgt, einen Symphonic Mob zu bilden. Die Noten hatte es vorab im Internet gegeben. Flash Mobs, also per mobile Medien blitzartig zusammengerufene Menschenaufläufe - so etwas ist doch kaum mehr der Rede wert. Doch solch eine Zusammenkunft, um klassische Musik zu machen...

Viele sangen mit

Die Idee fand in den letzten drei Jahren in den Großstädten Resonanz. Und dann auch im kleinen Coburg, das aber schließlich "gefühlte Großstadt" ist, wie Oberbürgermeister Norbert Tessmer bei seiner Begrüßung konstatierte. Junge und Alte vereinten sich am Samstag mit Musikern des Philharmonischen Orchesters; Kluttig begrüßte sogar den 90-jährigen Heribert Rosenthal, früher Solotrompeter an der Staatsoper Stuttgart. Und um es gleich zu sagen, das halbstündige Konzert wurde zu einem auch die Zuhörer sogar gesanglich mitreißenden Erlebnis. Die gerade mal eine Stunde vorher zusammengekommenen Mitstreiter im "Coburg Schlossplatz Orchestra", wie es Dirigent Roland Kluttig bewusst zukunftsweisend am Schluss nannte, formten sich tatsächlich zu einem beherzt aufspielenden Klangkörper mit beachtlich sattem Streicherklang und kraftvollen Bläsern.

Der wackere Chor aus etwa 30 Stimmen - nächstes Jahr bittschön ein bisschen mehr, bat Kluttig - rührte beim Gefangenenchor aus Verdis "Nabucco" zusammen mit dem Verve des Orchesters sogar ein bisschen an der Tränendrüse.

Dazu noch der Zigeunerchor aus Verdis "Troubadour", der Torero-Marsch aus "Carmen", Edward Elgars "Nimrod" und als Höhepunkt der bekannte Marsch aus Elgars "Pomp and Circumstances" - hätte das Theaterfest zum Auftakt der neuen Saison machtvoller eröffnet werden können? Jedenfalls reichte die Schlange der Einlass ins Große Haus begehrenden Menge dann bis zum Rondell. Das vielseitige Programm führte bis zur großen Opern-Gala am Abend.

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