Coburg
Auftritt

Coburg bejubelt Pointen-Jongleur

Wie Willy Astor das Publikum im Coburger Kongresshaus Rosengarten mit seinem Programm "Der Jäger des verlorenen Satzes" bestens unterhält.
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Wortakrobat Willy Astor wurde bei seinem Coburg-Gastspiel vom Publikum gefeiert.Foto: Jochen Berger
Wortakrobat Willy Astor wurde bei seinem Coburg-Gastspiel vom Publikum gefeiert.Foto: Jochen Berger
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Dieser Abend hat Nebenwirkungen, auch wenn kein Beipackzettel ausdrücklich davor warnt. Wer Willy Astors raffinierte Sprachspielereien rund zwei Stunden im fast ausverkauften Coburger Kongresshaus Rosengarten aufmerksam hört, trägt ganz unweigerlich eine ganz besondere Prägung davon - den unwiderstehlichen Zwang, in jedem Wort, in jedem Halbsatz, in jeder Formulierung nach einem überraschenden Doppelsinn zu suchen.

Verbeulte Vokale

Ein wenig die Betonung verändert, an ungewöhnlichen Stellen eine Zäsur gesetzt - schon bekommen Worte und Sätze eine verblüffend neue Bedeutung. Dass dabei manche Vokale klanglich ein wenig verbeult werden müssen, schadet keineswegs - im Gegenteil. Das Publikum lässt sich immer wieder verblüffen von den subtil bis brachial herbeigezauberten neuen Bedeutungsebenen.

Auf der Jagd nach Pointen

Das beginnt im aktuellen Programm von Willy Astor schon beim Titel: "Der Jäger des verlorenen Satzes". Jäger - das beschreibt Willy Astor tatsächlich sehr zutreffend. Denn immer ist der mit der Sprache spielende Gitarrist auf der Jagd - der Jagd nach irgendeiner Pointe, die er bislang vielleicht doch noch nicht entdeckt hat.

Coburg-Lied

Willy Astor liebt die Pointe um jeden Preis - notfalls auch in Gestalt eines leicht betagten Kalauers. Astors Abend im Kongress Rosengarten beginnt mit einem Coburg-Lied - einem sehr, sehr kurzen Coburg-Lied, in dem alles steckt, was dem Coburg-Kenner Willy Astor über Coburg in den Sinn kommt: "Coburg, Du bist so, wie Du bist."

Raffinierte Wortspiele

Der Silbendrechsler und manische Wortverdreher Astor braucht den Gitarristen Astor bei diesem Programm eigentlich nur am Rande - als schlichten Akkord-Arbeiter, der Astors raffinierte Wortspiele mit bewusst schlichten Harmonien garniert.

Bunt gemischtes Publikum

Willy Astors spezieller Humor ist bei allem Hintersinn dennoch mehrheitsfähig, wie ein Blick ins bunt gemischte Publikum beweist - vom Pärchen mittleren Alters bis zur Enkel-Großvater-Kombination.

Virtuoser Nonsense-Poet

Das Coburger Publikum bejubelt Willy Astor in verschiedenen Rollen - auch als virtuosen Nonsense-Poeten, der eine wild vagabundierende Geschichte ausschließlich mit Worten erzählt, die mit dem Buchstaben "A" beginnen.

Später lassen sich die Zuhörer dann noch ganz bereitwillig zum gemeinschaftlichen Mitraten animieren. Kein Wunder also, dass Willy Astor nur mit Zugabe endgültig von der Bühne gelassen wird.

Zu Gast im Kongresshaus Rosengarten

Willy Astor Komödiant und Komponist, aufgewachsen in München/Hasenbergl, gelernter Werkzeugmacher und Maschinenbautechniker, spielt Gitarre seit 1977. 1985 tauscht er Beruf gegen Berufung. Von 1990 an arbeitet er 10 Jahre bei Antenne Bayern und ist Autor der Comedy-Serie "Die Feuchtgrubers". 1998 komponierte er den FC-Bayern-Song "Stern des Südens", es folgte das "Wortstudio" auf Bayern 3. Bekannt wurde Astor ab den frühen 1990er Jahren vor allem durch seine wortspielerischen Kabarett-Nummern. Astor gibt seit Mitte der 1990er-Jahre zahlreiche Konzerte - mit seinen selbstkomponierten, vorwiegend für Gitarre geschriebenen Instrumentaltiteln füllt er mittlerweile fünf Alben. In der Region war er bereits wiederholt zu Gast, darunter auch beim "Tambacher Sommer".

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