Coburg
Hotel-Diskussion

Bürgerbegehren gegen Anger-Hotel?

Die Diskussion über das Hotelprojekt ebbt nicht ab: Die Gemeinschaft Stadtbild Coburg, die Altstadtfreunde und der Bürgerverein Mitte haben sich damit befasst.
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Ansicht des Anger-Hotelprojekts vom Rosengarten aus. Diesen Entwurf zeigten die Investoren in der Stadtratssitzung im April; es handelt sich nicht um die fertige Planung. Grafik: Erhard Soyk
Ansicht des Anger-Hotelprojekts vom Rosengarten aus. Diesen Entwurf zeigten die Investoren in der Stadtratssitzung im April; es handelt sich nicht um die fertige Planung. Grafik: Erhard Soyk

Der Verein Altstadtfreunde diskutierte am Donnerstag öffentlich; die Gemeinschaft Stadtbild Coburg war am Mittwochabend einer Einladung ihres Mitglieds Michael Stoschek gefolgt. Der Bürgerverein Coburg Mitte schließlich wandte sich am Freitag in einem offenen Brief an den Stadtrat.

Gemeinsame Forderung der drei Vereine: Es darf kein Anger-Hotel geben, zumindest nicht in der vorgesehenen Höhe, auch wenn der Bebauungsplan das zulässt. Die Altstadtfreunde wollen sogar ein Bürgerbegehren starten, wenn der Stadtrat seine Beschlüsse pro Hotel nicht in seiner Sitzung am 23. Mai zurücknimmt.

Auflagen in Kaufvertrag

Gemäßigter äußerte sich Gernot Kirchner, Vorsitzender des Bürgervereins Stadtmitte, in seinem offenen Brief. Er hält den Standort Anger grundsätzlich für geeignet, das geplante Hotel mit sieben Geschossen aber "für deutlich zu hoch". Der Bau sei "selbst bei leichten Änderungen" überdies "zu massiv und von der äußeren Gestaltung her ästhetisch nicht akzeptabel".

Die bebaubare Fläche könne indes vergrößert werden, so dass das Hotel niedriger werden könne schreibt Kirchner. Der Vorschlag, den Bereich parallel zur Ketschendorfer Straße zu verlängern, liegt dem Stadtrat bereits vor. Kirchner hält es überdies für möglich, die Fläche zu verbreitern, indem die Ketschendorfer Straße im Bereich des Rosengartens zur Einbahnstraße umgewandelt wird. "Da noch viel zu bedenken und zu ändern ist, soll der jetzige Verkaufsbeschluss des Stadtrats umgehend rückgängig gemacht werden", fordert Kirchner im Namen des Bürgervereins.

Bei einem künftigen Kaufvertrag solle die Stadt Bedingungen aufnehmen wie die, dass sie bei der Baugestaltung ein Mitspracherecht hat, schreibt Kirchner. Ohnehin sei anstelle eines Verkaufs ein Erbbaurecht in Erwägung zu ziehen. "Auch sollte in die Überprüfung mit einbezogen werden, ob es noch andere geeignete Standorte für das geplante Hotel in Coburg gibt als den Bereich auf dem Anger."

Alternative Rosengarten

Einen Alternativ-Standort hat Michael Stoschek ins Gespräch gebracht, Vorsitzender der Gesellschafter-Versammlung bei Brose und vor knapp 13 Jahren Initiator des "Neuen Innenstadtkonzepts" (Nik). Er sieht den Standort Anger aus mehreren Gründen als problematisch an, unter anderem, weil sich direkt daneben ein Park- und Festplatz befinde. Ein Hotel mit 170 Betten hält Stoschek außerdem für zu groß, da auch die Ibis-Kette in Coburg ein Hotel am Sonntagsanger eröffnen wolle (ehemaliges Pfiffer-Gelände).

Stoschek hält den Rosengarten für einen geeigneten Standort, wie er in der Veranstaltung mit den Stadtbild-Mitgliedern bekräftigte. Deren Vorsitzender Hans-Heinrich Eidt gab einen Bericht über die Versammlung an die Medien. Demnach solle das Rosengarten-Hotel direkt mit dem (zu renovierenden) Kongresshaus verbunden werden und eine Tiefgarage erhalten, die über den Berliner Platz zu erreichen sei. Ein solcher Hotelbau würde nur fünf Prozent der Rosengartenfläche in Anspruch nehmen, heißt es in dem Bericht: Zusammen mit Kongress- und Palmenhaus seien dann 15 Prozent der Gesamtfläche überbaut. Abgesehen davon wird nach Stoscheks Vorstellungen auch der Rosengarten neu gestaltet und die Sicht auf den Park von der Ketschendorfer Straße her verbessert. Stoschek kündigte Eidt zufolge erneut an, dass er auch bereit sei, selbst als Hotel-Investor aufzutreten.

Stadtbild dafür

"In der regen Diskussion fanden die Vorschläge Stoscheks fast ausschließlich Zustimmung", berichtet Eidt. "Bedenken wegen der beeinträchtigten Aussicht auf den Rosengarten und eine verstärkte Verkehrsbelastung der Alexandrinenstraße äußerte ein Bewohner eines anliegenden Hauses."

Eidt zitiert auch auszugsweise aus Gutachten, die im Zuge des Neuen Innenstadtkonzepts erstellt wurden. Darin wird hervorgehoben, dass die direkte Verbindung zum Kongresshaus für den Erfolg des Hotels entscheidend sei. Das geplante Anger-Hotel-Projekt sieht zwar eine Zusammenarbeit mit dem Kongresshaus vor, aber ein direkter baulicher Zusammenhang wäre nicht gegeben.

Das Landesamt für Denkmalpflege habe seinerzeit keine Bedenken gegen ein Hotel im Rosengarten gehabt, weil "keine negativen Auswirkungen auf den Ensemblebereich südliche Innenstadt erkennbar sind", zitiert Eidt aus Unterlagen aus dem Jahr 2006. Seinem Bericht nach fordern die Teilnehmer der Stadtbild-Veranstaltung "die Stadträte auf, diese Alternative durch die umgehende Schaffung eines Baurechts zu verwirklichen - denn: wenn die Stadt etwas wirklich ernsthaft will, kann sie das auch durchsetzen".

Rosengarten kein Denkmal

Aktuell äußert sich das Landesamt für Denkmalpflege zu dem Hotelprojekt am Anger so: "Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) hat seine fachlichen Bedenken gegen ein sieben Geschosse hohes Hotel an dieser Stelle von Anfang an deutlich gemacht. Das BLfD hat sich nicht grundsätzlich gegen die Planung ausgesprochen, sondern gefordert, dass eine neue Bebauung Rücksicht auf die vorhandene Bebauung und auf die historische Stadtsilhouette nehmen sollte. Zur Überbauung des Rosengartens (der kein Gartendenkmal und kein Ensemblebestandteil ist) können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage treffen; dem BLfD liegt bisher keine Planung vor."

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