Leiser Regen rieselt auf den Coburger Marktplatz. Das Kopfsteinpflaster glänzt feucht. Die Nacht senkt sich früh hernieder. Herbst in Coburg. Zeit für melancholische Stimmungen, für ein wohliges Vollbad in Moll, Zeit für dunkle Klänge.


Das richtige Wetter, die richtige Zeit mithin für den finnischen Pianisten Iiro Rantala und seine ganz persönliche Hommage an einen der Großen der Rockmusik - Zeit für eine Hommage an John Lennon, zwei Tage, bevor der 1980 in New York ermordete Musiker seinen 77. Geburtstag hätte feiern können. "My Working Class Hero" hat Rantala sein Huldigungs-Album betitelt.


Auftakt im Rathaussaal

"5. Coburger Jazznacht" steht auf den Programmflyern. Doch Etiketten interessieren Iiro Rantala nicht, musikalische Etiketten und Genres haben ihn nie interessiert. Denn das, was Rantala am Flügel im Rathaussaal hören lässt, will ganz und gar nicht in irgendwelche Schubladen passen. Jazz und Pop, Blues und Klassik - alles mischt sich in seinem Spiel an diesem Abend, ohne dadurch freilich beliebig zu werden. Manchmal führt ihn diese musikalische Reise in einem einzigen Stück durch die verschiedensten musikalischen Sphären.


Sanft und versonnen

John Lennons "Help" zum Beispiel lässt Rantala ganz sanft und versonnen beginnen - wie eine zarte romantische Ballade. Abrupt aber unterbrechen schroffe, regelrecht in die Tasten gehämmerte Bassakzente diese lyrische Stimmung. Später dann kehrt die romantische Stimmung des Anfangs zurück, wird wieder unterbrochen und fügt sich ein in eine sehr kontrastreiche und irgendwie doch stets organisch wirkende Fassung dieses Songs.


Iiro Rantala wagt sich in seinem John-Lennon-Programm auch an die größten Hits aus der Feder des 1940 in Liverpool geborenen Musikers. Nie freilich gerät Rantala in Gefahr, nur einen beliebig wirkenden Aufguss zu servieren.


Opern-Melodien-Raten

Vielmehr bindet er die unterschiedlichsten stilistischen Welten verblüffend stimmig ein in sein Spiel. Rantala ist immer wieder für Überraschungen gut, wenn er zwischen den Hits von John Lennon plötzlich seine mitreißende Version der "Candide"-Ouvertüre von Leonard Bernstein einbaut oder zum munteren Opern-Melodien-Raten einlädt.


Reichlich Beifall

Das Coburger Publikum, darunter auch Generalmusikdirektor Roland Kluttig, ist jedenfalls begeistert von Rantalas Spiel und amüsiert von Rantalas selbstironischen Anmerkungen und spendet reichlich Beifall.


An zwei anderen Orten in Marktplatznähe geht diese musikalische Reise durch die verregnete Coburger Nacht weiter. Wer bei der von der Stadt Coburg veranstalteten Jazznacht (künstlerische Leitung: Antoinetta Bafas) auf der Suche nach entspannter Partystimmung ist, darf sich bei Béatrice Kahl und ihrer Band "B.groovy" bei "Leise am Markt" bestens aufgehoben fühlen. Routine und Musizierfreude verbinden sich hier bei vielen Hits vornehmlich aus den 80er Jahren - von Michael Jackson ("Bad") bis Sting, von den Bee Gees ("How deep is your Love?") bis Herbert Grönemeyer.


In der klassischen Quartett-Besetzung mit Piano und Keyboard, Bass, E-Gitarre und Schlagzeug schenken die Keyboarderin Béatrice Kahl und ihr Ensemble den Zuhörern drei stimmungsvolle Stunden bis Mitternacht


Klanglich reizvoll

Interessante klangliche Begegnungen bietet wenige Schritte weiter im "Münchner Hofbräu" das Duo Izabela Effenberg und Stephanie Lottermoser. Denn zusammen mit der Tenorsaxofonistin Stephanie Lottermoser musiziert Izabela Effenberg nicht nur virtuos auf dem Vibrafon. Vielmehr spielt sie zudem ein ungewöhnliches Instrument namens Array Mbira - klanglich sehr reizvoll changierend zwischen Glockenspiel und Harfe.

Effenberg und Lottermoser setzen auf kammermusikalisch feines Zusammenspiel und ziehen die Zuhörer mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Jazz und Pop, kombiniert mit Funk-Elementen, nachdrücklich in Bann. Jazz-Standards mischen sich in ihrem Programm mit vielen eigenen Kompositionen und lassen den Coburger Regen draußen vergessen.