Coburg
Ausstellung

Coburg: Per Schmuckstein in die Antike blicken

Als die Menschen die Antike wiederentdeckten, begannen sie Gemmen und dann deren Abformungen zu sammeln.
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"Herkules im Setzkasten" ist  die neue Studioausstellung auf der Veste Coburg überschrieben.  Sie zeigt Gipsabdrucksammlungen des 18. Jahrhunderts sowie  begleitende Publikationen. Kunstsammlungen der Veste Coburg
"Herkules im Setzkasten" ist die neue Studioausstellung auf der Veste Coburg überschrieben. Sie zeigt Gipsabdrucksammlungen des 18. Jahrhunderts sowie begleitende Publikationen. Kunstsammlungen der Veste Coburg
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Da muss man schon sehr genau hingucken. Im 18. Jahrhundert, als man sich der Antike begann zu erinnern, taten das viele kulturinteressierte Menschen: Gemmen, diese winzigen, kunstvoll gestalteten, aber vor allem im Gegensatz zu Statuen, Bauten und sonstigen Kulturüberresten der Antike noch in großer Zahl vorhandenen Steinchen öffneten den Blick in die Vergangenheit. Und wurden zur großen Sammelleidenschaft der humanistischen Bewegung.

Gemmen waren in der Antike Siegelsteine, Schmuckobjekte, Glücksbringer, also im Alltag allgegenwärtig. Und sie spiegelten entsprechend dem hohen künstlerischen Darstellungsniveau der klassischen Antike die damalige Gesellschaft. Mit der Antikenrezeption ab dem 16. Jahrhundert wurden sie immer begehrter. Also suchte man nach Wegen der Reproduktion. Sie maßstabsgetreu in speziellen Gipsmischungen abzuformen, eröffnete Sammlern und Forschern die Möglichkeit, sich über ihre Betrachtung und Erforschung intensiv mit der Kultur der Antike auseinanderzusetzen.

In den reichen Depots der Kunstsammlungen auf der Veste Coburg befanden sich solche bedeutsamen Gipsabdrucksammlungen antiker Gemmen, nicht einmal inventarisiert. Es war die erste größere Aufgabe des nun für Malerei und Skulptur zuständigen neue Kurators auf der Veste, Niels Fleck, diesen Schatz zu heben und in einer Studioausstellung der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Schubladenbücher

"Herkules im Setzkasten" mutet etwas skurril an. In als überdimensionale Bücher gestalteten Schubladenkästen liegen Tausende der kleinen Nachbildungen. Die Schau dokumentiert die Entwicklung dieses mit dem Aufkommen der Fotografie in Vergessenheit geratenen Reproduktionsmediums. Sie stellt die Sammler vor, die mit ihrem systematischen Wirken den Weg wiesen für die erfolgreiche Entwicklung dieses Mediums, Abraham Gorlaeus (ca. 1549 - 1608), Philipp Daniel Lippert (1702 - 1785) bis zu Nathaniel Marchant (1739 - 1816), der zur eigenen Gestaltung der kleinen Abformungen überging.

Parallel zu den umfangreichen Abdrucksammlungen, den so genannten Daktyliotheken, wurden aufwendig illustrierte Kommentare und Kataloge veröffentlicht. Die Landesbibliothek Coburg hat für die Ausstellung auf der Veste von ihr bewahrte Exemplare zur Verfügung gestellt.

Kunstsammlungen der Veste Coburg: Herkules im Setzkasten. Gipsabdrucksammlungen des 18. Jahrhunderts. Bis 22. März 2020, Dienstag bis Sonntag, 13 bis 16 Uhr. Im Studio. Es werden spezielle Kuratoren-Führungen angeboten.

Zur Person: Niels Fleck gehört seit April zum Kuratoren-Team in den Kunstsammlungen der Veste Coburg. Der 41-Jährige ist nun für die vom früheren Direktor Klaus Weschenfelder betreuten Bereiche Malerei und Skulptur zuständig. Fleck stammt aus Köln, studierte in Hamburg und Berlin und war unter anderem für die Thüringer Schlösserverwaltung tätig. Carolin Herrmann/Kunstsammlungen

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