Coburg
Premiere

Coburg: Elfen nicht im Walde

Ballettchef Mark McClain hat als drittes Stück der Coburger Sommerfestspiele einen "Sommernachtstraum" unter freiem Himmel inszeniert. Erst aber doch nicht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ballett im Coburger Hofgarten: Mark McClains "Ein Sommernachtstraum". Henning Rosenbusch
Ballett im Coburger Hofgarten: Mark McClains "Ein Sommernachtstraum". Henning Rosenbusch
+19 Bilder

Schwelgen im tatsächlich lauen Juni-Abend, Vogelgezwitscher und ausführlich klassisches Ballett, das von Mark McClain, wie wir es kennen. Diesmal halt im lichten Hofgarten, open air bei den ersten Coburger Sommerfestspielen des Landestheaters. Sein "Sommernachtstraum" nach Shakespeare und mit der Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy vom Band, bei der Premiere am Samstag vor begeisterter Zuschauerschar.

Ein bisschen skurril ist es schon, dass McClain, endlich einmal unter freiem Himmel und bevor er in den Zauberwald von Oberon und Titania vor der herrlichen Baumwand um den Herzog Alfred-Brunnen führt, ein halbstündiges Spiel im Ballettsaal aufführen lässt.

Titania (Natalie Franke) ist hier eine zickige - nein kapriziöse - Ballettdirektorin im Kampf mit ihrem Choreografen/Oberon (Sylvain Guillot), der seinen Ballettmeister, später Puck (Takashi Yamamoto), pantomimisch anschreit, weil der beim Vortanzen fürs neue Stück nicht schnell genug die schlechten Tänzer aussortiert.

Menschlichkeiten

Wir erleben zu Mendelssohn Bartholdys frühem Klavierkonzert Nr. 3 ein bisschen Welt hinter den Kulissen, die Künstlerkämpfe und -eitelkeiten, viel menschlich Amüsantes. Vor allem Jaume Costa als Lysander in knappstem altrosa Höschen, aber auch Joshua Limmer, Martina Di Giulio und Chih-Lin Chan geben eindrückliche kleine Charakterstudien von Demetrius, Hermia und Helena.

Schon hier sorgt die Handwerkerschar mit Mireia Martinez Pineda als dem aufdringlich-eitlen Zettel, Yuria Nakahata als Flaut und drei im Programmheft nicht genannten, aber beachtlich aufspielenden und -tanzenden Statisten für Quertreibereien und großen Spaß. Ihr zur letztendlichen Hochzeit von Oberon und Titania dann vorgeführtes Stück ist herrliche Parodie.

Klassisches Repertoire

Aber zunächst zurück in den Ballettsaal, den wir uns in der Freiluftkulisse vorzustellen haben: Viel Gelegenheit für alles, was das klassische Tanzrepertoire an (Hebe-)Figuren und Drehungen zu bieten hat. Die Tanzkunst der drei Hauptdarsteller kommt bereits hier voll zur Wirkung.

Fragt sich nur, was die drei großen Buchsbüsche, die zum Umfeld des Herzog Alfred-Brunnens gehören, im Ballettsaal verloren haben.

Nach der Pause dann hat der zauberische Choreograf die ganze liebesverwirrte Gesellschaft tatsächlich in den imaginären Wald geschickt, nun zu Mendelssohn Bartholdys gleichnamiger mehrsätzigen Bühnenmusik. Nebel wabert um den Brunnen im Hofgarten.

Mit dem Tanzen geht es weiter so klassisch schön bis zum großen Pas de deux, in dem Oberon Titania ehrfurchtsvoll immer wieder in den Himmel hebt. Der verschmitzte Schlingel Puck ist hier erst recht Paraderolle für Takashi Yamamoto im grünen Haar.

Mark McClains aus dem Jahr 2011 wieder aufbereiteter "Sommernachtstraum" erfreut das Herz der Freunde vorzugsweise klassischen Balletts, wobei Sylvain Guillot in einigen Momenten expressiv und auf seine spezielle Kraft verweisend ausbricht.

Es ist der menschenfreundliche leise Humor McClains, der in diesem Liebes-Verwirrspiel zu entzücken vermag. Und ebenso auf Mark McClains Sympathie-Konto geht, dass er seine in Coburg aufgewachsene hübsche kleine Tochter mit Titania über die Bühne wandeln und uns sehen lässt.

Coburger Sommerfestspiele Ein Sommernachtstraum oder Eine Liebesodyssee. Ballett von Mark McClain nach William Shakespeare, Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Choreografie Mark McClain, Bühne Robert Schrag, Kostüme nach Ingomar, Szenario Mark McClain, Katajun Peer-Diamond, Dramaturgie Susanne von Tobien, Dorothee Harpain. Darsteller Natalie Franke (Titania), Sylvain Guillot (Oberon), Takashi Yamamoto (Puck), Martina Di Giulio, Jaume Costa, Chih-Lin Chan, Joshua Limmer , Yuriya Nakahata, Mireia Martinez Pineda, Statisterie.

Weitere Termine 19., 21., 25., 29. Juni, 4. Juli, 19.30 Uhr, Hofgarten, Dauer etwa zwei Stunden mit Pause.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren