Coburg
Auftritt

Chris Jarrett in Coburg: Klanggewitter am Bechstein-Flügel

Wie der Pianist Chris Jarrett sein Publikum in Coburg mitnimmt auf eine faszinierende Reise durch die Welt der Musik.
Artikel drucken Artikel einbetten
Einen eindringlichen Klavierabend gestaltete der Pianist und Komponist Chris Jarrett bei "Leise am Markt".Foto: Jochen Berger
Einen eindringlichen Klavierabend gestaltete der Pianist und Komponist Chris Jarrett bei "Leise am Markt".Foto: Jochen Berger
+10 Bilder

Die Finger dieser Pianisten führen ein ganz eigenes Leben. Während Chris Jarrett mit fast völlig unbewegter Miene am würdevollen Blechstein-Flügel auf der kleinen Bühne von "Leise am Markt" in Coburg sitzt, gehen seine Finger scheinbar gänzlich unabhängig von ihm spazieren.

Barock bis Minimal Music

Sie gehen spazieren durch die fast unendlich weite Welt der Musik - von Bach bis zur Gegenwart, vom Barock bis zur Minimal Music. Strenge Polyphonie und ungeniert vagabundierende Improvisation begegnen sich in Chris Jarretts Spiel. Die Welt seiner Musik ist voller verspielter Anklänge, voller Anspielungen und Zitate oder variierten Zitate. Wer freilich versuchen sollte, diese Anspielungen fein säuberlich zuzuordnen, hat eigentlich schon verloren. Denn schon schlagen Jarretts Finger einen neuen Weg ein, wechseln die Richtung, finden vermeintlich beiläufig eine neue Melodie, die nur darauf gewartet hat, gesungen zu werden.

Ostinato-Figuren

Natürlich lassen sich manche typischen Elemente von Jarretts Spiel benennen. Immer wieder arbeitet er mit Ostinato-Figuren im Bass, mit wiederkehrenden Figuren und motivischen Mustern.

Virtuose Ausbrüche

Doch die Essenz seines Spiels, seines Komponierens und Improvisierens, ist mehr als die die Summe der einzelnen Elemente, der mit einander verwoben Anklänge. Sanfte Choralgesänge und scharf ins Ohr schneidende Akkorde wechseln sich ab in seinen Stücken. Technisch scheint Chris Jarrett kaum Grenzen zu kennen. Zart gesungene Kantilenen gelingen ihm ebenso selbstverständlich wie das heftigste Akkordgewitter, das die wildesten virtuosen Ausbrüche eines Franz Liszt übertrumpfen könnte/will.

Pianistische Wucht

Wer die orgelnde Klanggewalt von Mussorgskys "Großem Tor von Kiew" für den Gipfel pianistischer Wucht halten sollte, hat Chris Jarrett noch nicht am weit geöffneten Flügel erlebt. Flirrende, ekstatische Klangkaskaden in höchsten Lagen gehören ebenso dazu wie grimmiges Bassgrummeln von kaum zu bändigender Kraft.

Schwebende Klänge

Vor allem aber finden Jarretts Finger aus dem heftigsten Akkordgewitter immer wieder verblüffend selbstverständlich auf kürzestem Weg zurück zu zarten, sanft schwebenden Klängen.

Drei Zugaben

Genau diese Kontraste zwischen Ruhe und Ausbruch, zwischen poetischer Zartheit und rabiater Klanggewalt verleihen Jarretts Musik ihre besondere Wirkung auf das Publikum, das mit seinem ausdauernden Applaus nicht weniger als drei Zugaben erklatscht.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren