Coburg
Nahverkehr

Coburg: Kostenlose Busfahrten und zu wenig Busfahrer

In Deutschland gibt es immer weniger Busfahrer. Ein Problem, dass auch Coburg betrifft. Wie geht die SÜC mit dem Problem um?
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Um Kinderwagen, eingeschränkte Personen und Rollstuhlfahrer kümmern sich die Busfahrer auch. Foto: Niklas Schmitt
Um Kinderwagen, eingeschränkte Personen und Rollstuhlfahrer kümmern sich die Busfahrer auch. Foto: Niklas Schmitt

Haben Sie schon einmal ein Auto gesehen, das in Schrittgeschwindigkeit an einem Bus vorbeigefahren ist, der das Warnblinklicht anhatte? Fahrschulen zählen nicht.

Man muss diese Beobachtung nicht überbewerten, und doch zeigt sie etwas vom Stand des Busfahrers im Verkehr. In diesem Fall kann es dem Autofahrer nicht schnell genug gehen - und dann steht auch noch der Bus im Weg.

Fahrgäste und Erwartungen

Von einer sich im Laufe der Jahre entwickelten Erwartungshaltung der Fahrgäste erzählen Busfahrer ebenso wie Fahrdienstleiter Sebastian Heß und Raimund Angermüller, Hauptabteilungsleiter der SÜC Verkehrsbetriebe, der meint: "Es ist nicht mehr so, wie es früher war."

Die Busse sind immer im Weg, unpünktlich und die Fahrer ständig unfreundlich. So weit zu den Klischees. Heß hingegen, der seit 2010 Busfahrer ist und erst vor etwa anderthalb Jahren den Fahrersitz verlassen hat, sagt: "Das Schöne ist, dass man mit Fahrgästen zu tun hat."

Er erzählt von der Verantwortung, die man als Fahrer für seine Gäste hat. Diese müsse man sicher von A nach B bringen, was ständige Konzentration fordere. Er spricht aber auch von dem Spaß, den das macht. Der Beruf ist sicherlich nicht jedermanns Sache, was sich in dem allgemeinen Fahrermangel in Deutschland, nicht nur Bus-, auch Fernfahrer, und im speziellen am Busfahrermangel in Coburg zeigt.

Fahrermangel ohne Wehrdienst

"Es ist sicherlich ein Beruf, der von Berufung kommt", sagt Angermüller. Er führt den Mangel an Fahrern unter anderem auf den Austritt der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Berufsleben zurück. Hinzu kommen unvermeidliche Engpässe in der Haupturlaubszeit und wegen krankheitsbedingter Ausfälle. Das muss alles geschultert werden.

Außerdem hätten heute viele nicht mehr den notwendigen Führerschein Klasse D noch aus Bundeswehrzeiten in der Tasche, was den Einstieg schon mal erschweren kann. Haben früher noch viele den geeigneten Führerschein während des Wehrdienstes gemacht, sind diese seit dessen Abschaffung weggefallen. Und so ein Führerschein kostet gerne zwischen 7000 und 8000 Euro.

Um dem Mangel an vorhandenen Fahrern zu begegnen heißt es bei der SÜC nun: "Wir bilden auch aus." Die Führerscheinkosten zur Weiterqualifikation von Klasse C - manches Mal auch von B - zur vorausgesetzten Führerscheinklasse D werden übernommen. "Das Ausbildungsangebot wird verstärkt in Anspruch genommen", meint Angermüller.

Die Attraktivität der Arbeitsstelle soll noch gesteigert werden durch Zuzahlungen, die über die geregelten Tariflöhne hinausgehen. Ein 13. Monatsgehalt oder andere Zuschüsse sind bei der SÜC vorgesehen, damit Berufung und Belohnung zusammenkommen.

Wie ist die Situation in Coburg?

Außerdem wird offensiv an Bussen, Stromkästen und sogar mit einem kurzen Werbeclip im Kino geworben. Die Situation scheint dringend. Angermüller wiegelt aber ab und betont dagegen die Einsatzbereitschaft der Fahrer.Mancher Fahrer mache auch mal während seines Urlaubs eine Tour. 108 000 Stunden im Monat müssen von derzeit etwa 77 Mitarbeitern und 39 Bussen abgedeckt werden. Zwischen 4.30 und 21.30 Uhr fahren die Fahrer in zwei Schichten. An gewöhnlichen Samstagen transportieren die Busse etwa 6000 Bürger, an den Adventssamstagen weit über 7000.

"Die letzten Jahre haben gezeigt, die Weihnachtszeit mache sich schon bemerkbar", sagt Angermüller. Da ist jeder gefordert. In Zeiten des Weihnachtsstresses vielleicht sogar noch mehr als im Alltag. Das Profil eines Busfahrers fasst Angermüller knapp zusammen: er müsse Fahrer, Bordpsychologe und Servicekraft in einem sein. Zentrale Frage ist dabei immer, wie der Busfahrer vom Fahrgast wahrgenommen wird, so der Leiter der Verkehrsbetriebe. Wie es in den Wald hinein schallt, so schallt es auch wieder heraus, bringt er das ideale Verhältnis von Dienstleister und Empfänger auf den Punkt.

Zu Konflikten komme es ausgesprochen selten, sagt Angermüller, der Coburg in dieser Hinsicht als "Insel der Glückseligen" bezeichnet. Das ist ja schon mal was, frei nach dem fränkischen Motto: nicht kritisiert ist gelobt genug.

Dennoch erzählt Heß aus seiner langjährigen Erfahrung als Busfahrer auch von schönen Momenten. Wertschätzung erfahre er vor allem durch Kleinigkeiten. Etwa eine freundliche Begrüßung oder wenn er - das passiert ihm noch heute - auf der Straße angesprochen wird. Es entwickelten sich auch Bekanntschaften. "Coburg ist eine kleine Stadt", sagt Heß, "man kennt sich irgendwo." Da war es eine Freude, wenn jemand gerne mit ihm gefahren ist.

Diese Wertschätzung und der Umgang mit den Fahrern habe etwas mit Respekt zu tun, sagt Angermüller. Ein freundliches "Guten Morgen" tue dem Fahrer gut. Oder etwas Rücksicht, wenn der Bus anfährt oder einem in einer engeren Stelle entgegen kommt. Dieses gegenseitig respektvolle Verhältnis würde das Leben der meisten wahrscheinlich wesentlich angenehmer machen.

Info: Mit dem Stadtbus stressfrei zum Einkaufsbummel

Service In diesem Jahr bietet die SÜC ihren Gästen ein besonderes Angebot nach dem Vorbild einiger anderer Städte wie etwa Fürth: An den Adventssamstagen sind die Fahrten mit den Bussen kostenfrei. Diese Last wird den Coburgern bei ihrer Jagd auf Geschenke oder nach dem Genuss von Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt also schon mal genommen.

Erfolg Raimund Angermüller bezeichnet die Aktion bereits nach den ersten beiden Samstagen im Dezember als Erfolg. Schon in den letzten Jahren habe man ein erhöhtes Fahrgastaufkommen im Advent feststellen können. Fahren an gewöhnlichen Samstagen etwa 6000 Gäste mit den Bussen, waren es am ersten Adventssamstag 7900 und am zweiten 7300.

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