Coburg
Angemerkt

Coburg, die Mauer und die Miss

Ramona Brehm arbeitet in Coburg, kommt aber aus Sonneberg. Unser Redakteur Oliver Schmidt geht der Frage nach, wem nun also die Miss "gehört".
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Mit Charme, Tatkraft und Zylinder  hat es Ramona Brehm zur "Miss Handwerk" geschafft.Foto: Oliver Schmidt
Mit Charme, Tatkraft und Zylinder hat es Ramona Brehm zur "Miss Handwerk" geschafft.Foto: Oliver Schmidt
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Wem "gehört" eigentlich Ramona Brehm? Die sympathische Schornsteinfegerin stammt aus Sonneberg, arbeitet seit 2010 in Coburg (und zwar heute im Betrieb von Bezirkskaminkehrermeister Marcel Beland im Stadtteil Scheuerfeld) und hat 2013 auch ihren Wohnsitz nach Coburg verlegt. Die fränkischen Medien vermeldeten deshalb vor einer Woche ganz stolz: "Eine Coburgerin ist neue Miss Handwerk!" Nur wenige Kilometer weiter wurde allerdings nicht minder glücklich getitelt: "Eine Thüringerin ist neue Miss Handwerk!"

Nun, mal ganz davon abgesehen, dass selbstverständlich kein Mensch irgendjemandem "gehört": Die Verbundenheit von Ramona Brehm sowohl zu ihrer Heimat Sonneberg als auch zu ihrer beruflichen Heimat Coburg ist doch wunderbar und sollte 28 Jahre nach dem Mauerfall nicht nur für eine 27-jährige Frau nichts Ungewöhnliches sein. Die zuletzt vor allem mit Personalproblemen beschäftigte Tourismusregion "Coburg/Rennsteig" könnte sich an der "Miss"-Wahl auch gleich mal ein Beispiel nehmen, was Oberfranken und Südthüringer gemeinsam alles schaffen können, wenn sie nur zusammenhalten. Denn der Umstand, dass gleich in zwei Bundesländern die Werbetrommel für Ramona Brehm gerührt wurde, war beim Online-Voting durchaus hilfreich. Diese Abstimmung im Internet verhalf Ramona Brehm zum Einzug ins Finale, floss am Ende allerdings nur zu einem Drittel ins Gesamtergebnis ein.


Das Problem mit dem Süden

Der Hauptgrund für Ramona Brehms tollen Erfolg ist am Ende sie selbst gewesen. Mit ihrer charmanten Ausstrahlung und ihrem überzeugenden Bekenntnis zum Handwerk ist es ihr gelungen, nach den Online-Usern auch das leibhaftige Publikum sowie die Jury bei der Münchner Handwerksmesse von sich zu überzeugen. Jens Beland, seines Zeichens Kreishandwerksmeister von Coburg sowie um zwei Ecken verwandt mit Ramona Brehms Chef Marcel Beland, gab jetzt zu, dass er durchaus seine Zweifel hatte, ob es am Ende tatsächlich klappt. Denn obwohl das Finale des vor acht Jahren erschaffenen Wettbewerbs in der bayerischen Landeshauptstadt stattfindet, handele es sich aufgrund der Veranstalter und Sponsoren eher um einen "norddeutschen Wettbewerb". Kandidaten aus dem Süden hätten es da erfahrungsgemäß schwer.


Aus dem Herzen Deutschlands

Aber mit einer Power, die von Herzen kommt - und noch dazu aus dem wiedervereinigten Herzen Deutschlands - , hat Ramona Brehm diesen vermeintlichen Nachteil wettgemacht.

Wie stolz allen voran die Handwerkskammer für Oberfranken (HWK) auf diesen Erfolg eines ihrer Schützlinge ist, wird auch daran sichtbar, dass spontan ein Empfang für Ramona Brehm organisiert wurde. Zu dieser Veranstaltung wurde allerdings auch der Kreishandwerksmeister von Sonneberg eingeladen - denn komplett für sich vereinnahmen will und kann man die 27-Jährige dann ja doch nicht.

Doch Coburg hin, Sonneberg her: In den Grußworten beim Empfang wurde deutlich, dass Ramona Brehm ein Glücksfall fürs gesamte Handwerk ist. Thomas Zimmer, der Präsident HWK, nannte sie eine "sympathische Repräsentantin", die mit Leidenschaft zu ihrem Beruf stehe. Und Leidenschaft sei sowieso "das beste Werkzeug".

Ramona Brehm dankte allen, die sie auf dem Weg zur "Miss" begleitet haben. Damit war - neben Eltern und Kollegen - vor allem ihr Freund Marcus Müller gemeint. "Ramonas Bewerbung wurde anfangs von manchen belächelt", erinnerte er sich am Rande des Empfangs. "Aber ich habe gewusst, dass sie es schafft!" Sagte es, und lächelte stolz. Seit 2016 wohnen die beiden übrigens zusammen, und im August 2017 sind sie umgezogen - nach Sonneberg.
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