Neustadt bei Coburg
Gesundheitscampus

Bovelet gibt Neustadter Krankenhaus eine Chance

Was wird aus dem Neustadter Krankenhaus, wenn Regiomed den Gesundheitscampus baut? Eine schlagkräftige Einheit, versichert der Hauptgeschäftsführer.
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Es  wird sich auf lange Sicht verändern, bleibt aber als Teil des Regiomed-Klinikverbunds erhalten, sagt  Hauptgeschäftsführer Joachim Bovelet: das Krankenkaus im Neustadter Seilersgründchen.Berthold Köhler
Es wird sich auf lange Sicht verändern, bleibt aber als Teil des Regiomed-Klinikverbunds erhalten, sagt Hauptgeschäftsführer Joachim Bovelet: das Krankenkaus im Neustadter Seilersgründchen.Berthold Köhler
So viel steht mal völlig außer Frage: Die kommenden zwei Jahre wird sich am Leistungsangebot des Klinikums in Neustadt nichts verändern. Das hat Joachim Bovelet als Hauptgeschäftsführer des Regiomed-Klinikverbunds am Montag bei einem Pressegespräch in Neustadt versichert. Aber er räumte auch ein: Auf lange Sicht sind beim Krankenhaus im Seilersgründchen Veränderungen nicht auszuschließen.
"Mögliche und tatsächliche Irritationen" habe es rund um das Neustadter Krankenhaus nach seinem Vortrag am Donnerstag im Coburger Stadtrat gegeben, wundert sich Bovelet. Da nickte auch Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD), der die ihm zugetragenen Worte des Regiomed-Chefs "hoch irritiert" registriert hatte. Deshalb gab es offensichtlich gleich mehrfach Gespräche zur Zukunft des Neustadter Krankenhauses - sowohl am Freitag als auch am gestrigen Montag. Recht glücklich schien Rebhan gestern immer noch nicht, aber er hatte zumindest eine Zusage der Regiomed-Geschäftsführung: "Die medizinische Grundversorgung in Neustadt bleibt auf absehbare Zeit erhalten."
Und vielleicht sogar darüber hinaus. Joachim Bovelet kann es sich nach eigenem Bekunden gut vorstellen, dass auch nach dem Neubau des von ihm präferierten Gesundheitscampus eine medizinische Notversorgung im Neustadter Krankenhaus stattfinden kann: "Die wird es auf Dauer hier geben müssen." Da spielt auch die inzwischen abgeschlossene Verschmelzung der beiden Krankenhausgesellschaften für Neustadt und Coburg eine wichtige Rolle: Durch diese sei es, sagte Bovelet, leichter, medizinische Fachkräfte zu beiden Standorten zu delegieren. "Nie daran gedacht", versicherte der Regiomed-Chef, habe man in der Geschäftsführung, den Standort Neustadt zu schließen.
Schwieriger schaut es da schon mit der derzeit angebotenen medizinischen "Rundumversorgung" mit Notfallmedizin, internistischer und orthopädischer Station aus. Zwar räumte Bovelet ein, dass der Wechsel von Professor Johannes Brachmann eine "deutliche Patientensteigerung" für die Innere Medizin in Neustadt mit sich gebracht habe, doch einen Bestandsschutz auf Dauer wollte er hier nicht abgeben. Schon gar nicht für die Orthopädie, wo der Regiomed-Geschäftsführer auf den allgemeinen Trend zur Zentralisierung verwies. Deshalb sieht Bovelet diesen Bereich "perspektivisch eher am Campus".
Und was bliebe dann für das für die örtliche Bevölkerung so wichtige Neustadter Krankenhaus? Hier präsentierte Joachim Bovelet zwei Fachbereiche, für die sich Gelände und Gebäude am Seilersgründchen sehr gut eignen würden: Naturheilverfahren (wo Regiomed in Sonneberg ohnehin verstärkt investiert) und Schmerztherapie. Besondere Letztgenannte habe deutliches Potenzial, den Standort Neustadt zu stärken, versicherte der Geschäftsführer: "Die Zahl der chronisch Schmerzkranken nimmt zu."
Eine klare Botschaft schicke der Hauptgeschäftsführer in Richtung der rund 100 Mitarbeiter des Krankenhauses: "Kein Mitarbeiter hier muss auch nur irgendeine Befürchtung haben." In Zeiten des Fachkräftemangels sei Regiomed froh, an seinen Standorten gut ausgebildetes Personal zu haben. Man werde jeden brauchen, ließ Joachim Bovelet durchblicken.
Frank Rebhan, der sich beim Pressegespräch ausdrücklich als "Zuhörer" und Nichtbeteiligter bezeichnete, schrieb die "außerordentlich wichtigen" Aussagen Bovelets eifrig mit. Der Ärger über die "große Verunsicherung" (Rebhan), die seit vergangener Woche bei der Neustadter Krankenhaus-Belegschaft herrscht, war auch nach anderthalb Stunden mit Prognosen und Visionen Bovelets beim Neustadter Oberbürgermeister noch nicht gänzlich verflogen.


Fünf weitere Standorte im Gespräch

Beim Wirbel um die unsichere Zukunft des Neustadter Klinikums ging diese Nachricht von Joachim Bovelet fast unter: Das ehemalige BGS-Gelände zwischen Dörfles-Esbach und Coburg ist längst nicht einzige Standort, der für den von Regiomed geplanten Gesundheitscampus infrage kommt.
Bovelet, Hauptgeschäftsführer des Regiomed-Klinikverbundes, bestätigte gestern: "Wir haben seit heute fünf weitere Standorte, die uns der Landkreis und die Wirtschaftsförderung des Landkreises genannt haben." Joachim Bovelet, der in den vergangenen Wochen aus seiner Vorliebe für einen Campus-Neubau auf dem BGS-Gelände keinen Hehl gemacht hat, zeigte sich zum Vorstoß aus dem Landratsamt gesprächsbereit: "Auf den ersten Blick haben alle ihren Charme."
Wo die Grundstücke - alle nach Bovelets Angaben mindestens die notwendigen 20 Hektar groß - liegen, darüber hüllten sich die Verantwortlichen gestern in Schweigen. Bovelet verwies auf die interne Prüfung der Standorte, die er allerdings in den kommenden drei Monaten abgeschlossen haben wolle. Dieter Pillmann, Pressesprecher am Coburger Landratsamt, bestätigte auf Tageblatt-Anfrage: "Das Landratsamt Coburg hat alternative Standorte zum geplanten Bau eines Gesundheitscampus im Landkreis Coburg benannt." Wichtig seien bei der Auswahl zunächst Lage und Größe der Grundstücke gewesen. In einem Punkt waren sich Bovelet und Pillmann einig: "Alle Standorte müssen allerdings noch hinsichtlich weiterer Kriterien näher untersucht werden." Dies könne mit Ruhe und Bedacht geschehen - ohne öffentliche Standortdiskussion.


Neubau ohne Zuschuss?

Sollte es wirklich den Neubau eines Klinikums geben, zeigte sich Joachim Bovelet überzeugt davon, dass Regiomed finanziell in der Lage sei, das Projekt ohne Darlehen oder gar Zuschüsse der Gesellschafter des Krankenhausverbandes Coburg (zu 40 Prozent die Stadt, zu 60 Prozent der Landkreis) zu stemmen. Wie viel Geld der Campus kosten wird - darüber wollte Bovelet nicht spekulieren.


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