Coburg
Jubiläum

Brose will sich rundum erneuern

Unter dem Namen "Future Brose" wurde ein Erneuerungsprogramm gestartet. Allen voran sollen die Kosten in der Brose-Gruppe weltweit um zehn Prozent gesenkt werden. Michael Stoschek hält es außerdem für wichtig, die "Führungskultur" neu zu justieren.
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Das Gebäude 25 von Brose in der Max-Brose-Straße in CoburgFoto: Brose
Das Gebäude 25 von Brose in der Max-Brose-Straße in CoburgFoto: Brose
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Max Brose ist und bleibt das große Vorbild von Michael Stoschek, dem heutigen Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung der Brose-Gruppe. Als am Samstag der 100. Geburtstag des Coburger Brose-Werks gefeiert wurde, gab es zahlreiche Anekdoten rund um den Firmengründer zu hören - zum Beispiel diese: Max Brose, der immer ein offenes Ohr für seine Arbeiter hatte, setzte sich manchmal für zwei Stunden neben eine seiner Maschinen, um Prozesse besser zu verstehen - und um diese Prozesse anschließend vielleicht optimieren zu können. Jetzt, da sich Brose wieder einigen großen Herausforderungen ausgesetzt sieht, hat es den Anschein, als würde sich das Unternehmen wieder stärker denn je dieser Ur-Philosophie von Max Brose besinnen wollen.

Wettbewerbsfähig bleiben!

Zwar muss sich heute niemand mehr aus der obersten Führungsetage stundenlang neben eine Maschine setzen. Aber im übertragenen Sinne ist das durchaus auch die Aufgabe des Beratungsunternehmens McKinsey, das im Herbst 2018 ins Haus geholt und mit einem Drei-Jahres-Programm beauftragt wurde. Das Ziel ist laut Stoschek klar: "Es geht darum, unsere wirtschaftliche und technologische Wettbewerbsfähigkeit zu analysieren." Unabhängig von dieser Analyse hat er aber auch schon eigene Vorstellungen, wohin die Reise gehen soll: "Mir ist wichtig, dass Brose auch bei weiterem Wachstum ein attraktives, agiles und transparentes Familienunternehmen bleibt, dessen Führung auch ein Herz für die Mitarbeiter in der Produktion hat." Letzteres wirft die Frage auf, ob man bei Brose zuletzt wohl nicht immer ein Herz für die Mitarbeiter in der Produktion hatte? Michael Stoschek sagte dazu an einer anderen Stelle seiner Rede folgenden interessanten Satz: "Seit ich 2006 nicht mehr an der Spitze der Geschäftsführung stehe, habe ich kaum noch Kontakt zu unseren Mitarbeitern, und vieles ist mir fremd, was sich in den vergangenen 13 Jahren in unserer Firma entwickelt hat." 2006 hatte Stoschek den Vorsitz der Geschäftsführung an Jürgen Otto übergeben; der verließ das Unternehmen im November 2017, Nachfolger wurde Kurt Sauernheimer.

Lücke nach Osteuropa verkleinern

Stoschek hält zwar sowohl das Programm "Future Brose" für wichtig als auch die von McKinsey bereits empfohlene, weltweite Kostenreduzierung um zehn Prozent. Grundsätzlich wünscht er sich aber auch, wie er am Samstag sagte, dass die "Führungskultur" im Unternehmen "neu justiert" werde.

Kurt Sauernheimer oblag es, ein paar Einblicke in das Programm "Future Brose" zu geben (siehe dazu Info am Textende). Dieses Programm sei vor allem deshalb wichtig, um "die Lücke nach Osteuropa zu verkleinern". Denn auf dem dortigen Markt könnten Mitbewerber zum Teil für lediglich ein Drittel der Personalkosten produzieren lassen. Nicht zuletzt deshalb hatte es ja im vergangenen Jahr auch die Diskussion gegeben, inwieweit sich der Produktionsstandort Coburg überhaupt noch wirtschaftlich gestalten lässt. Kurt Sauernheimer stellte klar: "Wir müssen weitere Schritte tun, um Coburg zukunftsfähig zu machen." Er räumte allerdings auch ein, dass die "kreativen Lösungen", die es zu finden gelte, "sicherlich auch zu Belastungen führen" werden. Deshalb brauche es Vertrauen bei allen Beteiligten. Mit Blick auf die 100-jährige Firmengeschichte in Coburg gab sich Sauernheimer aber zuversichtlich: "Brose hat in seiner Geschichte schon schwierigere Situationen überstanden!"

Was ist "Future Brose"?

Hintergrund Das nach den Worten von Kurt Sauernheimer "größte Erneuerungsprogramm der Firmengeschichte" beinhalte drei Handlungsfelder: 1. Das profitable Wachstum im Kerngeschäft der Brose-Gruppe soll vorangetrieben werden. 2. Die Kosten in der Brose-Organisation sollen gesenkt werden, insbesondere dadurch, dass Strukturen und Abläufe effizienter werden. 3. Die Innovationskraft soll gesteigert werden, bei bestehenden wie auch bei neuen Produkten und Prozessen.

Hintergrund: Das sagen ein Experte und der Coburger OB zu Brose

In der Organisation der Brose-Gruppe gibt es einige Besonderheiten. Zum Beispiel ist seit den 1970er Jahren in einer "Verfassung" geregelt, dass die Interessen des Unternehmens immer vor die der Eigentümer zu stellen sind - etwa auch dann, wenn es um Entnahmen geht. Beraten lässt sich die derzeit fünfköpfige Gesellschafterversammlung von einem Beirat, dem namhafte und unabhängige Experten angehören. Sollte es bei einer Entscheidung zu einem Patt zwischen den Gesellschafterfamilien Stoschek und Volkmann kommen, würde die Meinung des Beirats den Ausschlag geben. "Zum Glück ist das in den vergangenen Jahrzehnten nicht nötig gewesen", sagte Michael Stoschek beim Empfang.

Eben jener Beirat kam beim Empfang in Person von Prof. Dr. Thomas Weber zu Wort. Der 65-Jährige hatte vor allem zahlreiche Führungsposten bei Daimler inne und ist immer wieder beeindruckt, wenn er Brose besucht. Das fängt schon bei der Architektur an: "So hell und mit viel Glas", sagte er und ließ am Samstag den Blick durchs Foyer des Gebäudes 25 schweifen, "hier kann Zukunft stattfinden!" Ausdrücklich begrüßt wird von ihm das Programm "Future Brose": "Ja, alles muss auf den Prüfstand!" Denn:  "Ohne Wettbewerbsfähigkeit geht gar nichts!" Er zeigte sich aber sehr zuversichtlich, dass die Erfolgsgeschichte von Brose weitergeschrieben werden kann. Bereits bei der nächsten Internationalen Automobilausstellung werde das Unternehmen zeigen, "was Brose drauf hat". Gleichzeitig appellierte Weber an die gesamte Brose-Familie, ehrgeizig zu bleiben: "Verlieren Sie bitte nicht den Anspruch, der Beste zu sein."

Max Brose im grauen Mercedes

Worte der Anerkennung hatte auch Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) parat. "Ich bin beeindruckt von der Brose-Erfolgsgeschichte", sagte er und verriet, dass er auch eine ganz persönliche Erinnerung an den Firmengründer habe: "Ich bin am Marienberg aufgewachsen - und Max Brose ist in seinem grauen Mercedes 220 immer an unserem Haus vorbeigefahren!"

Aber zurück in die Gegenwart: Tessmer betonte, dass die Stadt nicht nur deshalb froh und dankbar" sei, Brose zu haben, weil die Firma Gewerbesteuer bezahlt. "Brose gibt auch vielen Menschen eine Perspektive und übernimmt soziale Verantwortung." Exemplarisch nannte er den "Brose Kids Club", der derzeit sogar noch erweitert werde. Dass Brose in den nächsten Jahren insgesamt eine dreistellige Millionensumme an seinem Stamm-Standort investieren wolle, wertete Tessmer als "klares Bekenntnis zu Coburg". Ausdrücklich dankte Tessmer Brose für die "Standorttreu".osos

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