Coburg
Trauerfeier

Coburg nimmt Abschied von Otto Waldrich

Der Ehrenbürger, Unternehmer und großzügigen Mäzen war am 15. Juli im Alter von 93 Jahren verstorben.
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Otto Waldrich, wie ihn seine Familie und Freunde kannten: Herzlich, zugewandt, humorvoll. Zu sehen während der Trauerfeier in der Morizkirche. Foto: Barbara Herbst
Otto Waldrich, wie ihn seine Familie und Freunde kannten: Herzlich, zugewandt, humorvoll. Zu sehen während der Trauerfeier in der Morizkirche. Foto: Barbara Herbst
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"Ich höre auf zu leben, aber ich habe gelebt." Dieses Zitat von Johann Wolfgang von Goethe hatte Otto Waldrich noch persönlich für seine Todesanzeige ausgesucht. Am Morgen des 15. Juli war der Unternehmer und Mäzen im Alter von 93 Jahren gestorben.

Wie er gelebt hatte, schilderte Pfarrerin Kerstin Willmer (Johanneskirche) am Dienstag bei der Trauerfeier in der Morizkirche: Geboren am 11. September 1923, wurde Waldrich nach dem Notabitur 1940 zum Kriegsdienst eingezogen. 1944 verwundet, kam er 1945 wieder nach Coburg und lernte in der Maschinenfabrik seines Vaters Adolf. 1950 starb der Vater plötzlich, und Otto Waldrich übernahm die Geschäfte, zusammen mit seinem Schwager Bernhard Kapp.

Die Maschinenbaufirma nahm großen Aufschwung - und Waldrich vergaß die nicht, die daran Anteil hatten: So gab es bei den betrieblichen Weihnachtsfeier Pakete mit Geschenken für die Kinder der Mitarbeiter, auf die Initiative des Unternehmers geht die Waldrich-Siedlung zurück.

Aber nicht nur die: Waldrich gab mit seiner Schwester Anneliese Böhm-Hennes den Anstoß und die Anschubfinanzierung für die Sanierung des Coburger Naturkundemuseums; er förderte die Glaskunst, indem er den Coburger Glaspreis ins Leben rief (und für den Wettbewerb 1977 die Bewerbungsunterlagen persönlich in die DDR zu den dortigen Künstlern brachte). Als - auch dank des Glaspreises - die Sammlung für modernes Glas gewachsen war, initiierte und finanzierte Waldrich den Neubau des Europäischen Museums für Modernes Glas im Schlosspark Rosenau.

Kerstin Willmer beschrieb den Verstorbenen als strengen Vater, der viel verlangte, als Unternehmer, der forderte und förderte, als umtriebigen Menschen, der gerne reiste, die Kunst liebte (Keramik und Glas) und der zu genießen wusste. Noch im März war Otto Waldrich auf Mallorca gewesen, für September war eigentlich eine Reise nach Mailand geplant.

Nach seinem Tod ließ die Familie den Sarg mit seinem Leichnam durch Coburg fahren - an all die Stätten, die Waldrichs Leben geprägt hatten und die er geprägt hat: Das Haus in Löbelstein, die Firma am Hahnweg, das Europäische Museum für modernes Glas, das Studentenwohnhaus, das Waldrich in der Leopoldstraße hatte errichten lassen und dessen Einweihung er nun nicht mehr erlebt.

Ekrem Sirman würdigte als Freund der Familie den Unternehmer und Menschen Otto Waldrich, dessen Unternehmensphilosophie auch nach seinem Ausscheiden als Geschäftsführer noch allgegenwärtig gewesen sei.
"Wir verlieren eine herausragende Persönlichkeit der wirtschaftlichen Aufbaujahre unserer Region", sagte auch IHK-Präsident Friedrich Herdan. 1958 war Waldrich erstmals in die IHK-Vollversammlung gewählt worden. 1990 wurde er zum Ehrenmitglied ernannt und nahm noch viele Sitzungstermine wahr, gab Ratschläge und hatte Ideen, "die bis heute nachwirken", sagte Herdan. Waldrich sei ein Unternehmer gewesen, "dessen Lebensleistung Vorbildcharakter hat".

"Die Stadt Coburg ist um eine bedeutende Persönlichkeit ärmer", stellte Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) fest. 1960 bis 1990 hatte Otto Waldrich für die CSU dem Coburger Stadtrat angehört. Auf vielfältigem Wege habe Waldrich der Stadt zu Ansehen verholfen, weshalb er 2015 zum Ehrenbürger ernannt wurde. Waldrich habe trotz aller Strenge und Disziplin "ein großes Herz für Coburg" gehabt, sagte Tessmer. Auch für den (politischen) Gegner: Bei einer Kundgebung der IG Metall am Waldrich-Werkstor habe der Gewerkschafter und SPD-Stadtrat Heinz Kräker schon eine heisere Stimme gehabt - und Waldrich sei herausgekommen und habe ihm Hustenpastillen angeboten.

Musikalisch ausgestaltet wurde die Trauerfeier von Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein an der Orgel (Fantasie in g-moll und c-moll von Johann Sebastian Bach) und Sängerin Veronika Patterer. Sie sang Hugo Wolfs "Gebet" ("Herr, schicke was du willst"), das Ave Verum von Wolfgang Amadeus Mozart und Pie Jesu aus Gabriel Faurés Requiem.

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