Coburg
Religion

Christen, Moslems, Juden und Buddhisten treffen sich zum Dialog in Coburg

Angehörige mehrerer Religionen diskutieren am 8. April in Coburg theologische und gesellschaftliche Fragen.
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Minarett in der Sally-Ehrlich-Straße in Coburg. Anhänger des Islam werden das "Multireligiöse Gebet" am Sonntag mitfeiern. Foto: Jochen Berger
Minarett in der Sally-Ehrlich-Straße in Coburg. Anhänger des Islam werden das "Multireligiöse Gebet" am Sonntag mitfeiern. Foto: Jochen Berger
Buddhisten, Christen, Muslime und Juden laden am kommenden Sonntag, 8. April, von 14 bis 16 Uhr zu einem "Multireligiösen Gebet" im Gebäude des ehemaligen "Theaters am Hexenturm" zwischen Ernstplatz und Kleiner Rosengasse ein. Die Initiatoren feiern damit auch ein Jubiläum, es handelt sich nämlich in der 2004 begonnenen Reihe "multireligiöser Gebete" um die inzwischen 25. Veranstaltung dieser Reihe. Einzelne Vorläufer gab es aber schon in den 1990er Jahren. So fand im März 1997 in den Räumen der Ditib-Moschee in der Viktoriastraße eine gemeinschaftliche Feier mit Juden, Christen und Moslems statt. Ebenfalls im März 1995 fand in der St.-Nikolaus-Kapelle am Rosengarten, Coburgs früherer Synagoge, erstmals wieder eine jüdische, liturgische Feier statt. Die damalige Kulturreferentin der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg, Chriss Fiebig, zelebrierte die Kidduschfeier, einen Ritus zum Sabbatbeginn am Freitagabend.

Im Herbst 2004 begann dann der regelmäßige interreligiöse Dialog in Coburg. Auf Initiative des Evangelischen Bildungswerkes trafen sich Coburger Christen und Moslems zum Austausch und Kennenlernen an einem "runden Tisch". Da war auch die Jüdische Gemeinde Bamberg mit dabei. Heute umfasst die offene Arbeitsgruppe neben evangelischen, römisch-katholischen und alt-katholischen Christen sowie der Jüdischen Gemeinde Bamberg vonseiten des Islams die sunnitisch geprägte Ditib-Gemeinde und die Aleviten und neuerdings auch eine Gruppe Coburger Buddhisten. In den Zusammenkünften werden theologische und gesellschaftliche Fragen diskutiert.


Keine Fremdheit mehr

"Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung und dem Aufbau von interreligiöser Kompetenz geht es im Dialog um die unmittelbare Begegnung mit Mitgliedern der Islamischen Gemeinde." Der Umgang ist seit 2004 locker geworden. Da sitzen ganz ungezwungen der muslimische Imam Musa Uzun neben dem Rabbiner Dr. Salomon Almekias-Siegl und Ilhan Birinci vom Vorstand der Ditib-Moschee neben dem jüdischen Chasan (Kantor) Arieh Rudolph. Man kennt sich inzwischen ganz gut und scherzt auch mal zwischendurch. Man spürt keine Fremdheit in dieser Runde.

"Es ist der Wunsch nach Frieden, die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, die uns zusammenführt", sagte Pfarrer Dieter Stößlein vom Evangelischen Bildungswerk im Pressegespräch. Der Moslem Ilhan Birinci wies darauf hin, dass viele türkische oder ursprünglich türkische Familien schon seit mehr als einem halben Jahrhundert in Coburg ansässig seien. "Es gibt hier für uns ein gutes Miteinander", sagte Birinci. "Man lernt voneinander und verliert dadurch nichts." Ingeborg Heinebrodt, römisch-katholisch, bemerkte auch, dass man durch die Begegnung tief in die Gedankenwelt der anderen Religionen eindringen könne. So habe sie der sorgfältige Umgang mit dem schriftlich manifestierten Wort Gottes beeindruckt. Selbst so scheinbar banale Infozettel mit Koran- oder Thorazitaten könne man dann nicht einfach achtlos entsorgen.

Das hat auch für das Friedensgebet am Sonntag unmittelbar Folgen. So gibt es auf den Gottesdienstordnungen nur deutsche Übersetzungen, aber keineswegs originale Zitate in Hebräisch oder Arabisch.

Das "Multireligiöse Gebet" in Coburg fand 2004 erstmals in der ehemaligen Sonntagsschule (das war der ursprüngliche Zweck) am Hexenturm statt. Dort treffen sich Coburger Buddhisten. Traditionell finden die Multireligiösen Gebete wechselweise in den verschiedenen Gotteshäusern der beteiligten Gemeinschaften statt, in der Regel zweimal, im Frühjahr zur "Woche der Brüderlichkeit" und im Herbst im Rahmen der ökumenischen Friedensdekade.

Besonderes Lob gab es aus den Reihen der Religionsvertreter auch für die Stadt Coburg und Oberbürgermeister Norbert Tessmer. Pfarrer Stößlein sagte, dass der Interreligiöse Dialog auch Bestandteil des Integrationskonzeptes der Stadt Coburg sei.

Nach dem Multireligiösen Gebet besteht noch Gelegenheit zu Begegnung und Gesprächen.
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