Coburg
Ausstellung

Coburg: Raumsplitter in vielen Dimensionen

Eine Newcomerin, aber eine geradezu spektakuläre, begleitet die große Sommerausstellung des Coburger Kunstvereines.
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Geometrie, Farbe, Licht in  Acrylgals-Konstruktion. Carolin Herrmann
Geometrie, Farbe, Licht in Acrylgals-Konstruktion. Carolin Herrmann
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Die im selben Atelierhof wie Sven Drühl in Berlin arbeitende Tanja Rochelmeyer spielt in ihren Acrylbildern und erst recht in ihren Acrylglasskulpturen mit den Dimensionen. Tanja Rochelmeyer, 1975 geboren in Essen, erhält in Coburg ihre erste institutionelle Ausstellung.
Monochrome Flächen in kraftvollen Farben stehen, liegen, spielen kontrastreich gegeneinander. Lang gezogene Dreiecke durchstoßen die Ebenen, dynamische Spitzen. Die geometrischen Figuren wirken massiv und leicht zugleich.
Dass irgendwann reale Architektur, Perspektiven unseres Auges, der Ausgangspunkt der malerischen, zeichnerischen, konstruktiven Expeditionen war, kann man noch erahnen. Doch Tanja Rochelmeyer ist längst in den vieldimensionalen Raum gezogen. Man sucht nach festen Bezugspunkten, Haltepunkten, geht aber - nicht in die Irre, aber ins Unfassliche, in die Freiheit der zusätzlichen Dimensionen. Das ist eine die eigene, menschlich-gewohnte Verortung durchaus in Zweifel ziehende Erfahrung.
Es hat sie selbst getrieben: Tanja Rochelmeyer wollte irgendwann dann wissen, wie die wohl von ihr geschaffenen, im Zweidimensionalen gebannten Konstruktionen "von hinten" aussehen. Und "baute" dann ihre Flächenwelten tatsächlich in unseren Raum, aus leuchtend-farbigen, durchsichtigen Acrylglasplatten.


Viel Bewegung

Aus ihnen schneidet sie wohlüberlegt vielfältige Flächen aus und biegt und knickt sie unter Hitze. Aus den Flächen werden Körper, die ineinander konstruiert werden. Jeder Zentimeter, den der Betrachter sich um diese verrückt-dynamischen Räumlichkeiten bewegt, bringt veränderte Ansichten, Durchblicke, Reflexionen, Lichterfahrungen. Aus der nüchternen Konstruktion entsteht Geheimnisvolles.
Diesen Prozess dann versuchte Tanja Rochelmeyer wiederum ins Wandbild zurückzuführen. Und das nun ergibt zweidimensionales Bild und Raum zugleich. Sie nennt es Relief: sechs schichten Glas übereinander, ausgelaserte Schnitte, zum Teil bemalt; dazu spiegelt sich der Betrachter selbst in den sich ebenfalls mit jeder Bewegung verändernden Ansichten.
Die Astrophysik berichtet uns in letzter Zeit Unvorstellbares von der Vieldimensionalität des Kosmos, sich krümmendem Raum, (Nicht-)Parallelitäten. Tanya Rochelmeyer bringt eine Ahnung davon.

Kunstverein Coburg Tanja Rochelmeyer: Acryl auf Leinwand, Acryl auf Acrylglas. Eröffnung am Samstag, 16. Juni, um 16 Uhr, bis 19.
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