Coburg

Brandensteinsebene soll Coburgs Flugplatz bleiben

Bürgerinitiativen und der Bund Naturschutz fordern das Luftamt Nordbayern auf, das Genehmigungsverfahren für einen Flugplatzneubau einzustellen.
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Ein Neubau ist nicht genehmigungsfähig. Daher sollte die Brandensteinsebene ertüchtigt und auch in Zukunft als Verkehrslandeplatz genutzt werden, meinen die Gegner des Neubaus. Foto: CT-Archiv
Ein Neubau ist nicht genehmigungsfähig. Daher sollte die Brandensteinsebene ertüchtigt und auch in Zukunft als Verkehrslandeplatz genutzt werden, meinen die Gegner des Neubaus. Foto: CT-Archiv
Die Sachlage sei klar, eine weitere Verzögerung inakzeptabel. Daher fordert das Bündnis der Flugplatzgegner eine sofortige Entscheidung des Luftamtes Nordbayern, das Planfeststellungsverfahren für den Neubau eines Verkehrslandeplatzes bei Meeder/Wiesenfeld zu beenden. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, hatte Dagmar Escher als Sprecherin des Bündnisses Bürger für ihre Region gegen einen Verkehrslandeplatz zum Pressegespräch eingeladen.

Vertreter von Verbänden, aus Bürgerinitiativen und Standesvertretungen waren dazu in den Coburger Ratskeller gekommen. Es sollte die letzte Runde in einem langen Kampf sein, so die Hoffnung der Beteiligten. Dabei hatten die Gegner diese Hoffnung schon vor zwei Jahren. Im August 2015 legte die Initiative ein Schreiben auf den Tisch, mit dem das Luftamt Nordbayern der Projektgesellschaft Verkehrslandeplatz mitteilt, dass die Deutsche Flugsicherung das Gelände bei Wiesenfeld für ungeeignet einstuft, um dort einen Verkehrslandeplatz zu bauen. Ausdrücklich heißt es in diesem Schreiben, dabei "... handelt es sich um einen zwingenden Versagungsgrund, der keinerlei Raum für eine weitere Abwägung oder eine Ausnahme zulässt."


Flugsicherung bleibt hart

Die Projektgesellschaft ging damals davon aus, mit geringen Änderungen in der Planung doch zu einer Genehmigung zu kommen. Mit Unterstützung durch das Innenministerium verschaffte sie sich Zeit, eine Studie erarbeiten zu lassen, wie der Platz mit gewissen Auflagen und Sondergenehmigungen doch gebaut werden könnte. Allein, die Flugsicherung bleibt bei der Einstufung, das Gelände sei ungeeignet.

Inzwischen kommen weitere Gründe hinzu, wie auch Tom Konopka, Regionalreferent beim Bund Naturschutz, darlegt. So liege inzwischen eine klare ablehnende Stellungnahme der höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung von Oberfranken vom Mai dieses Jahres vor. Außerdem werde - das zeige sich bei anderen Projekten - der Existenzgefährdung landwirtschaftlicher Betriebe durch so ein Projekt inzwischen hohe Beachtung seitens der Regierung geschenkt. Dass dies für seinen Betrieb zutrifft, kann Landwirt Thomas Schreiner mit einem Gutachten belegen. Konopka: "Das ist der dritte Sargnagel, der die Umsetzung dieses Vorhabens verhindert." Auch die vom BN beauftragten Juristen kommen zu dem Ergebnis, dass der Standort Weida ungeeignet ist. Konopka: "Sie verweisen auf mindestens sechs Schreiben der Deutschen Flugsicherung an das Luftamt und unter Zitierung etlicher Urteile und Rechtskommentare darauf, dass das Luftamt hier kein Ermessen mehr hat, sondern ablehnen muss."


Zweifel am Bedarf

Ein wesentlicher Punkt, auf dem die Gegner des Neubaus beharren, ist der ihrer Einschätzung nach fehlende Bedarf. Sie sind überzeugt, dass der Flugplatz Brandensteinsebene mit mäßigem Aufwand ertüchtigt werden kann, um eine dauerhafte Genehmigung auch für den Instrumentenflugbetrieb zu erhalten. Dagmar Escher: "Was wir immer gesagt haben, und mit eigenen, teuren Gutachten untermauert haben bewahrheitet sich nun: Der Verkehrslandeplatz auf der Brandensteinsebene kann zur weiteren Nutzung des Instrumentenfluges ertüchtigt werden. Man muss nur den Antrag dazu stellen."

Sollte nach der aus ihrer Sicht völlig unvermeidbaren Ablehnung für den Standort bei Wiesenfeld mit einer Planung für einen Alternativstandort bei Gossenberg (Ulrichstock) begonnen werden, kündigt Manuela Müller von der Initiative Ulrichstock an, dagegen genauso entschlossen zu kämpfen, wie in Wiesenfeld: Es gelten ja auch für Gossenberg die guten Argumente des fehlenden Bedarfsnachweises und der bestehenden Alternative Brandensteinsebene. Und eine schützenswerte Natur haben wir natürlich auch." Zum fehlenden Bedarf ergänzt Konopka: "Wir werden erleben, dass vor 2019 eine Verlängerung für den Instrumentenflugbetrieb auf der Brandensteinsebene beantragt wird." Er ist sicher, dass sie auch erteilt wird. Und wenn auf der Brandensteinsebene geflogen werden kann, sei ein Neubau eben überflüssig.

Stadt und Projektgesellschaft hatten angeführt, dass eine Ausnahmegenehmigung für den Instrumentenflugbetrieb auf der Brandensteinsebene nur noch unter der Bedingung erteilt werden konnte, dass man ernsthafte Bemühungen unternehme, einen Neubau zu verwirklichen. Dazu sagte allerdings Klaus Klumpers (ÖDP) als Mitglied des Coburger Stadtrats: "Das ist so inszeniert worden. Das Wort Fakenews war damals noch nicht erfunden."

Sein Stadtratskollege Rüdiger Benzel (Grüne) fordert aus einem anderen Grund ein Ende weiterer Planungen. Die Stadt habe schon bis jetzt 1,6 Millionen Euro für das Vorhaben ausgegeben, das nun offensichtlich nicht verwirklicht werden könne. Weitere Kosten seien nicht akzeptabel. Es sei vielmehr zu prüfen, ob nicht Regressforderungen möglich seien.

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