Coburg/Bamberg
Strategie

Brose verlagert 300 Arbeitsplätze

Der Automobilzulieferer hat sich erstmals detailliert zu seinen Neubauplänen im Raum Bamberg geäußert. Ein Großteil der dort geplanten Arbeitsplätze wird von Coburg abgezogen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Mit heftiger Kritik an der Stadt Coburg hat sich die Brose-Unternehmensgruppe am Donnerstag erstmals öffentlich zu ihren jüngst publik gemachten Expansionsplänen geäußert. Zudem erklärte Geschäftsführer Jürgen Otto, dass von den 500 Arbeitsplätzen, die in einem Neubau im Raum Bamberg untergebracht werden sollen, mehr als die Hälfte - nämlich 300 - vom Coburger Stammsitz abgezogen werden.

Der genaue Standort für den Brose-Neubau, der bis 2014 fertig sein soll, steht noch nicht fest; sowohl Hallstadt, wo sich bereits ein Werk des Automobilzulieferers befindet, als auch Bamberg macht sich Hoffnungen. Insgeheim hatte auch die Industrie- und Handelskammer zu Coburg darauf gehofft, dass die Vestestadt zumindest noch eine kleine Chance hat. Präsident Friedrich Herdan, der auch für die CSU-Fraktion im Coburger Stadtrat sitzt, hatte deshalb eindringlich an Coburgs Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) appelliert, das Gespräch mit Michael Stoschek, dem Vorsitzenden der Brose-Gesellschafterversammlung, zu suchen. Das Verhältnis von Norbert Kastner und Michael Stoschek gilt seit Jahren als schwer belastet und somit auch als ein möglicher Grund dafür, warum Brose seine Zukunft künftig mehr in Bamberg und Würzburg sieht.

Am Donnerstagnachmittag überschlagen sich dann die Ereignisse. Auf Nachfrage der CSU-Fraktion teilte Norbert Kastner in der Sitzung des Coburger Stadtrats mit, dass er gemeinsam mit dem IHK-Präsidenten das Gespräch mit Stoschek suchen werde. Zudem habe er bereits - zusammen mit allen Bürgermeistern des Landkreises Coburg - einen Brief an den Vorsitzenden der Brose-Geschäftsführung verfasst. Ziel: "Sondieren, inwieweit gegebenenfalls in der Region Coburg Standortvoraussetzungen gegeben sind, die im Einzelfall in der Stadt Coburg nicht zu erfüllen sind."

Doch kaum hatte so mancher erleichtert zur Kenntnis genommen, dass Norbert Kastner nun tatsächlich den Dialog mit dem zweitgrößten Arbeitgeber der Stadt sucht, da strahlte der Bayerische Rundfunk ein Interview mit Jürgen Otto aus. Darin gab der Brose-Geschäftsführer nicht nur Auskunft über die geplante Verlagerung von 300 Arbeitsplätzen, sondern ging auch grundsätzlich auf die strategische Entscheidung ein. Demnach hat sich der Autozulieferer aus mehreren Gründen für das Bamberger Umland und gegen Coburg entschieden. So sei in Coburg die Infrastruktur schlecht, es fehle unter anderem ein Hotel und ein Kongresszentrum.

Außerdem räumte Jürgen Otto ein, dass auch "emotionale Gründe" eine Rolle bei der Entscheidung gespielt hätten: Er verwies darauf, wie sehr sich zurzeit Bamberg und Hallstadt um Brose bemühen würden - "das spricht doch eine deutliche Sprache". Weltweit würden sich Städte um die Firma Brose bemühen, doch ausgerechnet in Coburg, so Jürgen Otto, sei dieses Bemühen zuletzt "stark zurückgegangen".

Kastner wies die Kritik des Brose-Geschäftsführers zurück. Weder für ein Hotel noch für ein Kongresszentrum habe nun einmal in den vergangenen Jahren ein Investor gefunden werden können - "und ich kann auch keinen herbeizaubern".

Mehr dazu lesen Sie am Freitag im Coburger Tageblatt (Printausgabe)
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren