Coburg

Coburg, Deine Leerstände

Wie es zu den ungenutzten Immobilien in der Coburger Innenstadt gekommen ist und was sich dagegen unternehmen lässt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Zu vermieten: Solche Hinweise sind derzeit an vielen Immobilien in der Coburger Altstadt zu entdecken.Foto: Jochen Berger
Zu vermieten: Solche Hinweise sind derzeit an vielen Immobilien in der Coburger Altstadt zu entdecken.Foto: Jochen Berger
+16 Bilder

Der Markt für gewerbliche Immobilien in der Coburger Innenstadt ist kräftig in Bewegung. In den letzten Monaten hat eine Reihe von Geschäften geschlossen, eine Reihe von Geschäften aber hat auch neu eröffnet. Vor allem in den sehr gefragten Toplagen scheinen die Bewerber nur auf Schließungen zu warten, um sich in Coburg in Stellung zu bringen.

Ob das nach der für Januar 2021 angekündigten Schließung der C&A-Filiale auch der Fall sein wird, muss sich noch erweisen. Grundsätzlich aber gilt: Die Immobilien in Toplagen freilich sind dünn gesät, die Mieten entsprechend hoch.

Das weiß auch Projektmanager Rolf Krebs von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Coburg (Wifög), die sich als Unterstützer für potentielle Interessenten versteht, ohne freilich selber zum Makler zu werden. "Als Wifög unterstützen wir Neuansiedlungen, aber bei direkten Mietverhandlungen sind wir außen vor. Uns direkt beteiligen dürfen wir gar nicht", stellt Krebs klar: "Wir sind rein informativ tätig".

Jenseits der Toplage

Unterstützung aber ist vor allem jenseits der Toplage notwendig. Denn diese Toplage, so Krebs, reicht in der Vestestadt nur vom Marktplatz bis zur Spitalgasse. "Die Toplage bedarf nicht unserer Hilfe", weiß Krebs: "Wenn es dort einen Leerstand gibt, ist sofort ein neuer Interessant da."

Schon die Mohrenstraße und nahe gelegene Straßen und Gassen aber sind deutlich weniger gefragt, obwohl Krebs gerade in der Mohrenstraße unverändert gute Rahmenbedingungen sieht: "Der Stadtbus fährt, es gibt Haltestellen und viele Passanten.

Viele Veränderungen stehen an

Dennoch kündigen sich besonders in der Mohrenstraße derzeit viele Veränderungen an. So stehen die Räume der Schöffel-Lowa-Filiale ab 1. April zur Neuvermietung an. Angepriesen werden die Räume mit 160 Quadratmetern Verkaufsfläche als "Prestigeobjekt in stark frequentierter Lage". Auch das Ladengeschäft schräg gegenüber, das sich ebenfalls dem Thema Sportmode widmet, ist auf der Wifög-Seite gelistet als Mietobjekt.

Für Coburg werben

"Natürlich müssen wir das schon beobachten, wenn Schöffel-Lowa schließt", sagt Krebs - Wiedervermietungen seinen "kein Selbstläufer mehr". Im Sinne der Innenstadt-Belebung "müssen wir heute im Hintergrund noch mehr arbeiten als vor Jahren". Werbung für Coburg machen, wo immer es geht - beispielsweise auch auf Tagungen, wo Expansionsleiter großer Firmen anzutreffen sind.

Kaufverhalten

Wenn traditionsreiche Geschäfte in Coburg schließen, heißt es häufig: "Das ist ja schade für Coburg", sagt Krebs: "Ich frage dann immer gleich: Wann habt Ihr dort zuletzt eingekauft?" Für den Wifög-Mann Krebs lautet das Schlüsselwort "Kaufverhalten". Wer Leerstände beklage, sollte "mal sein eigenes Kaufverhalten hinterfragen". Schließlich sei doch in der Coburger Innenstadt "alles erlaufbar".

Von 40 bis 400 Quadratmetern

Allein neun zu vermietende Immobilien listet die Wifög derzeit auf ihrer Homepage auf - zwischen Webergasse und Mohrenstraße. Das Spektrum reicht von überschaubaren rund 40 Quadratmetern bis zu 400 Quadratmetern Verkaufs- oder Nutzfläche.

Zu vermieten

Wer derzeit durch die Coburger Altstadt geht, stößt derzeit immer wieder auf diesen Hinweis: "Zu vermieten" - in begehrter Lage kurz vor dem Spitaltor ebenso wie in der Judengasse, im Steinweg, in der Webergasse oder in der Mohrenstraße. Bereits seit Monaten ist die ehemalige G-Fashion-Filiale ein Leerstand an prominenter Stelle.

Filialisten dominieren

Bei den Mietern sieht Rolf Krebs klar erkennbare Kategorien. In Toplagen dominieren in Coburg die Filialisten - von der Drogerie-Kette Müller bis zu Thalia und Rituals. Wichtig ist es für Krebs deshalb aus Sicht der Wifög, "auch die Ansiedlung von Nicht-Filialisten zu unterstützen". Dazu gehört als jüngstes Beispiel das Projekt des ersten Coburger Unverpackt-Ladens im Steinweg: "Da sind wir unterstützend von Anfang an dabei."

Positive Wirkung durch Sanierung

Dass sich die Sanierung von Stadtquartieren auf die Ansiedlung von Einzelhandel und Dienstleistern positiv auswirkt, sieht Krebs am Beispiel der Ketschenvorstadt bestätigt. Rund um den Albertsplatz habe sich "die Aufenthaltsqualität wesentlich verändert". Den Reiz des Bereichs am Albertsplatz sieht er in einer gemischten Nutzung aus Ärzten, Dienstleistern und Einzelhandel in Verbindung mit Wohnungen.

Geschäftslagen in der Innenstadt von Coburg

Einzugsbereich Vollmundig wirbt die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt für die Einkaufsstadt Coburg. "Coburg ist einzigartig. Coburg ist eine Stadt mit rund 41000 Einwohnern - spricht aber einen Einzugsbereich von insgesamt über 300000 Menschen an", heißt es auf der Homepage der Wifög. Ausdrücklich verweist die Wifög auf den "außergewöhnlich intakten historischen Stadtkern". Als Service bietet die Wifög Interessenten eine "unverbindliche Auflistung derzeit vakanter Ladengeschäfts im Bereich der Coburger Innenstadt an". Kaufkraft Die Stadt Coburg verfügte im Jahr 2019 nach einer Auflistung der IHK zu Coburg über eine Kaufkraft von rund 1062 Millionen Euro. Damit liegt Coburg mit 107,3 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Rechnet man dann noch den Landkreis Coburg mit einer Kaufkraft von gut 2100 Millionen Euro hinzu, so bilanziert die IHK für ihren Bezirk insgesamt fast 3164 Millionen Euro Kaufkraft im Jahr 2019. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Kaufkraft-Zuwachs von 3,4 Prozent. Mietvergleich Für die Toplagen in Coburg registriert Rolf Krebs, Projektmanager bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Coburg (Wifög) ein seit Jahren gleichbleibendes hohes Niveau. Auch hier aber lohnt der Vergleich. Fall in Coburg Mietpreise pro Quadratmeter Ladenfläche von 25 bis 60 Euro an, so sind es in der mit dem Siegel Weltkulterbe versehenen Stadt Bamberg 35 bis 75 Euro, wie das Immobilienunternehmen Brockhoff und Partner in regelmäßigen Vergleichen rund rund 200 Städten bundesweit dokumentiert.jb/red

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren