Coburg
Besuch

Cem Özdemir nimmt Stellung zu Coburger Problemen

Zwischen Bamberg und Hof macht der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, in Coburg Station. Und sagt, was er vom ICE-Halt, vom Flugplatz und der 380-kV-Leitung hält.
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Willkommen in Coburg (von links): Bernd Lauterbach, Gabriele Jahn, Stefan Rau und Cem Özdemir. Foto: Helke Renner
Willkommen in Coburg (von links): Bernd Lauterbach, Gabriele Jahn, Stefan Rau und Cem Özdemir. Foto: Helke Renner
Dass Fliegen zum Teil preiswerter ist, als mit der Bahn zu fahren, findet der Bundesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete der Grünen absurd. "Da stimmt etwas nicht." Und vom Bau neuer Regionalflughäfen in Deutschland hält er schon gar nichts. "Das sind Zuschussbetriebe und fast überall floppen sie", sagt er. Denn es gehe bei den Kosten nicht nur um die Investition, sondern auch um den Unterhalt. Deshalb sehe er den Bau eines neuen Flugplatzes für die Coburger Region skeptisch.

Landtagskandidat Bernd Lauterbach erläutert dem Bundespolitiker, worum es konkret geht: "Wir haben hier den ältesten Flugplatz Deutschlands. Bisher war der ausreichend." Heute aber passten die Flugzeuge nicht mehr dazu und vor allem nicht die Vorschriften. Technisch reiche der Landeplatz auf der Brandensteinsebene völlig aus. Aber eine Interessengruppe im Landkreis strebe einen Neubau an. "Wir sollten lieber die vorhandene Infrastruktur nutzen."

D ass zu einer funktionierenden Infrastruktur in einem Oberzentrum wie Coburg auch ein ICE-Halt gehört, darüber sind sich die Coburger Grünen mit Cem Özdemir einig. Seiner Ansicht nach sollte in Sachen Bahn der Gesetzgeber eingreifen.

Bahnnetz in öffentliche Hand

"Das Netz gehört in die öffentliche Hand und die Bahn nicht an die Börse." Die Gewinne sollten nicht abgeführt, sondern zur Refinanzierung genutzt werden. "Dann ist auch ein ICE-Halt in Coburg möglich, trotz Einschleifung." Bundestagskandidat Manuel Dethloff ergänzt, dass auch der Lückenschluss in Richtung Thüringen notwendig sei, um eine ausreichende Zahl von Fahrgästen zu garantieren.

Zum Thema 380-kV-Leitung, das im Landkreis Coburg heiß diskutiert wird, hat der Bundesvorsitzende eine klare Meinung. Für ihn ist Dezentralisierung bei der Stromerzeugung der richtige Weg. Aber: "Ganz ohne neue Leitungen wird es nicht gehen. Doch je mehr Energie im Süden erzeugt wird, um so weniger Leitungen brauchen wir."

Vor allem in Süddeutschland sei die Erzeugung erneuerbarer Energie weit fortgeschritten. "Hier stehen wir kurz vor der Marktfähigkeit." Umso unverständlicher sei es, dass diese Entwicklung jetzt ausgebremst werde. "Die Bundesregierung subventioniert lieber Kohlekraftwerke." Manuel Dethloff sagt es noch deutlicher. "Wir brauchen die 380-kV-Leitung nicht. Wir haben hier Windkrafträder, Photovoltaikanlagen und Wasserkraft vor Ort und sind auf den Strom von der Ostsee nicht angewiesen."

Wahlmöglichkeit in der Bildung

Bildungspolitik liegt Cem Özdemir, dem gelernten Erzieher, besonders am Herzen. Was sagt er zur Einführung des G 8 in Bayern? "Es sollte am Gymnasium unter anderem um eine humanistische Bildung gehen und nicht nur um wirtschaftliche Relevanz." Und dazu brauchten die Schüler die nötige Zeit. Er plädiere dafür, dass es neben den Gymnasien die Gemeinschaftsschule gibt, die alle Schulabschlüsse anbietet. Die Eltern sollten die Möglichkeit haben, die für ihre Kinder beste Bildungsmöglichkeit wählen zu können. "Das G 8 lässt sich nicht rückgängig machen. Aber wir wollen das bestehende Schulsystem weiterentwickeln."

Bernd Lauterbach weist auf die ernste Situation im Landkreis hin. "Es existiert schon eine Liste von gefährdeten Schulen." Das bestehende Schulsystem könne dieses Problem nicht lösen. Und im Hinblick auf das G 8 und die Absicht, Schüler selbst entscheiden zu lassen, ob sie nicht vielleicht doch noch ein Jahr verlängern, also wahlweise zum G 9 zurückzukehren, hält er für wenig sinnvoll. "Wie soll dass denn praktisch aussehen?" Und dann ist die Zeit für Cem Özdemir auch schon um. Es geht weiter nach Hof.
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